Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 20 (3.10.1867)
- Date
- 1867-10-03
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Gesetze ausspricht, und mit dem seit 1866 mächtig fortgeschrittenen Zeitgeiste, als daß sie selbst ein Ministerium Bismark noch länger bestehen lassen könnte. — Im ehemaligen Churfürstenthume, nunmehrigen Regierungsbezirke Kaßel und in andern annektirten Ländern besteht der Eid more judaico seit langem nicht mehr; er kann darum auch für die alten Provinzen nicht in Kraft bleiben, da diesen doch nicht zngemnthet werden darf, vor jenen zurückzustehen. — Es wäre wünschenswerth, wenn die Vorlage, die der ehemalige Justizminister von Bernuth über diese Materie seiner Zeit einbrachte und die lediglich an der Ablehnung durch das Herrnhaus scheiterte, wieder ausgenommen wurde, zumal auch die von Inden zu leistenden Fahnen- und Diensteide noch immer mit den mittelalterlichen Beigaben bekleidet sind, und damals die Abschaffung dieser Letztem von der Annahme der Gesetzvorlage anhängig gemacht worden war. — Wie man übrigens hört, soll es im Plane liegen, das Staatsministerium zu bitten, unter Aufhebung der in den neuen Ländern bestehenden, die Juden betreffenden Ansnahmsgesetze diese auch, wo sie noch vorhanden, für das ganze Staatsgcbieth zu beseitigen, namentlich die Einmischung der Regie-- rnng in die inner» Angelegenheiten der Inden, da schon die Verfassnngsurkunde jeder Religionsgcsellschaft das Recht beilegt, ihre Angelegenheiten selbstständig zu ordnen und zu verwalten. — Die Petition dürfte Erfolg haben, da schon in der vorigen Session des preußischen Abgeordnetenhauses das Cultusministerium anerkannnt hat, daß das Gesetz vom 23. Juli 1847 „über die Verhältnisse der Juden" thatsächlich bereits längst veraltet sei. — Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Das vom Herrn vr. Wiechovsky ausgegebene Programm über Methode und Lehrgegenstände in seinem deutschen Untergymnasium und seiner Unterrealschule enthält unter andern auch eine warme Empfehlung dieses Instituts von hervorragenden Persönlichkeiten unserer Stadt, Männer wie Brinz Herbst, Höfler, Bayer u. a. m. sprechen dem Leiter ihre volle Anerkennung aus. Unfern Lesern gegenüber bemerken wir bloß, daß Herr vr. Wiechovsky seinen israelitischen Zöglingen nicht nur den obligaten Unterricht in der Religion sondern auch einen erweiterten hebräischen Unterricht ertheilen läßt. Diesen Religionsunterricht hat in diesem Schuljahre der Redakteur d. Bl. übernommen R. Prag. Am 22. und 23 v. M. fand die öffentliche Prüfung am Mädchenlehrinstitute der Frau Rosalia Robitschek statt. Das Resultat dieser Prüfung gereicht der Jnstitutslciterin zur Ehre, und verdienen alle da wirkenden Lehrkräfte lobend erwähnt zu werden. Die präcisen Antworten der Schülerinnen sowohl in der Religionslehre als in den andern Lehrgegenständen zeigen, daß in dieser Anstalt mit Eifer und Begabung auf die geistige Entwicklung der Jugend hingewirkt wird und hat uns die methodische Behandlung der Lesestücke und die Sorgfalt, die auf die richtige Betonung des Gelesenen verwendet wird, sehr befriedigt, und verdient die begabte Lehrerinn dieses Faches die gerechte Anerkennung. Die ausgestellten Radelarbciten, wie sie theils der erfinderische Luxus, theils der häusliche Bedarf verlangt fanden bei den anwesenden Damen nngctheiltes Lob. R. Wien. Der Oberkantor Prof. S. Sulzer erhielt vom Kaiser von Rußland in Anerkennung seiner Verdienste um die Kunst die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Der Rechnungsoffizial Herr