Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 12 (15.6.1868)
- Date
- 1868-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/9050333-9094778-9051213--0892-9051214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Bogotá 1× ep/1044235
OCR text
Nro. 12. ßritmt, den 15. Juni 1868. V Iahrg. W tttbjr. Centrai-Organ y für alle zeitgevlSße« Isteresss« des Itthsnihrrms. Pränumerationsbetrag ganzj. 3 sl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendnng und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrUMNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergafse Nr. 2. 2. Stock. Exped. Krapfengasse 18, Epstein's Buchh Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Juden und Mexikaner. — Alte Urkunden. Juden in Deutschland. — Randglossen zu Lessing's „Nathan der Weise". - Aus dem Leben der talmudischen Zeit. — Die Juden sind Demokraten. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Inserate. Inden und Mexikaner. VI. Von Dr. B. Placzek. In jener wunderbaren Stadt, wo das römische Alterthum seine Auferstehung feierte, in Pompeji, fand man im Jahre 1830 ein Gemälde, worauf die drei Continente bet alten Welt personifizirt dargestellt sind. Europa in der Mitte als Frau auf einem Throne, rechts Asien als weiße Dienerin, links Afrika als Negersklavin, und hinter diesen — ein Schiff, das mit schwellenden Segeln in die Ferne zieht. — Die Ahnung der Alten von dem unbekannten Welttheile — jacet extra sidera tellus — fand in diesem Gemälde ihren bildlichen Ausdruck, und das Fahrzeug des großen Genuesen erreichte den Hafen, dem jenes Schiff zusteuerte. Aber auch die Urbewohner Amerika's stehen in traumhaftem Zusammenhang mit der alten Welt. Der Sagenkreis der mexikanischen Völker stellt hie und da eine solche Verbindung her, besonders der kosmogonische Theil, der in die primitivsten Zustände, die dem gesammten Menschengeschlechte gemeinsam sind, zurückgreift. Diese Mythen stammen von den Maja, den ältesten bodenständigen Einwohnern Centralamerika's, her. Nach dem aztekischen Manuskripte im Vatikan kl. X. unterschieden sie 5 Zeitalter, deren Dauer A. v. Humboldt auf 18000 Jahre*) angibt. 1. Tlaltonatiuh, das Zeitalter der Erde, die von Ometeuctli und Omecihuatl erschaffen ward. Es dauerte 5206 I. und ging durch Erdbeben unter. Die Erde war damals von Riesen bewohnt. Die Ungeheuern Knochenreste antediluvianischer Thiere mögen wohl den Riesenmythus und die Sagen von Zerstörung und Untergang erzeugt haben. Man nennt noch jetzt die Ebene zwischen Suacha und Santa fe de Bogota das „Feld der Riesen". Das 2 Tletonatiuh, das Alter des Feuers. Es währte 4804 I. und ging durch einen Weltbrand zu Grunde. Die Menschen wurden in Vögel verwandelt: nur ein Paar *) Nach Jxtlilxochitl 1417 I. rettete sich in eine Höhle. Das 3. ist das Zeitalter der Luft Ehecatonatiuh.' Die Olmeken, ein Majavolk, besiegten die Riesen. Nach einer Dauer von 4010 Jahren wurde es durch einen Orkan zerstört, der alle Menschen bis auf ein Paar in Affen verwandelte — die umgekehrte Darwinsche Theorie. —• Das 4. Weltalter, Atonatiuh, das des Wassers, ward nach einem Zeitraum von 4008 Jahren durch eine U e b e rschwemmung zerstört.*) In demselben gebar das Schlangen Weib, Cihuacoatl, Zwillinge, ein lichtes und ein dunkles Kind, von denen die Menschen abstammen. Sie brachte durch das v erb oteneAb pflü cken einer Blume die Sünde auf die Welt. Bon den Menschen retteten sich bloß Coxcox und seine Frau Hochiquetzal auf die Warnung der Götter in dem ausgehöhlten Stamme einer Cypresse in das 5. Zeitalter, das noch jetzt besteht. Ihnen wurden 15 stumme Söhne geboren, denen aber eine Taube 15 verschiedene Zungen austheilte, dadurch geriethen sie in Zwist und zerstreuten sich. Bon den Riesen blieben Votan *) Den ersten vier Weltaltern liegt, wie ich glaube, die Annahme der vier Urelemente und die tiefere Naturanschauung zu Grunde: Alles habe nur durch die harmonische Verschmelzung aller vier Elemente seinen festen Bestand. Wo aber eines unverhältnißmäßig vorwiegt, muß jede innige Verbindung der Theilchen aufhören und das die Grenze der Ordnung überschreitende Element die Auflösung des Ganzen bewirken. Darum fand auch jedes Weltalter durch das Hauptelement seines Bestehens seinen Untergang. Verwandt den mexikanischen sind die fortschreitenden gr. Kosmologien des Thales, welcher Urstoff und Urkraft dem Wasser, de» Anaximens, der dieselben der Luft, des Anaxagoras, der sie dem Aether (Feuerluft) zuschrieb, und des Empedocles, der sich den Raum von der gleichmäßigen Mischung der vier Elemente erfüllt dachte. Die Eintheilung in 4 oder 5 Zeitkreise finden wir bei vielen Völkern, bei den Thibetanern, Persern, Hindus — Traditionen der Paralayas und Pnghas in der Bbagavata Purana — bei den Egyptern und Etruskern. Hierher wären auch die vier durch Metalle bezcichneten Zeitalter das Hesiod zu rechnen. Die indischen Aughas endigen durch Ueberschwemmung, die Kataklysmen der Egypter durch Verbrennen — (Plato, Timäuö c. ö.) Die Wiederkehr der Cyklen versinnlicht die Idee der steten Erneuerung der unzerstörbaren Materie. Vgl. Herrmann Mytbol. der Griechen II., 332; Bailly, Astronomie Jnd. 212; Prichard, Researches. IV. T. VI. B., 380 ff. Uhlemann Hdb. d. egypt. A. III. 70.