Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 19 (19.9.1867)
- Date
- 1867-09-19
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. In der vorigen Nro. im Aufsätze des Herrn Wolf S. 139 2. Columne Zeile 7. ist anstatt „König Karl" Königsmark zu lesen. * Das Septemberheft des „Corriere iZraelitieo" bringt historische Notizen über die Triester Jndengemeinde, in welchen sich ein Pendant zu unserem Artikel in der vorigen Nro. d. Bl. „Ein Anti-Luxusgesetz der Prager Judengemeinde vor 100 Jahren" findet. Auch in der Triester Cultusgeincinde wurde im Jahre 1759 ein ähnliches Gesetz veröffentlicht, welches vorzüglich gegen den Luxus der Damen gerichtet ist. Dieses sociale Heilmittel scheint der damaligen Zeitrichtnng angehört zu haben. * Herr I. Bloch, früherer Redakteur dieses Blattes hat auf Allerhöchsten im Wege des Vorstandes der Kabinetskanzlei bekannt gegebenen Befehl durch das k. k. Kreisamt Pilsen, einen anerkennenden Dank wegen eines aus Anlaß einer in dem ifr: Tempel zu Pilsen abgchaltenen GedeMnißfcier für Weiland Kaiser Maximilian verfassten LicdeMerhalten. * Eine biographische Skizze unseres Landsmannes und Glaubensgenossen des I)r. Samuel Basch Leibarzt Weiland Sr. Majestät Maximilian I. Kaisers von Mexiko ist im Verlage von Senders und Brandcis erschienen. Dieselbe interessanten Inhalts, ist aus der Feder des Herrn I. Brandeis eines Freundes dieses um die mexikanische Geschichte der neuesten Zeit verdienten Mannes hervorgegangen, und wird gewiß diese Broschüre jedem willkommen sein, der Gelegenheit hatte über die Wirksamkeit des Di°. Basch in neuester Zeit, in den öffentlichen Journalen zu lesen. Wien. Der um das Judcnthum verdiente edle Sir Moses ^Montesiore ist von seiner Reise nach Bukarest über Wien znrnckgckehrt. Hier hielt er mit Sr. Ehrwürdcn Rabbiner Horwitz eine längere Unterredung, vermöge welcher er in London ein Asyl für arme jüdische Gelehrte zu gründen bestrebt ist. * Crcmicux hielt sich hier bei seiner Durchreise nach Bukarest ans. Bekanntlich führt ihn dieselbe edle Mission im Interesse seiner in Rumänien gedrückten Glaubensgeuossen dahin. Ungarn. Sr. Majestät der Kaiser hat zum Bau der Synagoge in Trentschin-Teplitz 400 fl. gespendet. * Sir Moses Montefiore, der bereits auf seiner Rückreise begriffen ist, hat nach London telegrafirt, daß seine nach den Donaufürstenthümern unternommene Reise den günstiges Erfolg seiner Mission erzielt habe. Während seines Aufenthalts in Pest stattete er auch der Gemeinde in Altofen einen Besuch ab, und verrichtete in der dortigen Synagoge sein Gcbeth. Lemberg. Bei der vorzunehmcnden Reorganisation der Schulen in Gallizien haben sich die meisten Gemeinden für die Einführung der polnischen Sprache als Unterrichtssprache erklärt. Die israelitischen Vorstände sind im Principe zumeist mit dieser Einführung einverstanden, doch wünschen sie mit Rücksicht auf die vielen Lehrer, die dieser Sprache nicht ganz mächtig sind, daß die Einführung nur nach und nach im Verhältnisse der Möglichkeit stattfinde. Viele Gemeinden sind für gänzliche Auflassung der israelitischen Schulen,.da diejüdischen Kinder ungehinderten Zutritt in den christlichen Schulen haben. Frankfurt a. M. Die Wiederwahl des Freiherrn von Rothschild zum norddeutschen Parlament wurde trotz der starken Opposition durchgesctzt. * Im August. Obgleich in letzter Zeit Ereignisse'von allgemeiner Bedeutung sich hier drängten, so dürste doch auch ein anderes Ereigniß, welches speziell das jüdische Interesse be- I rührt, Erwähnung verdienen. In den letzten Wochen tagte hier die zweite Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwcn und Waisen in Deutschland. Ich freue mich, daß der Verein zu seiner