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Das Abendland · 1867-04-18 · 8 (18.4.1867) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
8 (18.4.1867)
Date
1867-04-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 8. Nrag den 18. April 1867 1Y. Jahrgang i i Central-Organ für alle Priinumerationsbetrag ganzw 3 fl., stallijahria 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus, fiir's Ausland ganzj. 2 Thlr. hallst. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: A. LhrMaNN. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines jeden Monats. Administration Geistgafle Nr. 908—1. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Passafest.— Zur jüdischen Schulfrage. — Memorabilien der Prager Judenschaft. — Correspondenzen: Wien, Leipzig.— Notizen: Prag, Kaldai, Ungarn, Lemberg, Leipzig, Frankfurt a. M., Hamburg, St. Gallen, Paris, Holland, London, Rußland, Petersburg, Neu-York, Jerusalem. — Ueber die Magie der Alten. — Inserate. Passafest. „Wenn nur schon der Peßach da wäre" konnte man diese Woche manchen Hausvater wehmuthsvoll ausrufen hören, dessen zarte Ehehälfte mit einem an Fanatismus gränzenden Eifer die Herkulesarbeit der Haussüubernng betrieb. Da wurde geputzt, gekehrt, gescheuert, gewaschen in allen Küchen und Zimmern, in allen Ecken und Winkeln, in Höhe und Tiefe, kurz wohin immer nur das scharfe Auge eines Weibes dringen kann, wußte sich auch die feine Hand den Weg zu bahnen. Da wird buchstäblich das ganze Haus umgekehrt, alle Möbeln und Geräthschaften müssen ihren gewohnten Platz verlassen, um einer strengen Untersuchung unterzogen zu werden, und selbst das Nagelfeste ist vor dieser Musterung nicht sicher— Der liebe Gott hat aus einem sechstägigen Chaos die Wcltordnung für die Ewigkeit hervorgehen lassen, die jüdische Hausfrau macht es umgekehrt, sie wirft mit einem Kehrbesen die Hausordnung des ganzen Jahres über den Hansen, um ein schreckliches Chaos zu schaffen, aus dem sich die neue Ordnung der Dinge für die 8 Tage des Peßach gestalten soll— In dieser Zeit des Aufräumens sind alle männlichen Rechte sistirt — Die Frau führt das Regiment mit nnumschränktcr absoluter Gewalt, der Mann hat nichts zu befehlen— Davon ist gar keine Rede— er hat nichts zu schalten und zu walten, er hat das Dispositionsrecht über seine eigene Person verwirkt, er ist förmlich unter Curatel gestellt— Er mag bitten, flehen, drohen, Protest cinlegen, cs nützt ihm Alles wenig— Das einzige Wort— „Der Peßach kömmt ins Land" macht alle seine Argumente zu Nichte— „Mein süßes Leben! sagte vor einigen Tagen der gelehrte Herr ü zu seiner sonst so gefügigen Gattin, ich habe die Bibel und den Talmud gründlich studirt, ich kenne die rituellen Vorschriften genau, obgleich ich ein Rabbiner der neuern Zeit bin, und ich kann dir die Versicherung geben, daß die Religion ein solches Treiben nicht vorschreibt, sie verlangt bloß, daß alles Gesäuerte, alles am Peßach zum Genüsse Verbotene ans dem Hause geräumt werde — „Das verstehen die Männer nicht" lautete die lakonische Antwort Und der Mann muß sich fügen; cs ist wahr, er hat dringende Beschäftigungen die keinen Aufschub erleiden, es ist wahr, er hat der frommen Gemeinde von der Kanzel herab daß historische Faktum des „Auszugs aus Egypten" das jedes Kind schon weiß, zum hundertsten Male in immer neuen Variationen und Tonarten vorzuspielen — was doch keine leichte Kunst ist— von diesem Allem bleibt das weiche Frauenhcrz ungerührt— Das Peßachmachen kennt weder Recht noch Gnade— In der That müssen die Frauen über diesen Punkt eigene religiöse Traditionen haben, welche alle Resormbestrebungen unserer Zeit ans dem weiblichen Herzen nicht herausbringen— Aber verzeihen darf inan cs doch den armen Männern, wenn sie zuweilen ihrem gepreßten Herzen Luft machen, und ihrer Ungeduld einen Ausdruck geben in den Worten „Wenn nur schon der Peßach da wäre"— In diesen Ausruf stimmt auch die jüdische Jugend, die dem Passafeste mit besonderer Sehnsucht cntgegensieht, und mit vollem Rechte, denn den Kindern gehört ein großer Anthcil an dem Feste, für die Kinder ist der Sederabend eigens in Szene gesetzt. Jene Leier, die diesen Festabend bloß ans Halevi's Oper „Die Jüdin" kennen, haben nur eine blasse Vorstellung von dieser häuslichen jüdischen Feier, denn cs fehlen dabei die Träger der Hauptrollen— die Kinder— Wlau muß dieses Fest aus der eigenen Erfahrung kennen, man muß die Erinnerungen seiner Jugend zu Hilfe rufen, um cs gehörig zu würdigen — Da ist der mit weißen Linnen bedeckte Tisch sorgfältig hergerichtet — In pyramidalförmiger Aufstellung trägt er die religiösen Ingredienzien deS Festes; die ungesäuerten Brodc, deren man am 1. und 2. Abende des Festes noch nicht satt geworden, die bittern Kräuter, welche die milde Praxis in Süßigkeiten zu verhüllen verstand, das Salzwasser, der große Knochen mit geringer Fleischvcrbrämung, der nur als meinento an den einstigen Opferkultus sigurirt. das hartgekochte Ei, als Symbol des Erdenwandels und Erdcnwechsels, welche Symbolisirung, nebenbei bemerkt, den astronomischen Kenntnissen der Juden zur großen Ehre gereicht, da sie schon vor Newton, Kepplcr und Kopernikus die ellyptische Bewegung der Planeten geahnt;n haben scheinen — In 'S.

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