Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1867-06-27 · 13 (27.6.1867) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
13 (27.6.1867)
Date
1867-06-27
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9050333-9088986-9050998--0676-9051000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

in frühcrn Zeiten eine jüdische Garküche betrat, konnte eher den Apctit verlieren als stillen. Die Glanbcnsinnigkcit, die in die tiefsten Falten des Magens drang, setzte sich jedoch über alle Äußerlichkeiten hinweg, und die kümmerlichen Etablissements für Erhaltung unserer irdischen Existenz waren jederzeit mit Gästen überfüllt. Heilte sind diese Anstalten ganz zeitgemäß eingerichtet, mit allem möglichen Comfort ausgerüstet. Speise und Trank, Lokalität und Bedienung entsprechen den Anfordernngcu der kulinarischen Wissenschaft. Zur Förderung der Verdauung dient das Billard, und damit das Nachmittagsschläfchen gehörig vorbereitet werde, liegen zahlreiche Zeitungen auf. Nur eines fehlt diesen Anstalten. Es fehlen die Gäste. Eine alte Geschichte, höre ich Sie, Herr Redakteur! bedächtig ausrufen. Bitte um Vergebung, cs ist eine neue Geschichte, und hängt eng mit den religiösen Zuständen zusammen. Ich möchte sie sogar als ein dankbares Thema für eine Predigt in Vorschlag bringen. Ich habe heute noch einen Vorschlag auf dem Herzen. Der hiesige Tempel wird, wie alle Welt weiß, neu aufgebaut. Eine bedeutende Vermehrung der Sitze ist nothwendig und zweckmäßig. Allein ein Hauptübelstand unserer Synagogen ist, daß man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht, man bekömmt nichts als Sitze und wieder Sitze zu Gesichte, für einen freien großen Raum, der die Stätte der eigentlichen Funktion von den Andächtigen trennt, der den Brenschen aus sich heraus zu etwas anderem Erhabenerem und Geweihterem führt, wird selten Sorge getragen. Ohne in den Bauplan cingeweiht zu sein, stellen wir unsere Anschauung dem Baukomite des Tempels zur Beherzigung anheim. Nebenbei möchten wir auch die Einrichtung von einer oder zwei Sitzreihen für Gäste empfehlen. Der Fremde, der ein Gotteshaus besucht, weiß nicht, wohin er sich wenden soll, und seine Verlegenheit wird dadurch nicht vermindert, daß ihm der eine oder andere Einheimische auf seinen Platz nehmen will, abgesehen von der Störung der Andacht, die oft durch das damit verbundene Hin- und Herwinken verursacht wird. Leiträge zur mittelalterlichen Geschichte der Juden in den Rheinländer». von Leopold Wolf in Prag. Wenn wir das Thema über die Ausiedluug der Juden und deren Aufenthalt in den Rheinländern behandeln, so müssen wir vor allem den Mittel- Rhein und Maingau von den cigentichen Ländern des Ober- und Niederrheins scheiden. In die gesegneten Gefilde jener beiden Flüsse wandertcn die Juden gewiß schon frühe von Bingen, Mainz und Frankfurt aus, in welch letzterer Stadt sie in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zuerst als Gemeinde genannt werden. In Bingen kommen sie bereits im 11. Jahrhundert vor, im 13. zu Lorch Als deren eine Anzahl in einem Tumult des Pöbels getödtet worden war, befahl K. Rudolf dem Erzstifte zu Mainz dafür Entschädigung zu geben, denn Otto IV. hatte 1209 am 20. November d: Lncca die unter der Mainzer Kirche stehenden Juden frei von Abgaben an das Reich erklärt; sie bezahlten also bloß ihr Schutzgeld an den Erzbischof. (Guden I 758). Gegen das Ende dieses Jahrhunderts gerieth durch die damals epidemisch gegen Stifter und Klöster herrschende Raubsucht des durch Luxus und Unwirthschaft ruinirten niederen Adels die Cisterzienserabtei Ebcrbach in Rheingan in große financielle Noth. Selbstverständlich mußten die Juden als Helfer in der Noth mit baarem Gelde herhalten; als Helfer waren sie ihnen willkommen, als Gläubiger jedoch lästig, was sich aus dem Mittel ergibt, das die Ebersbacher Mönche endlich gegen die Juden ergriffen. Sie wandten sich an K. Albrecht I. und baten um Schutz gegen die wucherische Zudringlichkeit der Juden diesen erhielten sie sofort. Albrecht