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Das Abendland · 1868-06-15 · 12 (15.6.1868) · p. Seite 96

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
12 (15.6.1868)
Date
1868-06-15
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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96 dacht am letzten Wochenfeste gedacht, wie dieß auch hier in Brünn der Fall war. In mehreren kleinen und größer« Gemeinden wurde dem muthigen Vorkämpfer für das Menschenrecht durch Gründung einer „Mühlfeld-Stiftung" zu Humanitären Zwecken ein bleibendes Denkmal gesetzt. — Wie wir hören geht auch der Brünner Gemeindevorstand mit dem Gedanken um, eine ähnliche Stiftung ins Leben zu rufen. * Wie uns mitgetheilt wird, ist von der hohen k. k. Statthalterei an die Vorstände der jüdischen Gemeinden Mährens der Auftrag ergangen, aus ihrer Mitte Delegirte zu wählen, um wegen Uebernahme und Verwaltung des jüdisch. Landesmassafondes, der, wie wir bereits in unserem Blatte mittheilten, der mährischen Judenschaft übergeben werden soll, Berathungen zu pflegen. Die hiesige Cultusgemeinde- Repräsentanz hat ihren Präses, Herrn M. Spitzer zu ihrem Delegirten und zu dessen Stellvertreter ihr Mitglied Herrn Julius Gomperz gewählt. Prag. Die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft wird Sr. Excellenz dem Reichskanzler, Herrn von Beust, eine Dankadresse für seine energische Intervention zu Gunsten der unglücklichen Juden in den Donaufürstenthümern überreichen. Smichow. In dem Vereine „Eintracht" hielt Herr Dr. Perlitz, ein hiesiger am Breslauer Rabbiner-Seminar studirender junger Mann, einen Vortrag „über Wahrheit und Dichtung in Gutzkow's Uriel Acosta". In der unverrückten Auges aus dem Manuskripte abgelesenen Rede wurde der berühmte deutsche Dichter noch härter mitgenommen als der Held des Stückes, Acosta, in dem Geschichtswerke des Dr. Grätz. Rom. Der Papst hat vor einigen Wochen diejenigen Aerzte, die sich bei der letzten Cholera sehr verdient gemacht haben, mit Orden dekorirt. Auch einigen jüdischen Aerzten wurden Orden verliehen. (Israelit.) Paris. Der Advocat Cremieux überreichte als Präsident und im Namen der „Alliance israelite" dem Prinzen Napoleon, vor dessen Abreise nach den Donaufürstenthümern, ein Bittgesuch, in welchem um Verwendung des Prinzen bei dem Fürsten Karl in Bukarest für die so unablässig verfolg-! ten Juden daselbst gebeten wird. Prinz Napoleon gab dem! Herrn Cremieux das Versprechen, daß er sein Möglichstes , thun wolle.! Kopenhagen. Der Sekretariats-Chef im dänischen Finanzministerium, Etatsrath Levy, Israelit, wurde von Seiten der dänischen Regierung beauftragt, die von Preußen als Antheil der abgetretenen Herzogthümer an der dänischen Staatsschuld zu zahlenden 29 Millionen Rchsthlr. dänisch, nächsten Monat in Berlin in Empfang zu nehmen. Konstanlinopel. In den neuen, nach französischem Muster eingerichteten Staatsrath wurden 28 Muhamedaner, 11 Christen und 3 Israeliten berufen. Bukarest. Nach dem „Eco bei Danubio" befinden sich in der Moldau 23,603 und in der Wallachei 4105 jüdische Familien. — Rechnet man eine Familie auch nur zu vier Jnduviduen durchschnittlich, so gibt dieß eine Seelenzahl von 110,840. New-Aork. Am 16. Mai hielt der sogenannte „Board of Delegates", die Delegation der amerikanischen Israeliten seine Jahresversammlung in hiesiger Stadt. Es waren dabei bloß 21 Synagogengemeinden vertreten und zwar aus Boston, New-Aork Brooklyn, Newburgh, Syracuse, Philadelphia, Patterson, Baltimore, Washington, New-Orleans und Portland. Der Präsident Herr Abraham Hart aus Philadelphia