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Das Abendland · 1867-03-07 · 5 (7.3.1867) · p. Seite 39

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
5 (7.3.1867)
Date
1867-03-07
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 Bemerkung. ^Jn Nr. 4. d. Bl. glaubt der H. Verfasser der interresanten Reccnsion über „Geschichteund Darstellung des jüdischen Cultus" von vr. Duschak, die Stelle in der Mischna n'jyn Kap. 4—1 emendiren zu müssen, und dadurch der angeführten, allerdings großen Schwierigkeit zu entgehen, wenn man statt p3P — 13P lesen würde. — Gestatten Sie mir H. Redacteur, die Bemerkung, daß man zu dieser eomdinirten Variante nicht schreiten müsse, um die Schwierigkeit ans dem Wege zu räumen. Das Wörtchen p3P steht nur bei der Stelle ^33 nixxr d'Spw m:3 pS und bezieht sich allerdings sowohl auf 3"', als auch ans 3X3 i"ts, wenn auch cm3X ft», den Frauen, am 3"' die weiße Tracht, die an mp '3X^>v erinnern soll, nicht gestatten will— da das Tragen eines weißen Gewandes, auch bei Männern am 3"', wenn auch aus andern Gründen, üblich war, während der Anstoß erregende Nachsatz niVim nixirr n'tevrnua nur auf 3X3 V'lj, Bezug zu haben scheint, für diese Conjectur glaube ich im jerusalemischen Talmud, eine Stütze gefunden zu haben, dort lautet der Passus, nicht D'Spit mJ3, sondern pS ^33 l'XüfV Erbprr '13, — der darauf folgende Satz, der n u r für 3X3 1"&3 Geltung haben soll, beginnt gleichlautend mit unserm Talmud o'bpr»' niJ3 sP — g Lorrespondeiyen. Prag. Bekanntlich wurde das aus den früher» Steuerresten herrührende Vermögen der böhmischen Judenschaftnach Allerhöchster Anordnung zwischen der Cultusgemeinde Prag und der böhmischen Landjudenschaft nach dem Populationsverhältnisse getheilt, so daß auf letztere eine Summe von ungefähr 200000 fl. entfällt, über deren Verwendung zu gemeinnützigen jüdischen Zwecken'die jüdische Landesrepräsentanz über ergangenen Auftrag der hohen k. k. Statthalterei Vorschläge unterzubreiten hat. Zu diesem Zwecke hielt die Landesrepräsentanz am 4. und 5. d. M. unter Vorsitz ihres Obmanns ihre Berathungen in dem jüdischen Landhause in der Geistgasse. Es gab ziemlich stürmische Debatten, bei denen sich verschiedene Ansichten, unter andern auch die Gründung eines Rabbincrseminars geltend machten. — Schließlich entschied sich die Majorität über Gründung eines Waisenhauses, in welchem jedoch der hebräische Unterricht eine besondere Pflege finden soll. Zur Ausarbeitung eines bezüglichen Statuts wurde ein Comite von 6 Mitgliedern bestehend aus den Herren: Obmann G. Taußig aus Budin, I. A. Popper aus Tereschau, Sigmund Hoffmann aus Pilsen, S. Trebitsch aus Dobruschka, D. Bloch aus Iungbunzlau und Franz Schnabel aus Neubidschow, gewählt. Ueber den Ort, wo das Waisenhaus zu errichten sei, wurde vorläufig noch nichts bestimmtes entschieden. Außer diesem Hauptpunkte des Programs kamen noch einzelne minder wichtige Gegenstände zur Verhandlung — für die Uebernahme der obenerwähnten Summe wurde ein Comite von 3 Mitgliedern ernannt. Dem Vereine zur Beschaffung von Freitischen für jüd: Studirende, den jüd. Spitälern in Karlsbad und Marienbad wurde ein Jahresbeitrag von je 100 fl. votirt. Endlich wurde eine Neuwahl des Obmanns und dessen Stellvertreters vorgenommen. Herr G. Taußig wurde neuerdings mit Einstimmigkeit zum Obmanne gewählt. Obmanns Stellvertreter wurde D. Bloch anstatt des frühern H. Ochs, welcher letztere seine Demission eingebracht hatte. Für Stipendien an Rabbinatskandidaten wurden jährlich 1600 fl. bestimmt. T. $eft. In der am 5 Feber d. I. abgehaltenen Plenarsitzung des israel. Wohlthätigkeitsvereines zu Pest, wurden auf Anregung des Hr. Präsidenten L. K. Posner mehrere ungarrsche Patrioten zu Ehrenmitgliedern dieses Vereins ernannt, unter anderem auch der productive Romanschriftsteller gegenwärtig Redacteur des oppositionellen „Hon" der in einem Dankschreiben folgendes erwiederte: Sr. Wohlgeb. Hr. Karl Posner Präsidenten des isr. Wohlthätigkeitsvereines Concordia. Pest am 20 Feber. Geehrter Compatriot! Mit Freuden empfing ich von Euer Wohlg. das Decret des Pest. Concordia Vereins, in welchem mir die Ernennung zum Ehrenmitgliede, dieses menschenfreundlichen Instituts, bekannt gegeben wird. