Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 4 (21.2.1867)
- Date
- 1867-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i- Ä>ma den 21. Heber 1867 lV<Zahr«ang \ i v Ccutrat- Organ für alle IJutekesse« IuöruthvMs. Pränumcrationsbctrag gauzj. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mitPostzusendung undZnstellung ins Haus, siir's Ausland gauzj. 2 Lhlr. halvj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümcr und verantwortlicher Redakteur: A. LhrMüNN. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines jeden Monats. Administration Geistgasse Nr. 908—I. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Salomon Munk. — Die rabbmische Ordination oder die Macht zu binden und zu lojen. — Die Juden im Herzogthnme Oesterreich zur Zeit der Minderjährigkeit des Herzogs Älbrecht V.— Biographische Skizzen. — Berichtigungen und Ergänzungen. — Correspondenzen: Skalska, Leipzig.— Notizen: Prag, Pest, Dresden, Frankfurt a. M., Berlin, Buhl, London, Casale, Constantinopel. — Buch sch au. —Feuilleton. Die Tante — Inserate. Salomon Munk. Mitglied des isr. Consistoriums, Prof, am College de France, Akademiker re. geb. 1805 zu Glogau, gest. am 6. Feber 1867 in Paris. Wieder haben sie einen großen Tobten aus der Mitte Israels begraben, wieder hat das Judenthum und seine Wissenschaft einen schweren unersetzlichen Verlust zu beklagen — Jmmitten seiner gelehrten Studien, immitten seiner unermüdlichen Berufsthätigkeit immittcn seines erfolgreichen Wirkens und Strebens für das Gemeinwohl wurde Salomon Munk vom Tode überrascht. Roch am Abende vorher hatte er eine wissenschaftliche Conrersation mit sein'.n innigsten und theuersten Freunde, einer zweiten Zierde unseres Volkes, mit Herrn Albert Cohn, der alles Edle und Gute liebt und fördert, weil sich darin seine eigene schöne Seele abspiegelt— Das Gespräch führte zufällig auf das bekannte Synagogenlied in der Liturgie des Versöhnungstages. „Wie der Thon in der Hand des Töpfers"— worin sich in verschiedenen einfachen Bildern der Gedanke wiederholt, daß das menschliche Leben eine Form sei, die der Bildner und Meister in jedem Augenblicke zerstören kann — Die beiden Freunde konnten nicht ahnen, daß auch bald der Faden eines so theucrn Lebens zur Trauer der gelehrten Welt und zum besondern Schmerze seiner Glaubensgenossen abgeschnitten werden sollte. Munk war einer der ersten Orientalisten unserer Zeit— Angeregt durch den hebräischen Unterricht, den er in der frühesten Jugend genoß, faßte er eine besondere Vorliebe für die orientalische Studien, die ihn 1823, nachdem er in Breslau und Berlin seine wissenschaftliche Vorbildung erreicht hatte, nach Paris zog, wo er unter den berühmtesten Gelehrten ihres Faches mit dem seltensten Fleiße und mit dem glänzendsten Erfolge, arabisch, persisch, Sanskrit und andere verwandten Sprachen des Morgenlandes studirte— Seine ersten literarischen Leistungen lenkten schon die allgemeine Aufmerksamkeit auf den vielbegabten jungen Mann, und die rasch auf einander folgenden gediegenen Arbeiten ließen bald den Meister erkennen, der der Wissenschaft zur Zierde, seinem neuen Vaterlande, das, frei von konfessionellen Bornrtheilen, ihn mit offenen Armen aufnahm, zur Ehre gereichen sollte. Seine Arbeiten im „Journal Asiatique“ Encyelopedie des gens du monde „Dictionaire des Sciences philosophiques“ sein „Palestine* u. a. m. sind bleibende Denkmäler seines scharfsinnigen, tiefblickenden Geistes und Muster eines Styls, in dem sich deutsche Gründlichkeit mit französischem Esprit paart — Frankreich ließ solche Verdienste um die Wissenschaft nicht nnbclohnt— 1840 wurde Munk Custos an der königlichen Bibliothek, eine Stelle, die er wegen seines Augenleidens wieder aufgeben mußte — 1858 erhielt er den Orden der Ehrenlegion und wurde auch in demselben Jahre in die Akademie ausgenommen— 1865 wurde er an Renans Stelle zum Professor der semitischen Sprachen am College de France ernannt. — Das galt der Mann in der Gelehrtenrepublik, uns war er noch mehr— Das Judenthum verehrt in ihm den verkörperten Sieg des Geistes über die finstere Macht religiöser Vorurtheile, über die düstere Roth einer gedrückten verkümmerten Stellung, über die karge Schätzung wissenschaftlicher Begabung in den deutschen Landen— Die jüdische Wissenschaft hat ihm Großes zu verdanken, er wir gleichsam ihr internationaler Vertreter, der geistige Vermittler zwischen den Verwandschaftsbeziehungen der orientalischen Idiome und der heimischen Literatur—©eine Notice sur Walid Merwan, Notice sur Saadia, seine französische Uedersetzung des Maimonidischen— „Führer der Verirrten" aus dem arabischen Originale und viele ähnliche Arbeiten haben ein Gebieth der jüdischen Geistesthätigkeit bloßgelegt, das früher durch das trübe Glas unkritischer Uebertragung und Stofsbcnützuug kaum nach seinen äußern Schattenseiten recht sichtbar war. Sein scharfer Blick hat in dem geheimnißvollen Philosophen Aviceberon den lieblichen didaktischen Sänger der „Königs-