Bezeichnung einen kürzern Namen adoptirt hat. Er will zukünftig in Ucbcrcinstimmnng mit dem bekannten von ihm hcrausgcgebenem Jahrbuche „Achawa" heißen. Hiemit ist seine ganze Tendenz gekennzeichnet. Achawa heißt Brüderschaft. Wie ganz Israel, so wollen sich zunächst dessen Lehrer Brüder nennen und wie Brüder gegen einander handeln. Der Verein ist ein wahrhafter Brüderbund. Dem Vereine ist jetzt ein ständiger Sitz in Frankfurt geschaffen. Es wird ihm nunmehr nicht schwer werden, Korporatmnsrcchte zu erlangen, denn der wandelnde und wechselnde -Lutz war bisher hinderlich daran. Die Verwaltung mußte hierdurch zum Theil erneuert werden; auch die Statuten wurden theilweise rcvidirt. Die bekanntesten Männer Frankfurts intcressiren sich jetzt lebhaft für den Verein. Diese werden suchen, auch das Interesse der Gemeinden für diese Lehrangelegenheit, die eigentlich ja auch eine Gcmcindcangelegenheit ist, wach zu rufen, und dem Beispiele Frankfurts werden ohne Zweifel alsdann auch andere Gemeinden folgen. Möchten wir uns hierin nicht täuschen, um den Lehrer, wie der Gemeinden willen; denn man irrt, wenn man glaubt, daß der Mangel an guten Scminarien den Mangel an Lehrern erzeuge; die unsichere Lebensstellung der Lehrer hält bei weitem mehr von der Erwählung des Lehrerberuses ab. Die Sorge für den Lehrer ist somit in doppelter Weise auch eine Sorge für die Gemeinde. Nicht blos, daß die Wiederbcsetzug der vakanten Stellen mit tüchtigen Lehrkräften hierdurch eher ermöglicht wird, den Gemeinden wird auch dadurch die ssorge für ihre ein« ritirtcn, krank und dienstunfähg gewordenen Lehrer wie ihrer Lehrer-Witwen und Waisen erleichtert und abgenommen. Ihr Lehrer, wirket, ihr Gemeinden sorget darum, für den Lehrerverein. (Hen Chan.) Meklenburg C, September. Die Rostokcr Kaufmannschaft ist weniger bereitwillig die gefürchtete Eonkurrenz der Juden zu ertragen als die Handwerker geneigt sind denselben die Aufnahme in Rostok zu gestatten. Das erste Quartier der Bürgervertretnng, gewählt von der Kanfmannl'chaft, hat nähmlich in Bezug auf die Judenfrage die Erklärung abgegeben, daß es der Zulassung der Juden in Rostok so lange widersprechen müsse, bis dieselben in ganz Meklenburg die völlige Gleichberechtigung mit den Ehristen erlangt haben werden, daß also durch ein LandcSgcsctz die Beschränkungen aufgehoben würden, welchen diese in Bezug aus die Erwerbung von Grundeigenthum und auf bürgerlichen Nahrnngsbetrieb noch unterworfen sind. Die Kaufmannschaft kann sich also noch nicht dazu erheben in der Zulassung betriebsamer Menschen ein Wohl für die Gemeinde zu sehen, sondern fürchtet in jedem Einzelnen die Eonkurrenz, welche sie durch künstliche Schutzwchren zu ihrem eigenen Vortheil möglichst lange fern zu halten sucht. Hoffentlich wird ein Reichsgesetz diesem Unfugc noch schneller ein Ende machen als das von der Regierung vorbereitete und mit den Ständen zu vereinbarende Landcsgesetz, wenigstens ist cs schwer zu glauben, daß die meklcnburgcr Ritterschaft einem Gesetze ihre Zustimmung geben sollte, welches dem Inden die Erwerbung von Rittergütern uub der damit verbundenen Landstandschast gewähren sollte. Meklenburg Schwerin 29. August. Auch in Wismar hat man sich mit der vom Ministerium des Innern angeregten Frage wegen Aufnahme der Juden schon seit längerer Zeit beschäftigt. Der dortige Bürgeransschuß billigt vollkommen die Ertheilung von bürgerlichen Rechten an die Juden und hat sich sogar mit einem hierauf bezüglichen Anträge an den Rath gewendet. Letzterer hat nun zwar keine direkt zustimmcnde Antwort erthcilt, allein nach zuverlässigen Angaben wird der Niederlassung der Juden in Wismar und ihrer Zulassung zum bürgerlichen Gewerbbetricbe, so wie zur