Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 8 (15.4.1868)
- Date
- 1868-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Uro. 8. V. Iahra Interesse« des I«de«th»«s. Prauumerationsbetrag gauzj. 3 fl-, halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mitPostzusendung und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. haldj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenlhümer und verantwortlicher Redakteur D EhrMÜNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergafse Nr. 2. 2. Stock. Exped. Krapfengasie 18, Epstein's Buchh nserate werden billigst berechnet. Inhalt: Zur Seminarfrage. — Ist die Arbeiterfrage wirklich bloß eine Sache des Christenthums. — Jenseits der Grenze. - Tttus und der Tempelbrand. — Ueber Sprache im Allgemeinen und hebe. Sprache insbesondere. — Eine Emendation. — Locale und Auswärtige Notizen. Zur Seminarfrage. ii. Wir haben in unserem vorigen Artikel die äußern Vortheile auseinandergesetzt, welche eine Vereinigung Ungarns mit Cisleithanien bei Errichtung eines ^gemeinschaftlichen Rabbinersemincrs bietet, und wenn wir nun auf die innere Verfassung eines solchen Instituts, auf den Geist in dem darin gelehrt werden soll, unser Augenmerk richten, so erscheint diese Vereinigung für das geistige Wohl des ungarischen Judenthums nicht nur höchst zweckmäßig, sondern als ein Gebot der Notwendigkeit. In den Ländern Böhmen, Mähren und Oesterreich ist die intelligente und dem Fortschritte zugeneigte jüdische Bevölkerung in einer derart überwiegenden Majorität, daß ihre Principien, wie verschieden auch die Ansichten über einzelne Punkte sein mögen, als Ausdruck der Gesammtheit gelten können. Von dieser Seite wird das Seminar, wenn es einmal ins Leben gerufen ist; keinerlei Anfechtungen zu befürchten haben, wir sind fest überzeigt, daß sich ihm mit jedem Tage die Sympathien mehr zuwenden werden; denn was Hierlands als wesentliche Bedingung gefordert wird: daß der Rabbiner eine gründliche theologische und wissenschaftliche Bildung erlange, dem muß und wird das Institut entsprechen. Ganz anders ist es in Ungarn, dort hat die Intelligenz mit einer compakten zahlreichen zelotischen Partei zu kämpfen, die jedem Fortschritte auf religiösem Gebiete feindlich entgegensteht, dort sind noch viele Gemeinden von dem verderblichen Chassidismus unterwühlt, dort gibt es leider noch Gegenden, wo die Bildung bei einem Rabbiner als Ketzerei perhorrescirt wird. Wir! vertrauen zu sehr auf die Macht des Fortschritts und auf! die Weisheit jener großen Männer, die an der Spitze der ungarischen Regierung stehen, als daß wir fürchten müßten, es werde die Finsterniß über das Licht den Sieg davontragen; aber jedenfalls muß es den Fortschrittsmännern in Ungarn erfreulich sein, wenn sie durch die cisleithanische Intelligenz in ihren Bestrebungen für Errichtung eines den! Ansprüchen unserer aufgeklärten Zeit genügenden Instituts > einen so bedeutenden Succurs, einen so gewichtigen Bundes-! genossen erhalten. Vergessen wir dabei aus unsere Glau- I bensbrüder in Galizien nicht. Diese leben noch größtenj theils in den veralteten Anschauungen, aber auch ihr Tag wird kommen, auch ihnen wird die Sonne einer bessern Erkenntniß aufgehen, in einige der größer» Gemeinden, wie Lemberg, Brody, Krakau, Tarnopol sind schon einzelne wärmende und belebende Strahlen derselben gedrungen. Es wird bald die Zeit kommen, wo man auch dort wissenschaftlich gebildete Rabbiner suchen wird. Das Reichsseminar soll nicht bloß für die Bedürfnisse der beschränkten Gegen- [ wart, sondern auch für die Tage einer schönen Zukunft er- - richtet werden. Zu dieser Bildungsstätte werden hoffentlich > auch jüdische Jünglinge aus Galizien pilgern, um da ihren I Wissensdurst zu stillen, und wenn sie nach einigen Jahren des Studiums in ihre Heimath zurückkehren, werden sie auch — dafür wird schon die Zeit sorgen — von ihren Brüdern mit offenen Armen empfangen werden. Dazu ist aber nothwendia, daß das zu erricktende Seminar in jeder Beziehung vortrefflich ausgestattet sei, und dieser Zweck wird am besten erreicht, wenn die vereinten Kräfte aller Glaubensgenossen im Kaiserstaate das stattliche Gebäude zu Ehren der Religion und der Wissenschaft aufbauen helfen. Lst die Arbeiterfrage wirklich bloß eine Lache des Christentums? Von Leopold Wolf in Prag. Die Arbeiterfrage bildet ein zeitbewegendes Thema, das jetzt vielseitig besprochen wird; die Wissenschaft hat sich seiner mit großem Aufwand von Scharfsinne bemächtigt, und trachtet die vielen Jrrthümer, die sich zwischen Leben und Wahrheit gelagert, auf dem Wege der belehrende Kritik und unter Andeutung der historischen Genesis derselben zu beseitigen. In