Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 22 (31.10.1867)
- Date
- 1867-10-31
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hinmurmclt, und weiß aus dem Talmud Dinge, die er lieber nicht wissen sollte. Breslau im Oktober. Am 21. v. M. feierte der Oberkantor und Chordirektor der hiesigen Synagoge, Herr Moritz Deutsch, sein 25 jähriges Amtöjubiläum. Im Jahre 1818 zu Nikolsburg in Mähren geboren, widmete er sich anfangs der Theologie.— Als er jedoch nach vollendetem Gymnasialstudium nach Wien kam, um die Universität zu besuchen, veranlaßt ihn Sulzer, der seine herrliche Tenorstimme bewunderte, die Theologie gegen das Cantorat zu vertauschen, wozu sich der junge Deutsch auch bereit fand. Er besuchte längere Zeit das Conservatorium und sungirte hierauf durch zwei Jahre als 2. Cantor neben Sulzer. — Im Jahre 1842 wurde er endlich nach Breslau berufen, wo er nun seit 25 Jahren für die Veredlung der gottesdienstlichen Formen mit Eifer und Erfolg wirkt. — Zahlreiche Aufmerksamkeit wurde dem Jubilar an seinem Ehrentage zu Theil; von nah und fern liefen Gratulationsschreiben ein (unter andern auch von Nikolsburger Jugendfreunden und Dr. Geiger,) der Synagogenvorstand bezeigte ihm in einem prachtvollen Ehrengeschenke seine Anerkennung und Hochachtung. — Herr Cantor Deutsch ertheilt auch am jüdischtheologischen Seminar Gesangsunterricht und ist der Leiter einer Anstalt zur Heranbildung junger Cantoren. — Vor Kurzem erschienen von ihm: „Deutsche Synagogen- und Schullieder zu Festen und Gelegenheiten für Solo und Chor mit Orgel- oder Flügelbegleitnng." Dieses Werk, das 15 vierstimmige Lieder für alle jüdischen Hauptfesttage, Trauungen und Confirmationen, Todtenfeier etc. enthält, wird von sachkundiger Feder sehr gerühmt, und dürfte bald auch in weitern Kreisen seine Verbreitung finden. — Der Komponist hat es seiner Gattin, Amalie, geborene Ausch aus Prag gewidmet. — Der stud. phil. Joseph Chozncr ans Krakau hat endlich seine schon längst angekündigte hebräische Uebersetzung von Bodenstedts Mirza Schafft) herausgegeben. — In dem schön ausgestatteten Merkchen, das dem Verfasser dieser herrlichen Dichtungen gewidmet ist, bekundet der noch jugendliche Uebersetzer eine Sprachgewandheit, die um so schätzenswerther erscheint zu einer Zeit, in der die heilige Sprache so wenig gepflegt wird. — Am mit? rQt? hielt Herr Direktor Frankel in der Seminarsynagoge einen talmudischcn Vortrag, der wie immer durch Geistesschärfe und tiefe Gelehrsamkeit ausgezeichnet war. H. K. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Im nächsten Monate feiert der Oberkantor des hiesigen Tempels Herr M. Pereles sein 25jühriges Jubiläum. Herr Pereles hat sich durch feine ausgezeichneten Leistungen im Gesänge wie in der liturgischen Composition, endlich durch seine treffliche Leitung des Chors nicht nur um den hiesigen Tempel verdient gemacht, sondern auch zur teranbildung jüngerer Kräfte und dadurch zur Reglung und erschönerung des Gottesdienstes in andern Gemeinden wesentlich beigetragen. Der würdige Tempelvorstand wird, wie wir hören, die Gelegenheit ergreifen, ans diesem Anlaß dem verdienten Oberkantor seine Anerkennung an den Tag zu legen, und dürften dem Jubllar auch von anderer Seite Beweise der Theilnahme zukommen. * Der seelige Oberrabbiner Rappoport hat seine reichhaltige orientalische Bibliothek, eine der größten Privatbibbibliothcken der Welt, der hiesigen Gemeiude zur Benützung für Studirende der jüdischen Theologie vermacht. Brünll. Am 30. und 31. d. M. werden im Gebäude der hiesigen Oberrealschule die Vorstände, Rabbiner und Lehrer der mährischen Gemeinden wegen der Gründung eines Proseminars für die mährische Judenschaft in der Hauptstadt des Landes Berathungen pflegen. Der hiesige Vorstand hat an die Gemeindemitglieder den Aufruf ergehen lassen, für die Aufnahme der Gäste zur Bequartierung und Verpflegung während der Conferenzzeit Sorge zu tragen, und ihre diesfällige Bereitwilligkeit dem Vorstände anzuzeigen. Wien. Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Eduard Mauthncr hat von Sr. Majestät dem Kaiser die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. * Der Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien für das Jahr 1866—67 ist erschienen. Nach demselben wurden im vergangenen Jahr 12 Rabbinatskandidaten, 118 Studirende der Medizin, 10 Studirende der Rechte und 4 Techniker mit einem Gesammtbetrage von 2103 fl. 61 kr. unterstützt. Der größte Theil dieser Summen wurde für Schulgelder, Rigrosen und Promotionen verausgabt. Dem Vaterlande nach waren die Unterstützten: 82 aus Ungarn, 24 aus Mähren, 23 aus Gallizien, 12 aus Böhmen, 1 aus Siebenbürgen und 1 aus Rußland. Berlin. Das norddeutsche Parlament hat in seiner jetzigen Session nur zwei jüdische Mitglieder, den Assessor Dr. Lasker und Baron Karl Mayer von Rothschild. * Nach der „Tribüne" hat der bekannte Abgeordnete Prof. Paulus Caßel (als Jude Selig CaßeN das 2. theologische Examen bestanden, nach welchem ihm die Erlaubniß zum Predigen ertheilt wurde. — Verflossenen Sonntag hielt er vor einem überaus zahlreichen Auditorium in der St. Jakobskirche zu Berlin seine Probepredigt. Der Cultusminister soll ihm eine einträgliche Stelle an einer der Hauptkirchen Berlins zugcsagt haben. — * Die „Volkszeitnng" schreibt: Kürzlich ist es, obwohl der Artikel 12 der Vcrfassungsurkunde die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte als unabhängig von dem Religionsbebekenntniße deutlich hinstellt, fraglich geworden, ob Juden zur Prüfung pro scliola zugelassen werden können. Der llnterrichtsminister hat dem betreffenden Provinzialschulkollegium auf dessen Bericht vom 2. Juli d. I. erwidert, daß der Zulassung der Juden zu jener Prüfung, sofern sie ihre Qualifikation vorschriftsmäßig Nachweisen, kein Bedenken entgegensteht. „Hierdurch," — setzt der Minister erläuternd hinzu, — „erleiden aber die in Betreff der Anstellung der Juden im Ressort der Unterrichtsverwaltung bestehenden Bestimmungen keine Abänderung; insbesondere wird durch die Ablegung der in Rede stehenden Prüfung von Seiten jüdischer Examinanden, die Berechtigung zur Anstellung als Lehrer an christlichen Schulen nicht erworben." — Ein ähnlicher Vorbehalt findet sich auch in der neuen Ordnung für die Prüfnng zu den höheren Lehrerstellen, und es ist diese Bestimmung bereits in dem Hause der Abgeordneten auch zur Spracke gekommen. — Wir bleiben also immer in dem alten Zirkel: Nichtchristliche Lehrer dürfen an christlichen Schulen nicht angestellt werden, die Gründung confessionsloscr Lehranstalten aber wird nicht genehmigt, oder doch sehr erschwert. Nichtchristen dürfen also wohl die Examina machen, aber auf Anstellung dürfen sie nicht rechnen. — Wozu nun da der Artikel 12 unserer Verfassung? —■ Hamburg. Am 4. Oktober starb hier Dr. Eduard Kley, früherer Prediger am israelitischen Tempel und Direktor der israelitischen Frcischule im Alter von 78 Jahren. Kley zählte seiner Zeit zu den besten jüdischen Kanzelrednern in Deutschland. Odessa. Von dem hiesigen Hebräisten Israel Rall sind Ovids Metamorphosen ins Hebräische übersetzt worden. Smyrna. Der griechische Erzbischof hat in Begleitung seines Klerus dem hiesigen Obcrrabbiner Chajim Polaggi