Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1868-05-01 · 9 (1.5.1868) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
9 (1.5.1868)
Date
1868-05-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9050333-9094778-9051186--0872-9051194
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

72 keine Rücksicht genommen, auch wenn, wie es oft der Fall ist, die Schüler einer Classe zu zwei Drittheilen Juden sind. Aber die hiesigen Juden sind so bescheiden, sich auch diesen Gewissenszwang gefallen zu lassen, und denken gar nicht daran, diesem Uebelstande, der von Vielen bitter empfunden wird, auf irgend eine Weise abzuhelfen. Möchten sie doch von den Katholiken lernen, wie man es anfangen muß, seinen Wünschen Geltung zu verschaffen! — H. K. Neu-Aork, im April. > Die aus Deutschland nach Amerika berufenen Rabbiner und Prediger streben mit Eifer, den heimatlichen Geist in! die neuen Stätten ihrer Wirksamkeit zu verpflanzen, und ini soweit dieser der echten Religiosttät und dem wahren Fortl schritte bient dürfen wir uns nur dieser Sendboten der Cultur freuen. Amerika ist bis jetzt noch keine Pflanzstätte tüchtiger jüdischer Theologen, und muß seinen geistlichen Bedarf aus der Ferne holen. Leider aber bringen viele dieser gelehrten Einwanderer neben ihrem rühmlichen Eifer auch ihre religiösen Streitigkeiten und literarischen Fehden aus der Heimat mit, die dem nüchternen Amerika ziemlich unerquicklich werden, und in die Gemeinden, die sich hier mit seltener Raschheit bilden und entwickeln, die Saat der Zwietracht und des Zerwürfnisses streuen. Die jüdischen Journale der Union haben vollauf zu thun, um diese Kämpfe, die meistens in Persönlichkeiten ausarten, auszufechten. Philadelphia bietet in diesem Augenblicke das vollständige Bild einer deutschen Kehilla. Dahin wurden in neuerer Zeit zwei Prediger aus Deutschland berufen, denen beiden ein vortheilhafter Ruf voranging, und die hier ebensogut wie die beiden ihnen anvertrauten Gemeinden friedlich und ruhig neben einander leben könnten, die es aber vorziehen, sich unabläsiig in den Haaren zu liegen, und das unerfreuliche Tagesgespräch in den jüdischen Kreisen Philadelphia's zu bilden. Es sind dieß die Herren: Dr. Jaftrow, bekannt aus seinen polnischen Antecedentien, und Dr. Samuel Hirsch, bekannt durch sein Werk „Religionsphilosophie" und durch seine Ansichten über den Messiasglauben. Diese Ansichten sind der eigentliche Zankapfel zwischen den beiden Kämpfern. Herr Dr. Jastrow soll seinen Gegner auf der Kanzel angegriffen haben, dagegen ließ nun Dr. Hirsch ein Pamphlet vom Stapel laufen, an Repliken und Dupliken fehlt eö auch nicht, und die jüdische Journalistik der Union bemächtigt sich pro und contra weidlich des Stoffes. Beide Athleten werfen sich gegenseitig „Rischus" vor, und ich fürchte sehr, sie werden beide Recht behalten. Auch hier in Neu-Aork geben die deutschen Redner Stoff zur Unterhaltung. Der von einer hiesigen Gemeinde aus Prag berufene Prediger Dr. Hübsch hat in seiner Synagoge einige Neuerungen eingeführt, die sämmtlich den Orthodoxen und theilweise auch vielen Nichtorthodoxen mißfallen, das gab nun viel Rederei in den Blättern, und auch die darüber geführten theologischen Controversen sind hart verdaulich. Zum Schlüße eine friedliche Nachricht. Herr Dr. Lilienthal wurde aus Cincinati als englischer Prediger am Emanuel-Tempel mit einem Jahresgehalte von 5000 Dollars hieher berufen. X. Locale und auswärtige Nöthen. Brünn. Unter den nachträglich