Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 8 (15.4.1868)
- Date
- 1868-04-15
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 ließ er sich's doch nicht nehmen, selbst die Kindespflichten gegen seinen Vater zu erfüllen; er lief, ihm die Thüre zu öffnen, brachte ihm Wasser etc., keiner seiner Söhne durfte ihn dabei vertreten, er wollte nämlich seinen Söhnen ein lehrreiches Beispiel sein, daß sie von ihm lernen mögen das Gebot: „Ehre Vater und Mutter" gleich ihm zu achten und es auch ihren Kindern einschärfen. Die Wichtigkeit der Belehrung überhaupt, die Eltern den Kindern ertheilen sollen, findet er nun in Ps. 78, V. 5—6 angedeutet. Eine Verwechslung der beiden aufeinander folgenden Psalmen konnte leicht stattfinden, da beide von Aßaf sind und S]DKb an der Spitze haben. En Jakob zur Stelle fügt allerdings den ersten Vers des 79. Ps. hiezu, doch das Jncorrekte der Editionen des En Jakob weist Herr Rabbinowitz in seinem trefflichen Werke „Dikduke Sosrim" mehrfach nach. I. P—g. Prag. Locale und auswärtige Notizen. Brünn. In den verschiedenen Gemeinden Baierns wurden Trauergottesdienste um den verstorbenen König Ludwig I. von Baiern abgehalten. Eine aus gleichem Anlasse gehaltene Rede von Dr. Kodak, Distriktsrabbiner in Bamberg, liegt uns unter dem Titel: „Ein Denkstein" gedruckt vor. Mehrere Momente aus dem Leben des Königs David werden darin mit Geist und Geschick auf die bekannte Wirksamkeit des kunstsinnigen bairischen Königs angewendet. Die Sprache ist einfach und zum Gemüthe dringend. — Von A. di S. Curiel, dem verdienstvollen Redakteur des in Triest erscheinenden „Corriere Jsraeliteco" wurde ein jüdisches Jahrbuch für das Jahr 1868 in italienischer Sprache veröffentlicht. Es enthält sehr lesenswerthe Beiträge von Artom, Servi, Pincherle, Mortara, Jona u. a. m. Die Aufsatze sind populär gehalten, und ist besonders das belletristische Fach reichlich bedacht. Als besonders gelungen heben wir die Biographien Montefiore's und David Sasson's, deren Abbildungen dem Buche beigegeben sind, hervor. Verfasser derselben ist Rabbiner B. Artom in London. Die Novelle ist durch eine Uebersetzung unseres bereits im Jahre 1852 veröffentlichten „Baron Eibenschütz" vertreten. Die Uebersetzung ist als eine treffliche zu bezeichnen; nur ist ein sinnstörender Druckfehler zu berichtigen. Es heißt dort „R. Simon" war noch (am Versöhnungstage) mit einem Stück Piut im Rückstände. Die Uebersetzung hat sonderbarer Weise „non aveva fmito un brano di Rut.“ — Auch hätten wir gewünscht, daß der Name des Verfassers genannt wäre, nicht um unsertwillen, sondern im Interesse des literarischen Eigenthumsrechts, das leider in der neuern jüdischen Literatur einem förmlichen Communismus verfallen ist. R. * Die letzte Nro. des „Hamagid" enthält eine sehr scharfe Zurechtweisung an Herrn Rabbiner Weiß in Pohrlitz, wegen seiner in der „Neuzeit" veröffentlichten „Enthüllungen aus Mähren". — Wir haben von diesen Expektorationen blos einen Passus am Anfänge derselben gelesen, wegen dessen wir darauf zurückkommen. Es heißt dort, soviel uns erinnerlich, ungefähr: Das „Abendland" hat im Sinne einer gewissen Cotterie aus der Schule geschwatzt. — Im Sinne einer Cotterie aus der Schule schwatzen schien uns ein logischer Widerspruch: Es müßte denn fein, daß wir die Tiefe dieses Gedankens nicht fassen, Nebenbei sei bemerkt, daß wir nicht einmal errathen konnten, was Herr Rabbiner- Weiß sagen wollte. R- Austerlitz. Herr Ludwig Lichtschein, bisher Rabbinatsassessor in Großkanischa, den Lesern des „Abendland" durch seine historischen Arbeiten bekannt, ist zu Ende des vorigen Monats als Rabbiner unserer Gemeinde feierlichst empfangen und installirt worden. Herr Dr. M. Duschak, Rabbiner in Gaya, dessen verstorbener Bruder