erließ 1299 an alle Juden in dem Reiche einen feierlichen Brief, worin er ihnen allen Wucher gegen die Erbacher streng untersagte, und sie auf bloße Rückforderung der Capitalien ohne Zinsen beschränkte! Da die Mönche in ihrer Noth ihnen die Zinsen handschriftlich zugesagt, und durch Bürgschaften gesichert hatten, so kehrten sich jene nicht an das königliche Edict. Allein K. Albrecht erneuerte im Jahre 1300 seinen vorigen Erlaß und erklärte alle dergleichen wucherischen Verträge für ungiltig. Die bedeutendsten Gläubiger der Eberbacher waren nun die Witwe und die Söhne eines gewissen Schönemann von Düren und Simon von Berghcim. Da sie auch gegen das zweite Verbot auf ihrer Forderung gegen das Kloster bestanden, so erlleß der König in demselben Jahre 1300 an sie einen specieüen Befehl, und verbot zugleich allen Christen, jene Juden bei ihren Forderungen gegen das Kloster irgendwie zu unterstützen! — Dieses scharfe Wort drang endlich durch, stürzte aber das Kloster in eine andere Verlegenheit, da die Juden jetzt das Capital kündigten. (Bär: Gesch. d. Abtei Eberbach II. 283). Bald darauf kommen Juden in R ü d e s h e i m vor. Im Jahre 1321 erhielt Tilman von Rüdesheim, aus dem Geschlechte der Kinde von Rüdesheim, wie Bodmaun annimmt, — als Ersatz für den im Dienste der Mainzer Kirche erlittenen Schaden das Schutzrccht über die zu Bingen und Rüdesheim wohnenden (personaliter residentes) Juden, bis er von ihnen 50 Mark erhalten habe (Bodmann Rheing. Altcrth. I_435). Am tänbe des 13. Jahrhunderts traten sie im Rheingau, so wie überhaupt in dem Gebiete des Erzstiftes Mainz sehr mächtig auf. Das folgt aus 2 Urkunden K. Rudolfs vom 21. und 23. September 1286. In der einen ermahnte er die Bürger von Mainz, ihrem Erzbischof in Verfolgung der Juden, die eine christliche Familie gefangen hielten, und des Mordes angeklagt waren, Beistand zu leisten. Mit der anderen citirte er den Moses, Bischof der Juden, und die Mainzer Juden binnen 3 Wochen vor ihm zu erscheinen und den Klagen des Bischofs Heinrich von Main; Rede zu stehen. Es geschah dies eben um die Zeit, als viele Juden aus dieser Gegend übers Meer „Vorflüchtig" geworden waren (vergleiche meinen Aufsatz über die Rechtsgeschichte der Juden in Deutschland in Nr. 12 dieser Zeitschrift) denn schon am 6. December desselben Jahres benachrichtigte der König dem Stadtrath zu Mainz, daß er den Erzbischof und den Grafen von Katzenellenbogen beauftragt habe, sich alles Eigenthums der aus Speier, Worms, Mainz, Oppenheim und der Wctterau überhaupt übers Meer „Vorflüchtig" gewordenen Juden zu bemächtigen und gebietet demselben, diesen hierbei behülflich zu sein, auch gebot er zugleich der Judenschaft in Mainz den Genannten bei der Aufspürung des Vermögens der übers Meer geflüchteten Juden beizustehen. (Böhmer Reg. 1246 — 1313) (133, 134.) Von Bedeutung waren die Juden in Wetzlar. K. Rudolf I. nahm 1277 dem cdelu Manne Sifrid von Runkel zum Burgmaun der Reichsburg Calsmunt an, und gab ihm 10 Mark Einkünfte von den Juden zu Wetzlar als Burglehen. In Runkel selbst erscheinen sie 1315; denn am 29 Juni dieses Jahres trugen die beiden Burgmänner zu Merenberg, Giselbert Schitz (von Holzhausen) und Eberhard Rublsame bei den Juden zu Runkel ein Kapital für ihren Herrn Hartrad von Merenberg ab, wofür ihnen dieser die jährlichen Zinsen aus den Centen Lare und Elsoff, die ihm von Diez verpfändet waren, anwies. (Ibidem 86.) Ebenso kommen sie in Katzenellenbogen vor. K. Albrecht I. bewilligte 1303, am 15. Feber, daß Graf Eberhard von Katzencllenbogen wegen dessen, was er demselben schuldig war, den Zoll zu Boppard sammt Steuern von Christen und Juden in seinem Gebiete so lange erheben möchte, bis er völlig bezahlt wäre. (Vogel Taschenb. 53). Und 1340 erlaubte K. Ludwig der Baier dem Grafen Wil- I Helm von Katzenellenbogen und seinen Erben 24 Juden in I ihrem Gebiethe zu halten, wo sie wollten. Schon vorher 1 hatte K. Heinrich IV. dem Grafen Diether als Belohnung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.