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Das Abendland · 1868-05-15 · 10 (15.5.1868) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
10 (15.5.1868)
Date
1868-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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-r- Nro. 10. Grünn, den 15. Mai 1868. V Iahrg. \ ffunfroL^rirftit Lentral-Organ für alle zeitgESße« Istsrssft« des I«ö-«tßuWS. Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl-, halbjäbrig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendnng und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur B. EhrMNNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergasse Nr. 2. 2. Stock- Exped. Krapfengaffe 18, Epstein's Buchh Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Zur Seminarfrage. freiheit in Preußen. Alte Urkunden. Inden in Frankreich. — Der dramatische und der historische Uriel Acosta. — Zur Gewissens- Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Ans dem Leben der talmndischen Zeit. Zur Seminarfrage. IV. Bon größter Wichtigkeit für jede Bildungsanstalt ist die Wahl der Lehrbücher. Bei aller Tüchtigkeit, bei allem Wissen des Lehrers ist oft dem Schüler zur gründlichen Erlernung des Gegenstandes ein gutes Lehrbuch unentbehrlich; von der Wahl desselben hängt gar häufig die Richtung ab, die der Studirende in einer wissenschaftlichen Doktrin fürs ganze Leben einschlägt. Bei philosophischen und theologischen Doktrinen vollends entscheidet ein Lehrbuch oft über die Denk- und Anschauungsweise des ganzen Lebens. Dieser Punkt dürfte auch bei den zu gründenden jüdisch-theologischen Lehranstalten eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit bieten. Umsomehr als es sich eigentlich nicht um die Wahl der Lehrbücher, sondern um die Frage handelt: woher überhaupt Lehrbücher für's Seminar nehmen? Die jüdische Literatur war in den letzten Dezennien überaus fruchtbar, über alle Zweige der jüdischen Wissenschaft wurde geschrieben, mitunter zu viel geschrieben, so daß oft der Wunsch rege wurde, daß die Klage des alten Koheteth über das viele Bücherschreiben von manchem jüdischen Schriftsteller mehr Beachtung gefunden hätte! Doch bei all' dieser Fruchtbarkeit fehlt es an Schulbüchern für theologische Anstalten, weil es an solchen Anstalten bis in den letzten Jahren gänzlich fehlte. Das Breslauer Seminar, als alleinstehendes und erstes Institut dieser Gattung, hat sich in Bezug auf Unterrichtsweise und Lehrmethode so zu sagen häuslich eingerichtet, ohne sich viel um die Außenwelt zu kümmern. Die Männer, die an diesem Institute lehren, sind in der That Capacitäten, die durch ihren unmittelbaren Unterricht vielleicht den Mangel an Lehrbüchern ersetzen können. Wenn jedoch in Oesterreich neben einem Seminar, und falls Ungarn sich nicht dem cisleithanischen Institut anschließt, neben zwei Seminarien noch einige Proseminarien ins Leben gerufen werden sollten, dürfte sich bald der Mangel an brauchbaren Schulbüchern fühlbar machen. Indem wir die Aufmerksamkeit der jüdischen Gelehrten auf diesen Mangel lenken, wollen wir die einzelnen Doktrinen hervorheben, in denen es an Lehrbüchern für den Schnlgebrauch fehlt. Eine systematische Literaturgeschichte, eine Propedeutik zum Talmud, eine talmudische Grammatik, ein talmudischeö Wörterbuch, eine Geschichte der Israeliten, ein System der Agada. Es ist wohl iu allen den genannten Fächern viel geschrieben worden; aber es fehlt den meisten dieser Arbeiten die systematische Behandlung und Anordnung für die Schule. Daß es vielen dieser Arbeiten auch an dem nöthigen Pragmatismus, mitunter auch an der nöthigen Wissenschaftlichkeit fehlt, ist eine Klage, die nicht blos im Interesse des zu gründenden Seminars erhoben werden dürfte. — Älte Urkunden. Jud en in Frankreich. Bon Ludwig Lichtschein, Rabbiner in Austerlitz. (Schluß.) Die Ursache der ersten Judenverfolgung in Frankreich unter König Philipp August soll nach der Angabe des R. Sal. sch. Jeh. p. 142 folgende gewesen sein: Ein Dominikanermönch, welcher zugleich Beichtvater der Königin war, unterhielt ein überaus inniges und zärtliches Berhältniß mir einer schönen Jüdin; als aber diese unter keiner Bedingung einen Religionswechsel vornehmen wollte, und wie natürlich die Mischehen noch nicht, oder besser mehr nicht (wir finden in den ersten 6 Jahrh. des Ehr. nicht selten Beispiele von Mischehen, welche die verschiedenen Concile bei Todesstrafe verboten) eingeführt waren, faßte dieser Mönch aus Liebe zu jener Jüdin einen außerordentlichen Entschluß, er ließ sich in Gegenwart mehrerer vornehmer Juden heimlich beschneiden, nahm die jüdische Religion an, und heiratete jene Jüdin.

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