Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 7 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 56 jüdisch-deutsch oder polnisch. — Da es aber in Wilna polizeilich untersagt ist, polnisch zu sprechen, wurde der gute Mann angeklagt und zu 25 Rubel Strafe verurtheilt. — n— Locale und auswärtige Nöthen. Brünn. In der kleinen Jsraelitengemeinde Gailingen im Großherzogthume Baden besteht ein Antiluxusverein, dessen Fond bereits über 100,000 fl. beträgt. Nach einer Bestimmung dieses Vereins verzichtet jede Braut auf Juwelen, Schmucksachen rc. die ihr nach Herkommen vom Bräutigam als Geschenk gegeben werden. Dieser erlegt dafür den Betrag in die Vereinscasse, welche der Braut vom Hochzeitstage an eine entsprechende Jahresrente auszahlt. * Wie „Hamagid" berichtet, hat das Rabbinat zu Willna aus Rücksicht der in Lithauen herrschenden Noth und Theuerung der Lebensmittel den Genuß der Hülseusrüchte am Peßachfeste gestattet. * Herr Eelio clella Torre, Professor am rabbinischen Collegium zu Padua läßt einen Band hebräischer Poesien erschienen, deren Ertrag der von der Alliance isr. in Paris beabsichtigten Gründung von Schulen in Afrika und im Orient zuggwendet wird. Der edle Zweck der durch ihre segensreiche Wirksamkeit ausgezeichneten Alliance bedarf ebensowenig eines besondern Empfehlung als die glänzende Tüchtigkeit des berühmten Verfassers auf dem Gebiete der hebräischen Poesie, lieber briefliche Aufforderung unseres geehrten Freundes Prof. della Torre ist die Redaktion dieser Blätter bereit auf das genannte Werk, das bereits in einigen Tagen die Presse verläßt, Subscriptionen aufzunehmen. Der Preis ist 5 Francs. R. Smichow. Am 7. d. Mts. hielt Ihr Mitarbeiter, Hr. Leopold Wolf im Vereine „Eintracht" einen mit ungemeinem Beifalle aufgenommenen Vortrag über den Arbeiterstand als vierten Stand im Gegensätze zu den bis jetzt anerkannten und berechtigten ersten drei Ständen. Herr Wolf gab die geschichtliche Entwicklung dieses Standes und sprach mit warmen Worten für dessen Gleichberechtigung und Anerkennung seitens des Staates. In derselben Sitzung sprach Herr Dr. M. Teller, als Fortsetzung eines frühern Vortrags über Verbrennungen, wie sie im Arbeiterstande Vorkommen, in klarer lichtvoller Darstellung. Er stellte auch weitere Vorträge über Gesundheitspflege in Aussicht. Berlin. Der König von Preußen hat unserem Glaubensgenossen, Herrn Bernach, belgischen Consul in Frankfurt a. M. gestattet, die ihm vom Könige von Italien verliehene erbliche Baronswürde anzunehmen. Cöln. Der geheime Commerzienrath Abraham Oppenheim dahier hat den preußischen Freiherrntitel erhalten. Es ist dieß der erste Jude, der in die preußische Adelsmatrikel ausgenommen worden, während bisher in Preußen die Nobilisirung von der Annahme der Taufe abhängig gemacht wurde. Mantua. Der durch seine pädagogischen und homiletischen Schriften bekannte Herr Oberrabbiner Marco Mortara ist mit dem Maurizius - Orden ausgezeichnet worden. (Educ. isr.) Paris. Die von der Hungersnoth so schrecklich heimgesuchten Bewohner Algeriens erhielten bedeutende Unterstützungen von den reichen Israeliten unserer Stadt. Herr Maximilian Königswarter, Mitglied des pariser Gemeinderaths, wurde vom König von Portugal, in Anerkennung seiner Verdienste um den genannten Staat, in den Baronsstand erhoben. Colmar. Der Bürgermeister von Colmar hat an die Witwe des verstorbenen Oberrabbiners Klein folgendes Schreiben gerichtet: Colmar, 14. Jänner 