Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 7 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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tlro. 7. V. Iahra. §?# des IttdestH««s. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrMÜNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergasie Nr. 2. 2. Stock. Exped. Krapsengasie 18, Epstein's Buchh Inserate werden billigst berechnet. Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Inhalt! Zur Seminarsrage. — Beiträge zur Rechtsgeschichte der Juden im Mittelalter. Alte Urkunden, Inden in Holland. Zur Judenemanzipation in Preußen. — Ueber Sprache im Allgemeinen und hebr. Sprache insbesondere. — Erklärung der Jeruschalmi- Stelle Aboda Sara. — Robert Prutz über das Judenthum und die Literatur der Gegenwart. — Titus und der Tempelbrand. — Jenseits der Grenze. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Inserate. Zur Seminarfrage. Die von dem h. Ministerium beabsichtigte Gründung eines rabbinischen Seminars für die westlichen Länder Oesterreichs erregt mit vollem Rechte die größte Theilnahme in jüdischen Kreisen; denn es soll durch ein solches Institut nicht bloß unfern künftigen Seelsorgern die Gelegenheit geboten werden, sich die nöthige theologische und wissenschaftliche Ausbildung zu verschaffen, sondern auch der jüdischen Wissenschaft, die bisher bloß von dem prekären Ertrage des autodidaktischen Fleißes zehren mußte, eine Pflanzstätte zur gedeihlichen Fortentwicklung und Vervollkommnung zu gründen. Durch das Seminar wird nicht bloß einem praktischen Be-! dürfniße abgeholfen, sondern auch ein allgemeines wissenschaftliches Interesse von hoher Bedeutung gefördert. Die hohe Regierung, von den besten Absichten geleitet, hat Gutachten von Fachmännern eingeholt, und ob auch nun im Einzelnen die Ansichten und Vorschläge divergiren dürsten, so wird doch ohne Zweifel allen Anträgen ohne Ausnahme j der Geist der fortgeschrittenen ^Leit innewohnen. Wie wir [ hören, haben sich die meisten Gutachten für Errichtung von j Proseminarien in den Hauptstädten der einzelnen Provinzen! und eines Reichsseminars in Wien oder Prag ausgesprochen, j Dieser Vorschlag scheint uns nicht bloß wegen seiner systematischen Gliederung, sondern auch aus Opportunitätsrücksichten empfehlenswerth Es wird dadurch nicht bloß den provinziellen Interessen Genüge geleistet, sondern auch die Dotirung der Anstalten erleichtert. Eine Hauptschwierig.eit wird die Besetzung der Lehrstellen bieten, die Vernachlässigung, unter der bereits seit einigen Dezennien das jüdischtheologische Studium leidet, war nicht geeignet, tüchtige Kräfte in diesem. Fache zu Tage zu fördern und groß zu ziehen. Die Schwierigkeit wird keinesfalls dadurch vermindert, daß nun auch bald in Ungarn, wo ebenfalls ein Rabbinerseminar gegründet werden soll, Nachfrage nach tüchtigen Seminarlehrern sein wird. Dieß führt uns auf den Gedanken, ob es nicht überhaupt zweckmäßiger wäre, vorausgesetzt, daß die erwähnte Gliederung in Proseminar und Seminar zur Ausführung gelangt, wenn nur ein einziges Rabbinerseminar für den ganzen österreichischen Kaiserstaat gegründet würde. Ist denn 4er-durchschnittlich? Jahresbedarf an Rabbinen! wirklich ein so großer, daß er nicht aus einer'Bildungssn.-. * stalt versorgt werden könnte? Man wird wohl nicht meinen, daß der politische Dualismus ein Hinderniß der Vereinigung bieten könnte. Hat doch das rabbinische Collegium zu Padua zu einer Zeit, wo Italien noch unter mehreren Herrschern getheilt war, die Gemeinden der ganzen Halbinsel mit geistlichen Führern versehen, und im großen Oesterreich sollte die Leitha eine Scheidewand für die Wissenschaft bilden, die Gemeingut aller ist? — Es hat bisher in Oesterreich weder äs facto noch de jure bei der Anstellnng von Rabbinen die provinzielle Abkunft einen Unterschied gemacht. In jedem Kronlande unseres großen Vaterlandes sind Rabbinen aus andern österreichischen Provinzen angestellt; so hat beispielsweise die böhmische Hauptstadt drei aus Ungarn gebürtige Prediger, und so war auch der jüngst verstorbene Oberrabbiner in Pest ein geborner Böhme, und wir könnten noch unzählige Beispiele anführen, daß die provinzielle Abkunft weder von den Gemeinden noch von der Regierung bei Besetzung von Rabbiner-Posten in Betracht gezogen wurde. Warum sollte man gerade jetzt, wo unser schönes Oesterreich einen so erfreulichen Aufschwung genommen hat, den Kreis für Stellengeber und Stellensucher einschränken und einengen? Und diese Einschränkung wäre jedenfalls faktisch, wenn auch nicht principiell. da die Verschiedenartigkeit der Ausbildung der Bewerber jedenfalls bei der Wahl in die Wagschale gelegt würde. Es bleibt nun noch dem etwaigen Einwurfe wegen der Verschiedenheit der Landessprachen zu begegnen. Wir glauben, daß diese Verschiedenheit durchaus kein Hinderniß für die Gründung eines einheitlichen Seminars in Oesterreich biete. Es wird jeder Seminarzögling mit Leichtigkeit die Gelegenheit finden, sich in der Landessprache, die er in seiner künftigen praktischen Wirksamkeit nöthig hat, auszubilden, und bieten die durch Vereinigung der Kräfte erhöhten materiellen Mittel leicht die Möglichkeit für die einzelnen Landessprachen