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Das Abendland · 1867-12-15 · 24 (15.12.1867) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
24 (15.12.1867)
Date
1867-12-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Uro. 24. Srünn, den 15. Dezember 1867. IV. Lahrg. z-itgemäße« Jvtereffe« des Juöenth««s. Präuumerationsbetrag ganzj. 3 fl., haltijahrig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. haldj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrUMNN. Erscheint all e 14 Tage und zwar jeden 2. Donnerstag. Administration Bäckergasie Nr. 2. 2 Stock. Exped. Krapfengasse 18, Epstein's Buchh. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Rückblick auf das Jahr 1867. — Die Kirchenversammlung zu Wien im Jahre 1267 und die Juden. — Ansprache an die studirende Jugend im israelitischen Tempel zu Brünn. — Die Inden in China. Correspondenzen. — Locale und Ausländische Notizen — Eingesendet. Rückblick auf das Jahr 1867. j i Wenn wir die Bedeutung des nun seinem Ende entge- | gengehenden Jahres 1867 für das Judenthum zur gehörigen! Würdigung unserer geehrten Leser bringen wollen, so ist es! nothwendig, die Ereignisse ans jüdischem Gebiete, zu denen! das genannte Jahr den Zeitrahmen bildete, nach drei ver-! schiedenen Richtungen zu verfolgen, um dadurch ein Gesammtbild von den jüdischen Zuständen der Gegenwart zu erlangen. Diese drei Richtungen sind die politische, eultuelle und religiöse. Was nun die politische Seite betrifft, so wäre es freilich am besten, wenn man aus diesem Gebiete von dem Juden, wie von Schillers bester Frau gar nicht zu reden hätte, wenn die Confession überhaupt bei den politischen Rechten gar nicht in die Wagschale fiele und auch der Jude gänzlich in den Staatsbürger aufgehen würde. In vielen Ländern ist dieß wirklich der Fall, da gelangen Juden zu den höchsten Staats- Aemtern und Würden, ohne daß von irgend einer Seite daran gedacht wird, es als ein besonderes Ereigniß zu registriren. Es wird nicht als ein der Humanität dargebrachtes Liebesopfer mit Lobeskränzen geschmückt und am wenigsten sieht die Religion der Bolksmajorität eine Verletzung ihrer heiligen Würde darin. Es ist einmal in diesen Ländern die eingelebte Anschanung des Volkes, daß die Politik mit dem Religionsbekenntnisse nichts zu thnn habe. Nordamerika schickt einen Gesandten jüdischer Confession nach Mexiko, dem klassischen Boden der Intoleranz, und läßt selbst die bei Ertheilnng von Gesandschaftsposten übliche Rücksichtsnahme aus persönliche Beliebtheit nicht zum Präjudiz gegen eine Classe seiner Bürger werden; die aristokratische Metropole Altenglands wählt einen Juden zum Lordmajor und der süße Mob der Themsestadt, der sonst für seine Privatgesühle nicht gerade die zartesten Formen sucht, trinkt nicht einmal ein Glas Branntwein über das tägliche Maaß, um sich etwa für die Jnscenirung einer Judenhetze Courage zu holen; Frankreich begräbt seinen jüdischen Minister aus protestantischem Boden, nach dessen Tode sich erst die Confessionen um seinen Besitz streiten, im Leben ließen sie ihn ruhig nach seiner Fa^on selig werden und nebenbei weltüberraschende Staatsbudgets entwerfen. Wir könnten noch mancherlei Beispiele anführen; doch wir wollten ja von den politischen Zuständen des Jahres 1867 sprechen. Beginnen wir mit unserem groß en Kaiserftaate, so haben wir viele erfreuliche Beweise des Fortschritts zu verzeichnen; die vollständige Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen erlangt immer festeru Boden, in Wien und auch in andern Städten des Reiches wurden in diesem Jahre mehrere Juden zu bedeutenden Staatsämtern berufen, das Justizministerinm befaßt sich eingehend mit der zeitgemäßen Reglung des Jndeneides, der liberale Geist, der durch die beiden Häuser des Parlaments weht, berechtigt auch in dieser Beziehung zu freudigen Erwartungen. Endlich ist in Ungarn nach langer Verschleppung die Emancipation der Juden als vollendete Thatsache zu betrachten. In Preußen ist durch die norddeutsche Verfassung manches frühere ungünstige Ausnahmsgesetz, das sich noch wie in Meklenbnrg als Anachronismus aus Olims Zeiten bis auf den heutigen Tag erhielt, beseitigt worden, doch läßt das preußische Ministerium im eigenen Lande noch immer den Conflict zwischen dem deutlichen Wortlaut der Verfassung und der Praxis in Bezug ans Anstellnngssähigkeit fortbestehen. In Baiern wurde ebenfalls auf der Bahn liberaler Gesetzgebung vorwärts geschritten. Im Königreiche Italien ist volle Gleichberechtigung, es sitzen nicht blos Juden im Parlament und im Senat, sie bekleiden auch Staatsämter und werden zu diplomatischen Missionen verwendet. Die Schweiz sucht ihr altes Unrecht gegen die Juden gut zu machen, und hat bereits Einleitungen zur vollen Gleichberechtigung getroffen. Holland und Belgien lassen wie England und Frankreich nichts zu wünschen übrig. Rußland und die Türkei begünstigen ihre jüdischen Nnterthanen, auch die kleine jüdische Colonie in Lissabon erfreut sich des Schutzes der Regierung, und auch die wenigen Juden in Griechenland genießen alle politischen Rechte, in Corfn ist sogar durch die Einverleibung in Griechenland die Lage günstiger geworden. In Schweden wurden den Inden neue Rechte eingeräumt, und in Dänemak sind sie längst mit ihrer Stellung zufrieden. Den Schatten zu diesem Lichtbilde liefern Spanien und die Donanfürstenthümer. Spanien will einmal von seinen alten Traditionen nicht lassen, in den rumänischen

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