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin jener meiner Ansichten Erwähnung zu thun, die auf die Motive meiner Ernennung Bezug haben. Daß ich bis jetzt jede günstige Gelegenheit wahrgenommen um für die bürgerliche Gleichstellung der mosaischen Glaubensgenossen in unserem Vaterlaude das Wort zu ergreifen, dazu hat mich nicht blos politische Liberalität, nicht blos politische Begeisterung der abstrackt philosophischen Theorie sondern vielmehr die reale Auffassung des Lebens angespornt ganz besonders vom ungarischen Standpunkte. Als Ungar, mußte ich tolerant fühlen für ein Volk das seine alten Institutionen durch anderhalb Jahrtausende, jeder Unterstützung der Macht beraubt blos durch seine Seelcukraft zu bewahren gewußt; für ein Volk dem die heimathlichen Gesetze heilig galten, sogar daun noch als es seine Heimath verloren und die Sitten seiner Vorfahren wie ein treues Vermächtnis übernahm, trotz der unseligen Leiden die es darob erdulden mußte. Als Ungar muß ich eine gewisse Identität finden im Leben jener Nation die ihres Vaterlandes beraubt besitzlos in die Welt hinausgestoßen ohne Rechte in der Gesellschaft mit eiserner Geduld mit regem Geiste und unermüdlichem Fleiße uns ein Beispiel gegeben wie ein Volk seine verlorene Existenz von Neuem beginnen, der Verzweiflung sich nie ergeben, nie auf andere sich verlassen soll als auf ihre eigene Kraft und auf den einzigen Gott. Als Ungar muß ich es als eine Errungenschaft betrachten, daß wir zahlreiche Vaterlandssöhne besitzen, die kraft ihrer vielseitigen Bildung, ihrer europäischen Civilisation ihrer großen geistigen Begabung, zu den Vertretern der Intelligenz Ungarns zählen und in Folge ihrer ausgedehnten Verbindungen für unsere internationalen Verhältnisse in der That unentbehrlich sind; und schließlich muß ich als Ungar die wärmsten Sympathien hegen für einen Volksstamm in unserem Vaterlaude der stärker als eine halbe Million in den Jahren unserer Verfassungskämpfe weder das Gewicht seiner Einwohnerzahl noch seinen geistigen Einfluß noch auch die Bedeutung seines Vermögens gegen die Ungar. Nation in die Wagschale gelegt;— der in den Jahren des Absolutismus seine Männer nicht ausgesandt um an den Versuchen zur Vernichtung Ungarns theil zu nehmen der in den Tagen des freien Worts nicht seine Stimme für die Zertrümmerung der ungarischen Verfassung erhob, vielmehr auf dem Boden der Publistik für deren Wiederherstellung mit uns gemeinschaftlich gekämpft und seine Interessen stets für identisch hielt mit denen des Vaterlandes, und nie etwas anderes gefordert als in Ungarn, ungarischer Bürger, sein zu können — Um zu diesem Wunsche Amen zu sagen genügt's Ungar zu sein, aber auch schon als Mitglied des Gesetz gebenden Körpers, muß mein unabänderlicher Grundsatz sein, daß unter den Bewohnern einer und derselben Heimath, zweierlei Gesetze nicht bestehen können. Ich habe die Ehre oc. Jokay Mor m. p. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Aus Anlaß des Ablebens der Frau Juditha Goldschmied hat deren Schwiegersohn, der Fabriksbesitzer Herr Josef Singer Mitglied des Vorstandes, der Cultus-

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