Em. Saffir wurde zum Rcchnungsrath bei der Central Militär- und Marineverwaltung ernannt. Es ist der erstx Fall, daß ein Israelit itr. Civildienste und in der Bcamtenhicrarchie einen Grad erreichte, der dem Majorsrang in der Armee gleichkömmt. Troppau. Der Rabbiner Singer in Troppau gab kürzlich eine Flugschrift „Drei Fragen" heraus, welche wegen ihres reactionären Inhalts in der dortigen israelitischen Cultusgemeinde solche Mißstimmung erregte, daß in einer am 22. d. abgehaltenen Generalversammlung beschlossen wurde, dem Hrn. Singer den Posten als Rabbiner bis Ende Mürz 1868 zu kündigen und ihn von der Stelle eines Directors der israelitischen Elementarschule in Troppau sofort zu entheben. (Boh6inia) Kolomea. (Gallizien) Der Gemeinderath der Stadt Kolomea, die unter 15909 Einwohnern 8230 Juden zählt, hat per magora beschlossen, daß das städtische Krankenhaus nur für Christen bestimmt sei, kranke Israeliten daher kein Recht haben, darin nntcrgebracht zu werden. Der Landesausschuß hat natürlich diesen mittelalterlichen Beschluß aufgehoben und für ungiltig erklärt. Polen. Die Koschersteuer, welche in Polen noch besteht, und 3% Kopeken beträgt für jedes Pfund Fleisch, welches die Juden verzehren, ist in den Ostsceprovinzen ausgehoben worden. Agram. Am 28. September wurde die neucrbaute Synagoge unter großem Andrange der Bevölkerung feierlichst eingeweiht. Die Herren Rabbiner Fasset und vr. Jakobi hielten die Festreden, welche ebenso wie die Gesänge und Gebete alle Anwesenden befriedigten. Tie übliche Schlußsteinlegung wurde nach einer Ansprache des Cultusvorstehers Herrn W. Schwarz von dem Hofrathc von Zlatorovic, als Stellvertreter des abwesenden Landcschefs vorgenommen. Die erwähnte Ansprache wie a.uf) das Gebet des Rabbinatverwesers Herrn Eisncr wurden in kroatischer Sprache gehalten. Zum Schluffe wurde die kroatische Volkshymne gesungen. Unter den geladenen Gästen waren viele geistlichen Herren der verschiedenen hier wohnenden Confessionen, man bemerkte auch den ehemaligen Hofkanzler Sr. Excllenz Herrn von Mazuranic. Der Landesmilitär-Comandant Freiherr von Gablenz war ebenfalls mit seiner Suite anwesend. Wiesbaden. vr. Heinrich Herz, nassauischer Medizinalrath a. D. Senior der nassauischen Aerzte und — bereits vor dem Jahre 1848 angestellt — einer der wenigen deutschen Staatsbeamten isr: Glaubens starb hier am 9. September im 73. 'Lebensjahre. Frankfurt a. M. In der Sitzung der 41. Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte am 24. September hielt vr. L. Geiger, Lehrer an der hiesigen israel: Realschule einen sehr beifällig aufgenommcnen Vortrag über den Farbensinn der Vorzeit und seine Entwicklung. Paris. Frau Baronin James von Rothschild hat für die ebenso umfassende als geräuschlose Thätigkeit, welche sie während des vorjährigen Krieges für die Pflege der Verwundeten entwickelte, von der Genfer Gesellschaft die silberne Medaille erhalten. London. Sir Moses Montcfiore veröffentlichte in der Times ein an ihn gerichtetes Schreiben des Fürsten Karl von Rumänien in welchem den jüdischen Glaubensgenossen derselbe Rechtsschutz wie allen übrigen Unterthanen des Landes zugesichcrt wird. Algier. Die jüdische Bevölkerung Algeriens beträgt nach neuester Zählung circa 34000 Seelen. Chicago (Nordamerika) Am 2. September d. I. wurde hier in feierlicher Weise der Grundstein zum neuen israel: Spital gelegt. In Detroit. Mich, wurde am 30. August ein neuer Tempel eingeweiht. (Ilebrew. Reader.) Echte Korfur Eßrogim mrd grüne Lulnfs sind zn haben bei D. Ehrmann breite Gaffe 109—V. im l. Stock.