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Das Abendland · 1867-05-02 · 9 (2.5.1867) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
9 (2.5.1867)
Date
1867-05-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Yr. S- H'rag den 2. Mai 1867 zeitgemäße« I«tereffe« des I«öe«thi»ms. Pränumerationsbctrag ganzj. 3 fl., Iialtijahria 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus, für's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: D. LhrMaNN. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines jeden Monats. Administration Geistgafle Nr. 908—I. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Zur jüdischen Geschichtsforschung. — Bedenken gegen einige synagogale Neuerungen. — Etwas über die zwei berühmten polnischen Gelehrtenfamilien, deren Mitglieder meistens den Namen Heschel führten. — Correspondenzen: Prag, Mähren, BreSlau.— Notizen: Prag, Smichow, Böhmen, Alzcy,Lnzcna, Bukarest, Florenz, London, Amerika.— Ucber die Magie der Alten.— Inserate. Zur jüdischen Geschichtsforschung. Von Leopold Wolf in Prag. Wie die Begriffe von Kenntnißkunde u. Forschung sich steigern, so stehet der G e s ch i ch t s ke n n er gegen den Ge sch ichtskundi gen, und dieser gegen den Ge s ch i ch t s s o r s ch e r zurück. Schneller. Die Geschichte ist eine zusammenhängende Ucbersicht über das dichtverstochtcne Ganze der mannigfaltigsten Begebenheiten; sie ist die einheitliche und innere Verbindung, die das große Chaos der einzelnen Thatsachen zu einer vollständigen harmonischen und lebensvollen Form gestaltet. Der Geschichtsschreiber bringt Ordnung und Zusammenhang in die Masse des Geschehenen. Das Substrat der Geschichte sind aber die einzelnen Geschehenisse, und es ist keine Universalgeschichte möglich ohne Spczialgeschichte. Universalgeschichte ist nur das Conglomcratdessen, was der Geschichtsforscher, der sich mehr mit demAuffindcn von Fakten als mit Pragmatik befaßt, ans den mehr oder minder zugänglichen, näher oder ferner liegenden Quellen mit Sachkenntniß und Verständnis, mit Genauigkeit und Wahrheitsliebe prüft, sammelt und wie die Ringe einer Kette mit einander verbindet! Der Geschichtsforscher richtet sein Augenmerk aus jedes mehr oder minder wichtige Ereigniß, das in der Geschichte der Individuen sowohl wie auch ganzer Völker für die Fortbildung — manchmal wohl auch für den Rückschritt der Menschheit von Bedeutung ist. Was nun die jüdische Geschichtsforschung betrifft, so verfügt sie nicht über so vielseitige Hilfsmittel, wie selbe den Geschichtsforschern anderer Nationen zweckentsprechend und fördernd zur Seite stehen. Volkssagen, Familientraditionen, Göttermythcn, Heldenlieder, Inschriften in Tempeln und auf Säulen, Trophäen, Gemmen, Gemälde und Statuen, Wappen und Insignien kurz und gut Epigra- Phik, Sphragistik und Heraldik sind uns in unserem spcciellen Falle nicht dienstbar; allenfalls werfen winzig kleine Parthien der Numismatik, der Genealogie, die Archäologie in fadenscheiniger Verbindung mit der Linguistik und der philologischen Kritik hin Und wieder schwache Streiflichter auf dieses in den engsten Kreisen beschränkte Gebiet. Nichts desto weniger gibt es für die jüdische Geschichtsforschung noch eine Hilfswissenschaft, die allen obenerwähnten fast den Vorrang abläust, und als eine Hauptquelle derselben bezeichnet werden kann: Es sind dieß: Urkunden mittelst derselben öffnet sich auch der jüdischen Geschichtsforschung ein weites Feld und eine unerschöpfliche Fundgrube h i st o r i s ch e r Schätze, die wohl mühsam, mit besonderem Fleiße und mit rastloser Ausdauer zu Tage gefördert werden müssen, die aber als die sichersten Zeugen den Stempel der Wahrheit als unumstößliches Beweismittel an sich tragen. — Auch über die Geschichte der Juden gibt es in Archiven und Bibliotheken eine Unmasse von Urkunden die noch der Veröffentlichung und Sichtung harren und die einst veröffentlicht und gesichtet in ihrer geordneten Zusammenstellung ein übersichtliches Bild der jüdischen Geschichte und der culturhistorischen Entwicklung des jüdischen Volksstammes zu gewähren im Stande sein werden! Jede einzelne Landes- Stadt- und Ortsgeschichte bietet dem jüdischen Geschichtsforscher Stoff zur jüdischen Specialgeschichte, die zusammengenommen und in causale und pragmatikalische Verbindung mit der allgemeinen Geschichte gebracht die vielversprechenden Keime für das herrliche große Saatfeld der jüdischen Gesammthistorie bilden. Dian muß sich nur die Mühe des Anfsuchens u. Sammelns nicht verdrießen lassen, man muß das Gefundene u. Vorhandene zu erhalten suchen; — und wahrlich cs ist ein genügendes Material gegeben, aus welchem wir die allmählige Entwicklung des Judenthums bis zur Gegenwart übersehen können! In Prag und in vielen anderen Städten gibt cs im Besitze sowohl jüdischer wie christlicher Personen u. Vereine Urkunden von Fürsten, von landesfürstlichen, von städtischen und von sonstigen obrigkeitlichen Behörden, von geistlichen Corporationen und von bürgerlichen Genossenschaften, an welche sich das Andenken ganzer Perioden und einzelner wichtiger Momente knüpft; im Archive des Prager städtischen

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