durch 20 Jahre das hiesige Rabbinat bekleidete, wurde vom Vorstande zur Installation des neuen Rabbiners berufen. Die Reden der beiden Rabbinen fanden allgemeinen Beifall, und war überhaupt der ganze Einführungsakt ein sehr erhebender. Neu-Raußr-itz. Am 5. d. M. wurde unser neugebaute Tempel mit großer Feierlichkeit eingeweiht. Der Einweihungs-! akt machte auf die zahlreich Anwesenden, unter denen sich I viele auswärtige Gäste und die sämmtlichen christlichen Hono- , ratioren unserer Stadt befanden, den erhebendsten Eindruck. Den Glanzpunkt der Feier bildete die Einweihungsrede des Herrn Dr. B. Placzek, Rabbiners in Brünn, die durch ihre schwungvolle Form wie durch geistreichen Inhalt ausgezeichnet war. Der gesangliche Theil wurde von dem Brünner Oberi kantor, Herrn Schwarz, mit seinem trefflichen Chore meisterhaft ausgeführt. Auch unser würdige Herr Rabbiner hielt eine herzliche Ansprache. Die freudig gehobene Stimmung, in welche die religiöse Feier die Gemüther versetzte, erhielt sich auch bei dem Festmahle, welches unmittelbar nach dem Einweihungsakte eine große Anzahl von Gästen vereinigte. Dieser schöne Tag wird unserer Gemeinde unvergeßlich bleiben, und wir danken unserem hochgeehrten Vorstande, der sich um unsere Gemeinde schon so viele Verdienste erworben, für das gelungene Arrangement dieser erhebenden Feier. (Auch wir danken dem hochgeehrten Vorstande der Cultusgemeinde zu Neu-Raußnitz für die gütigst an uns ergangene Einladung zum Einweihungsfeste und sprechen unser aufrichtiges Bedauern aus, daß es uns unmöglich war, der freundlichen Einladung nachzukommen. Der Redakteur.) Rotterdam Herr H. Kerdijk, Capitän bei der dienstthuenden Bürgergarde dahier, ist vom Könige vom Holland zum Major ernannt worden. So viel wir wissen, ist dieser Herr der erste Israelit, der einen so hohen Rang bekleidet. Paris. Die jüdischen Gemeinden Algeriens haben mit dem Aufgebote aller ihrer Kräfte dafür gesorgt, daß bei der herrschenden Hungersnoth keiner ihrer Glaubensgenossen dem Elende zur Beute werde. Der jüdische Wohlthätigkeitssinn hat sich abermals in der glänzendsten Weise bewährt. * Vom Herrn Ernest Hendli, Advokaten am kais. Gerichtshöfe und Sekretär des berühmten Jules Favre ist eine größere Schrift „Questions politiques et sociales“ erschienen, die wegen ihres freisinnigen Inhalts, wegen der Reichhaltigkeit der Gedanken und wegen des glanzenden Styls großes Aufsehen erregt. Der junge Gelehrte, Schwiegersohn unseres allverehrten Albert Cohn, hat sich schon früher durch seine schriftstellerischen Leistungen einen ehrenvollen Namen in literarischen Kreisen erworben. London. Dieser Tage beehrte Seine königl. Hoheit der Prinz von Wales den Baron Mayer von Rothschild mit einem Besuche in Mentmore. Der Prinz fuhr bis zur Station Cheddington mit der Eisenbahn, von dort fuhr er an der Seite des Herrn v. Rothschild und Herrn Antony nach Mentmore, wo er mit der Baronin und der übrigen Familie frühstückte. Nachdem S. Hoheit in Aston Abbot gejagt hatte, kehrte er um 4 Uhr in Begleitung des Herrn v. Rothschild nach Cheddington und von da mit einem Extrazug nach London zurück. (Israelit.) Melbourne. Aus dem jährlichen Bericht der Melbourner jüdischen philantropischen Gesellschaft entnehmen wir, daß diese vermöge der günstigen finanziellen Lage im Stande war, viel Gutes ihren armen Glaubensgenossen zu erweisen. Die Mitgliederzahl beträgt 130. Von den Mitgliedern gingen 242 L. (2904 fl.) ein; von der Regierung hat die Gesellschaft 100 L. (1200 fl ) erhalten und 209 L. (2498 fl.) sind noch einzucassiren. Die Ausgaben betrugen 509 L. (6108 Gulden) und hat die Gesellschaft nach Abschluß der Rechnung noch einen Fond von 700 L. (8400 fl.) (Argus.) Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.