begrüßte die Anwesenden und Rev. S. M. Isaaks eröffnete die Sitzung mit einem Gebete. Der Letztgenannte hielt hierauf eine Rede über das Mmmonides-College, welches bekanntlich ein Bildungsinstitut für künftige amerikanische Rabbinen werden soll. Der Redner entwarf ein düsteres Bild von dem gegenwärtigen Zustande des amerikanischen Judenthums, und meinte, daß dem Uebel nur dadurch abzuhelfen wäre, wenn in Amerika geborne Jünglinge zum Rabbinate gualisicirt würden, die mit der englischen Sprache und den amerikanischen Institutionen vertraut, sich besser zur Seelsorge eignen würden als die aus Europa importirten Rabbinen. Dieser Rede folgte eine deutsche Ansprache des Dr. Bettelheim, worin er über die trefflichen Leistungen des genannten Colleg's Bericht erstattete. Obgleich die aufgenommenen Zöglinge kaum hebräisch lesen konnten und amerikanische Kinder überhaupt nicht gewöhnt sind zu den Füßen ihrer Meister zu sitzen, lesen sie nun, Dank dem Fleiße und der Methode der tüchtigen Lehrer, Raschi und Biur, mit voller Geläufigkeit, haben bereits 120 Paragraphen des Schulchan Aruch und den Talmudtraktat Baba Mezia genommen. Herr Isaaks plaidirte für eine Rabbinerversammlung, wodurch eine bessere Sabbatheiligung und eine weniger laxe Beobachtung der rituellen Vorschriften bei Hochzeiten und Scheidungen erzielt werden könnte Nachdem mehrere Redner pro et Confra gesprochen, nahm Herr Isaaks seinen Antrag zurück. Die Wahl des Comiti brachte nur wenige Veränderungen in der bisherigen Verwaltung und Leitung hervor. Folgende Beschlüsse wurden nach kurzer Debatte angenommen. 1. Das Exkutivcomitee wird beauftragt sich mit den Vertretungen der französischen und englischen Juden ins Einvernehmen zu setzen, um der traurigen Lage unserer Glaubensgenossen in den Donaufürstenthümern abzuhelfen, und zu diesem Zwecke auch die Intervention der amerikanischen Regierung zu erwirken. 2. Es seien 1000 Frcs. der pariser „Alliance israelite" für Gründung von Schulen in Palästina zuzuweisen. 3. Die amerikanischen Gemeinden sind durch ein Cirkular zur Unterstützung des Maimonides College aufzufordern. 4. Die Gründung einer Gesellschaft für Veröffentlichung geeigneter die Interessen des Judenthums fördernder Werke sei anzustreben, und wurde zu diesem Zwecke vom „Board" 200 Dollars, als erster Gründungsbeitrag votirt 5. Eine Modifikation der Gesetze über die Heilighaltung des Sonntags, in wiefern dadurch die Juden in den einzelnen Saaten der Union, wo diese Gesetze bestehen, in ihrem Erwerbe benachtheiligt werden herbeizuführen. Einige audere Resolutionen sind von geringer Bedeutung. (Hebrew Leader.) Zur gefälligen Beachtung. Wir ersuchen die P. T. Herren, denen das „Abendland" seit Beginn dieses Jahres zugesendet wurde, und die noch mit dem Abonnement im Rückstände sind, solches zu entrichten, und sich gleichzeitig zu erklären, ob sie das Blatt ferner zugeschickt erhalten wollen. Auch bitten wir viele unserer geehrten Abonnenten, die noch aus dem Jahre 1867 herrührenden Rückstände gefälligst begleichen zu wollen. Die Administration des „Abendland." Inserate. Concurs. In der israelit. Gemeinde Kassegowitz pr. Blatna, Böhmen, ist die Stelle eines Rabbiners mit dem jährlichen Gehalte von 500 fl. österr. Währ, nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten Ende Juli oder zum Wintercurs zu besetzen. Bewerber wollen ihre Gesuche bis Ende Juni einsenden. Geprüfte Hauptschullehrer, die der Landessprachen kundig sind, erhalten den Vorzug. Der Vorstand. Druck von Rudolf M. Bohrer in Brünn.

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