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Das Abendland · 1868-05-01 · 9 (1.5.1868) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
9 (1.5.1868)
Date
1868-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Uro. 9. V. Zahrq. Grünn, den 1. Mai 1868. zsitgESße« des Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbjabrig 1 fl. 5Mr. vierteljährig 8V fr. mit Postzuscndnng und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenlhümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrMONN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergaffe Nr. 2. 2. Stock. Exped. Krapfengaffe 18, Epstcin's Bnchh Inserate werden billigst berechnet. 3uv Seminürfrdge. — Juvcn und Ntcpit(lrler. — Alte Ilrlunden. Juvcu in Tie lernäische Schlange iin Talmud. Die Juden in England. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. - Inserate. Zur Zeminarfrage. ui. Die vier Fragen, welche das h. Cultusministerium den zur Abgabe eines Gutachtens in der Seminarangelegenheit aufgeforderten Fachmännern vorlegte, berühren mit vollem Rechte nur die konkrete Seite dieses so wichtigen Gegenstandes. Wenn bei der Gründung eines wissenschaftlichen Lehrinstituts die Fragen über Zahl und Befähigung der Lehrkräfte, Dotirnng der Anstalt, Zeit und Ort des Unterrichts, Ziel und Umfang der Lehrgegenstände, welche letztem natürlich den eigentlichen Zweck des Instituts repräsentiren, eine den Bedürfnissen vollständig entsprechende Lösung gefunden haben, so steht das Gebäude nach seinen äußern Umrissen, in wiefern wir von der faktischen Ausführung absehen, fertig da, die Pflanzstätte der Wissenschaft ist als gegründet zu betrachten. Der Geist, der in das Institut einziehen und in ihm Hausen soll, der eigentliche Geist des Unterrichts ist Sache des wissenschaftlichen Standpunktes, der Zeitanschauung und in letzter Reihe auch der Lehrmethode. Dieser wichtigste Faktor ist im Allgemeinen zu wenig greifbar, um ihm schon bei Constituirung der Anstalt die Grenzen zu stecken, und am wenigsten ist eine liberale Regierung geneigt, ihm bei Gründung einer theologischen Schule die engbegrenzte Bahn vorzuzeichnen, er hängt zumeist von der glücklichen Lösung jener Fragen, die wir als konkrete bezeichneten, von der Gunst der Verhältnisse ab. Wer könnte zur Zeit der Aussaat die Triebkraft der Natur berechnen, durch welche die Ernte bedingt ist? Wenn das Institut nur so glücklich ist die geeigneten Lehrkräfte zu finden, so werden diese ihm die Richtung geben, die dem Zwecke gehörig entspricht, die auch von der allseitigen Befriedigung mit der Zeit ihre Consolidirung erhalten wird. Die Fassung der erwähnten vier Fragen legt demnach Zeugniß ab von der Weisheit und Humanität unserer hohen Regierung, die bei einer das Judenthum so tief berührenden Angelegenheit die Ansichten jüdischer Fachmänner einholt. Die Fachmänner selbst konnten jedoch unmöglich! den allgemeinen Principien, aus denen ihre Anträge resultirten, und von denen diese Werth und Bedeutung erhalten, aus dein Wege gehen, Die Fachmänner mußten offen und sreimüthig Farbe bekennen, sie müssen von der Gediegenheit und Probehaltigkeit der Grundsätze, denen ihr Votum entspringt, überzeugt sein, sie müssen sich die Stellung des Judenthums in der Gegenwart und den geschichtlichen Gang der jüdischen Studien zur Erkenntniß gebracht haben, wenn sie sich von der Verwirklichung ihrer Ideen einen günstigen Erfolg versprechen wollen, ihnen darf bei der Form der Geist des neuen Instituts nicht ohne Beachtung bleiben. Wir j wollen nicht mißverstanden werden; es ist hier durchaus nicht l von dem dogmatischen oder religiösen Standpunkte die Rede, j Auf diesem Felde soll der Kampf der Meinungen nicht ausj gefachten werden; es ist besser, wenn hierin der Zeit nicht > vorgegriffen wird; ein solcher Kampf würde nur die Gemüther erbittern, und jedes Streben zur Förderung der guten Sache im Keime ersticken. Wenn wir von dem Geiste des zu erhoffenden Instituts sprechen, so verstehen wir darunter den wissenschaftlichen Geist der^ fraglichen Anstalt, und auch dieser verlangt den ganzen Ernst und den ganzen Muth einer selbstständigen Meinung. Suchen wir es uns durch ein Beispiel deutlich zu machen. Das gründliche Talmudstudium ist ein unerläßlicher Gegenstand einer Rabbinerschule, aber wie verschieden sind die Ansichten über die Methode dieses Lehrgegenstandes? Soll die alte Lehrmethode beibehalten werden, oder soll sie eine wissenschaftliche Grundlage bekommen, soll der ehemalige Pilpnlgeist oder die systematische und pragmatische Behandlung bei dieser theologischen Doktrin die Oberhand gewinnen. Bon der Lösung dieser Frage wird auch die Beantwortung der vier von der hohen Regierung vorgelegten Fragen abhüngen. Es ist mit Recht geklagt worden, daß die jüdische Journalistik noch viel zu wenig dem so wichtigen Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zuwendete, und wir wollen für unfern Theil dein gerechten Wunsche jener Leser, die für die Interessen des Judenthums Sinn haben, entsprechen. Wir reproduciren hiemit die allgemein Grundsätze, die ein zur Abgabe eines Gutachtens von der hohen Regierung aufgesor-

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