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Das Abendland · 1867-06-13 · 12 (13.6.1867) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
12 (13.6.1867)
Date
1867-06-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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für alle Central - Organ Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus siir's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. i Thlr. 15 Er. Verleger, Eigentümer und verantwortlicher Redakteur D- LhrmaNN- Erscheint alle 14 Tage und zwar jeden 2. Donnerstag. Administration Breite Gaflc Nr. 108—V. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Aus der Prager Eultnsgcmeiude. — Umrisse zur Rcchtsgeschichtc der Juden in Deutschland. — Alte Urkunden. — C o rrespond e nzen: Paris, Amerika. — Notizen: Prag, Koschetitz, Wien, Dresden, Fnr:h, Ladenburg, Neu-Bukow, Stockholm, Straßburg, Bern, Bukarest, Paris, London. — Über die Magie bei dm Alten. — Die Rabbinerwahl in Zappelsdorf in Ungarn. — Inserate. — Aus der Prager Cullusgemeinde. i. Unter der Aufschrift „Briefe eines Draußigen" hat das Abendland bereits eine Reihe von Aufsätzen aus der Feder des geistvollen Rabbiners Dr. Ehreutheil gebracht, und ich hoffe, geehrter Herr Redakteur! daß Ihr geschätztes Blatt auch für die harmlosen Privatgefühle eines Driunigcn einen kleinen Raum haben wird. Warum sollte auch eine der größten, ältesten und berühmtesten Gemeinden der öffentlichen Beachtung und Besprechung entzogen werden? An Stoff für Lob und Tadel ist kein Mangel, und sollte uns der Faden der kritischen Umschau früher ausgehen als die Geduld des Lesers, so werden schon die Zukunftsmißgriffe, die kaum aus der Art ihrer historischen Berechtigung schlagen dürften, dafür sorgen, daß meine Feder nicht eintrockene. Bei diesem letzten Passus sehe ich schon einige Falten auf ihrer bedächtigen Stirne, sie erblicken schon in weiter Ferne eine kleine Wolke als Vorbothin eines nahen Sturmes, der leicht die idyllische Ruhe eines jüdischen Redakteurs stören könnte; doch seien Sie unbesorgt, ich bin eine friedliche zahme Natur, und wenn ich auch gerne die Sachen bei ihren rechten Namen nennen, so bleibe ich doch eben bei den Sachen stehen, und trete niemals, so, weit diese Trennung nur möglich ist, den Personen nahe. Überdies sind meine Tendenzen durchaus nicht destruktiv, ich möchte im Gegcntheile, daß das wahrhaft Gute aus der frühcrn Zeit erhalten bleibe, und wenn ich Ihnen sage, daß meine ganze Reformsucht in dem Streben besteht, den Golem abzuschaffen, so wird sich Ihr ängstliches Gemüth beruhigen. Dieser Golem, der auf dem obersten Boden der Altncusynagoge seit den Zeiten des hohen Rabbi Löw regungslos liegen soll, hat von jeher meine Gedanken beschäftigt. Er hat noch niemanden ein Leid zugefügt, er erschmeckt niemanden, er stört niemanden, es hat ihn noch niemand gesehen. — Er bewegt sich nicht, er rührt sich nicht, doch das ist gerade sein Fehler und mitunter das Unglück der Gemeinde. Man wollte schon öfters auf der Bahn des Fortschritts vorwärts kommen, da lag der Golem mittenim Wege, über den man stolperte, fiel und liegen blieb. Dann ward es wieder für eine längere Zeit ruhig und stille, man blieb in aller Gemüthlichkeit in der engen Sphäre des Gewohnten und Hergebrachten, um bei einem nächsten Anlaufe abermals über den Golem zu stolpern. Darum wird es auch der stete Refrain unserer Prager Briefe bleiben. — „Schaffet mir den Golem ab." — Bevor ich zur Zeichnung der iunern Zustände der Pra, er Eultusgemeinde schreite, will ich einige Zeilen ihrer äußern Physiognomie, ihrem Umfange, ihrer Statistik widmen. Prag zählt gegenwärtig 15 bis 16 Tausend jüdische Einwohner, und überragt somit bei Weitem den Popnlationsstand früherer Zeiten. Nach einem alten im Privatbcsitze sich befindenden Mannscripte, das man ohne historifile Berechtigung die „Waldsteinische Chronik" nannte, zählte einst Prag 25 bis 30000 Inden, doch haben diese Angaben wenig Anspruch aus Glaubwürdigkeit, und was sonst an berechtigten geschichtlichen Daten über die Prager Judenschaft erhalten geblieben, weist auf eine geringere Population hin als die gegenwärtige. Die rasche Zunahme der jüdischen Bevölkerung datirt sich seit dem Jahre 1848, von i wo an durch die gestattete Freizügigkeit viele Juden aus der Provinz ihren Wohnsitz nach der Hauptstadt verlegten. Nur einige wenige Zuzügler aus Ungarn und Galizien abgerechnet, hat sich der ganze Zuwachs aus dem eigenen Lande rekrutirt. Die Juden Prags sind wie die übrigen Bewohner, der Stadt theils heimalhsberechtigt oder gemeindezuständig theils Fremde. Alle Ansäßigen ohne Unterschied zahlen, wenn sie Vermögen besitzen, eine Cultusstcucr an die Gemeinde und haben dadurch das Recht der Theilnahme an allen Cultusinftitutcn, jedoch sind die Fremden bei der Wahl der Gemcindcrepräsentanten weder des activen noch des passiven Wahlrechts theilhaftig. Die Juden Prags wohnten vor 1848 sämmtlich, mit Ausnahme einiger wenigen Privilegirten, in einem eigenen Viertel, die Judenstadt genannt.— Durch die politische Gleichberechtigung der Coufcßionen in Oesterreich ward diese Einschränkung behoben und die Juden Prags machten von der ihnen gewährten Freiheit den vollständigsten Gebrauch. Sie

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