1868. Geehrte Frau! Ich habe die Ehre, Ihnen einliegend die Copie eines Beschlußes unseres Stadtraths, welcher den zu frühen Tod unseres Oberrabbiners, Herrn Klein, sehr bedauert, zu überreichen. Der Stadtrath beschloß, Ihnen bis zur Wiederbesetzung der Stelle den Gehalt Ihres verstorbenen Gemahls auszahlen zu lassen. Außerdem bewilligt derselbe Ihnen eine jährliche Pension von 800 Franken, die Sie vom Tage der Wiederbesetzung der Stelle an erhalten. Ich schätze mich glücklich. Ihnen diesen Beweis der hohen Achtung des Stadtraths für den Dahiugeschiedenen geben zu können und füge , einstweilen 200 Franks für das letzte Semester 1867 bei! und versichere Sie meiner ausgezeichneten Hochachtung. —! Der Bürgermeister von Colmar. (Univ. Isr.) Portsmouth. Aus Localblättern erfahren wir, daß am 15. d. M. zu Ehren des Ex-Mayors zu Portsmouth, Herrn Aldermann Emanuel (Israelit), ein glänzendes Bankett abgehalten wurde. Es sollten damit die Verdienste, welche sich j Herr Emanuel während seines Dienstjahres um die Stadt erworben hat, anerkannt werden. „Die Lobeserhebungen, welche bei dieser Gelegenheit Herrn Emanuel gezollt worden sind", schreibt die „Portsmouth Times", „waren keine alltäglichen, denn Männer der verschiedenen Glaubensbekenntnisse, Männer, die sonst in politischer Meinung sich gegenüberstehen, vereinigten sich diesesmal, um da Ehre zu ertheilen, wo Ehre verdient wird." (Israelit.) Neu-Dork. Am 1. Februar starb in Philadelphia der dortige Prediger, Herr Jsak Leeser. 1806 zu Münster in Westphalen geboren, legte er den Grund zu seinem jüdischen Wissen unter der Leitung des noch lebenden hochbetagten Rabbiners Sutro. Mit 19 Jahren kam er nach Amerika, wo er bis zu seinem Tode mit unermüdlichem Eifer in Wort und Schrift für die Bildung und den Fortschritt seiner Glaubensgenossen wirkte. Seine Verdienste um das amerikanische Judenthum sind nicht hoch genug anzuschlagen. Er schrieb mehrere umfangreiche Werke in englischer Sprache, die alle das Judenthum und seine Lehre betrafen, er gründete den „Occident" das erste jüdische Journal iu Amerika, das unter seiner Direction 25 Jahrgänge zählte. Sein Tod wird in der Union allgemein bedauert, und zahlreich sind die theilnehmenden Kundgebungen, die in nahen nnd fernen Gemeinden von Seiten vieler Vereine und Corporationen an den Tag gelegt wurden. Das Leichenbegängniß, dem viele auswärtige Deputationen beiwohnten, vereinigteeine unübersehbare Menschenmenge, man zählte an 700 Wagen, die dem Zuge folgten. Nach der letztwilligen Bestimmung des Verstorbenen durften keine Leichenreden gehalten werden. (Hebrew Leader). Jerusalem Als ein großer Gewinn für die Archäologie ist es zu betrachten, daß der berühmte Orientalist Professor Petermann in Berlin zum norddeutschen Bundeskonsul in hiesiger Stadt ernannt wurde. — Sara Kuh,geb. Plohn Ornamentenstickerei f. d. Synagoge in Frag. Kleiner Ring Ur. 457 — 3. Stock. Diese Firma, welche sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, wird nun nach Dahinscheiden meiner seligen Mutter Salomon Plohns Wittwe von mir fortgeführt und empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum insbesondere den löblichen Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickererei für die Synagoge als: filStD flDHÖ miSD und Thoramäntel nnd verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. . Thoramäntel und Thoradecken NO212 sind zu jeder Zei vorräthig. Druck von Rudolf M. Uohrrr in Brünn.