wegen Betheiligung an der Pariser Weltausstellung durch die Gnade Sr. Majestät ausgezeichneten Industriellen wurden auch mehrere jüdische Fabrikanten hiesiger Stadt dekorirt. Herr Jonas Strakosch erhielt das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens, die Herren August Popper und Moriz Redlich erhielten das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Prag. Herr Leopold Pollak, Chef der Firma: „Pereles & Pollak", hat das goldene Verdienstkreuz mit der Krone erhalten. Herr Schneidermeister B. Straschitz das goldene Verdienstkreuz. Kiew. Unter den 544 Studirenden an der hiesigen Universität befinden sich 39 Israeliten; jedenfalls ein günstiges Zeugniß für den Culturzustand der Juden in Rußland, die erst seit der Regierung des jetzigen Kaisers dem bürgerlichen Leben zugeführt worden. Amsterdam. Nach den holländisch - jüdischen Annalen für das laufende Jahr ergibt sich, daß die jüdische Bevölkerung in diesem Lande im Jahre l860 — 65.752 und im Jahre 1865 — 68.669 Seelen betrug. Unter diesen sind 3578 portugiesische Juden. Die Gesammtbevölkerung des Königreichs war im Jahre 1865 — 3,629.108 Einwohner; es steht somit die jüdische Einwohnerzahl zu der Gesammtbevölkerung in dem Verhältniß wie 1 :52. Der jährliche Beitrag, den die Regierung zum jüdischen Cultus gibt, ist 38.866 fl. In den westindischen Colonien Hollands leben in Curacoa 1288 Juden (1857: 1017), in Surinam 693 deutsche und 670 portugiesische Juden. (Israelit.) Paris. Die Pariser jüdische Gemeinde kam jüngst in Besitz eines Legats von 125.000 Frcs., welches ihr schon vor 5 Jahren vermacht wurde. Die natürlichen Erben haben das Testament angegriffen, haben aber den Proceß verloren. Die Verwandten sollen schon vor vielen Jahren zum Christenthume übergetreten sein. (Israelit.) i London. Ueber Disraeli's Verhältniß zum Judenthume > äußert sich eine Autorität. Das „Jewish Chronicle": „Manche Juden nennen den Premier einen Abtrünnigen, manche Christen verhöhnen ihn als einen Inden. Weder das eine noch das andere ist richtig. Disraeli stammt von hebrischen El-; tern. Sein Vater, Isaak Disraeli, der Schriftsteller, und! seine Mutter, eine geborene Bassewis, waren jüdische Sepharedimfamilien. Seine Großeltern ruhen aus dem portugiesischen Friedhofe bei Mile End. Benjamin Disraeli wurde in die Gemeinschaft Israels ausgenommen, der Vater aber, der sich mit seiner Synagoge entzweite, unterrichtete seinen Sohn nicht im jüdischen Glauben. Als Rogers, der berühmte Dichter und Banquier, den altern Disraeli einmal in Hackney besuchte, bedauerte er, daß der fünfjährige Knabe ganz ohne religiösen Unterricht aufwuchs und nahm ihn mit in die Kirche von Hackney. Von diesem Ereignisse an datirt Disarelis völlige Trennung von der jüdischen Gemeinschaft. Er wurde ein Christ, und ein großer Geist ging uns verloren." Snfetate. Sara Kuh, geh. Plohn Ornamentenstickerei f. b. Synagoge in Prag. Kleiner Ring Nr. 457 — 3. Stock. Diese Firma, welche sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, wird nun nach Dahinscheiden meiner seligen Mutter Salomon Plohns Wittwe von mir fortgesührt und empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum insbesondere den löblichen Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickererei für die Synagoge als: NO2V rVßft fUHS nnSlD und Thoramäntel nnd verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Thoramäntel und Thoradecken NO2L2 sind zu jeder Zei vorräthig. Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.