Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1867-01-24 · 2 (24.1.1867) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
2 (24.1.1867)
Date
1867-01-24
Page
Seite 16 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9050333-9088986-9050899--0583-9050907
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

feine Miene verrieth weder Mißstimmung noch Ueberraschung, endlich cntgegncte er im ruhigen Tone: Es liegt nichts Unnatürliches darin, daß die Tante auch einem altern Manne die süßen Gefühle der Liebe eiuflößen könne, und ebenso finde ich Ihre Absicht wieder zu verehlichen, ganz natürlich und gerecht, und so ungerne wir eine so treue Seele wie die Tante ist, aus dem Hause verlieren, so wären weder ich noch meine Frau fähig das Glück eines Wesens zu stören, das uns so viele Beweise von Liebe und Treue geliefert — Meine Frau wird noch heute oder Morgen mit der Tante über den Gegenstand sprechen. Den ganzen Weg über wurde weiter kein Wort zwischen den Reisenden gewechselt. Der Kutscher hatte einen sehr verträglichen Magen, seine fuhrmänuische Geistesgegenwart hatte ihn keinen Augenblick verlassen, als ob er niemals in ein Bierglas geguckt hätte. Es ging ohne Störung im Trabe fort, und Frohmaun athmcte frisch auf, als er des heimathlichen Dorfes ansichtig wurde. Sie waren eben auf eine Anhöhe gelangt, von der es thalabwärts ins Dorf führte, als sie knapp an dem Wagen ein tief verhülltes Frauenzimmer stehen sahen, das mit aller Kraft gegen das Schneegestöber zu kämpfen schien— Frohmann erkannte sogleich die Tante— Still halten! rief er in Schrecken dem Kutscher zu, und im selben Augenblicke sich aus dem Wagen heranslehnend gegen die Tante gewendet: Ist etwas zu Hause vorgefallen?— Nichts, gar nichts, Gott sei Dank, erwicdcrte die Tante rasch und mit heiterem Lächeln, nur die Frau ist sehr besorgt, da habe ich mich unbemerkt auf den Weg gemacht, um ihr die Botschaft Ihrer Rückkunft schnell bringen zu können — Das wird wohl nicht angehcn, bemerkte Frohmann beruhigt — Wir sind früher zu Hause als Sie, setzen Sie sich auf den Wagen und fahren Sie mit uns, es ist ja ein furchtbares Wetter — Die Tante, sonst so gehorsam auf jeden Wink ihres Herrn, war dießmal nicht geneigt der Einladung zu folgen — Ein gewisses, ihr selbst nicht klares Gefühl ihrer Weiblichkeit sagte ihr, daß sie den Muth eines selbständigen Willens haben müsse. Ich danke, sprach sic sanft aber entschieden, ich fahre nicht, reisen Sie mit Gott, ich werde bald Nachkommen. Es war in später Nacht desselben Tages, an dem unsere Reisenden ihren kurzen aber beschwerlichen. Weg zurücklegten, als die Rebezin und die Tante allein bei Tische saßen mit weiblicher Handarbeit beschäftigt— Die Kinder waren längst zur Ruhe gebracht, auch Frohmann, von den Mühen des Tages erschöpft, hatte bereits sein Nachtlager gesucht — Die beiden Frauen sprachen eben von den Ereignissen des Tages, als die Rebezin wie folgt begann: Liebe Hindel! ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen, die Ihr ganzes Lebensglück berührt — Sic sind noch jung, noch schön, Ihre Tugenden verdienen das Glück einer selbstständigen Häuslichkeit— Ein solches Glück bietet sich Ihnen dar — Sie kennen den Doktor, er ist wohl alt, aber noch immer kräftig und rüstig, er ist gelehrt, reich, brav, ein Mann von Charakter. Er bietet Ihnen seine Hand, er hat um die Ihrige förmlich bei meinem Manne geworben. Sie könnten an seiner Seite ein zufriedenes glückliches Leben führen — Die Wirkung dieser Ansprache konnte der Rebezin kein Geheimniß bleiben. Die Taute wurde leichenblaß und starr wie eine Statue, kein Muskel ihres Gesichts bewegte sich. Rötel Frohmaun bereute cs fast, dem Aufträge ihres Mannes so schnell Folge gegeben zu haben. Die Tante konnte einige Minuten lange nicht sprechen, endlich nachdem ein heftiger Thränenstrom ihren Augen entfloß, gewann sie wieder die Kraft der Rede — Theuere Frau, sprach sie in wehmüthigcm Tone, sollte ich Ihnen etwa lästig geworden sein, so will ich morgen, so schwer es mir ankömmt mein Bündel schnüren, und ein Hans verlassen, in i dem ich mich so heimisch fühle— Gute, gute Tante! entgcgnete die Rebezin und eine Thräne glänzte bei diesen Worten in ihrem schönen Auge, wie können Sie auch nur so was denken — Es kostet uns ein schweres Opfer, Sie von uns zu lassen, wir lieben Sie so innig, doch unsere Liebe ist nicht eigennützig, Ihr Glück geht uns über Alles. Sie müssen mir nicht gleich eine entscheidende Antwort geben, überlegen Sie wohl, ob Sie dem Manne, der Sie so innig liebt, Ihre Hand reichen wollen. Meine Hand, entgegnete die Tante leise, während eine Gluthröthe ihr früher so blasses Antlitz bedeckte — ich habe keine Hand mehr zu vergeben, meine Hand ist nicht mehr frei, ich bin eine verheirathete Frau, ich bin vermählt! Zur gefälligen Beachtung. Wir ersuchen höflichst die Herren P. T. Abonenten, die noch aus dem verflossenem Jahre 1866 mit Pränumerationsgeldern im Rückstände sind, diese gefälligst franco cinsenden zu wollen. Die Administration des „Abendland." Im Verlage von D. Ehrmann in Prag,Geistgasse Nr o. 908 so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen des Inn- und Auslandes zu beziehen: mo «Lljrentod der Araven Rede, gehalten zur Seelengedächtnißfeier für die im jüngsten Kriege gefallenen Soldaten israelitischer Religion am 11. November 1866 in der Synagoge zu Horic von vr. Adolf Ehrentheil Rabbiner. Preis 25 kr. ö. W. Diese dem wegen seiner Erlebniße in der letzten Zeit berühmten Herrn Bürgermeister zu Trauteuau gewidmete Predigt verdient nach Form und Inhalt allgemeine Verbreitung. Briefkasten der Redaktion. Herr M. F. in B. Nr. 1 1866 nicht mehr zn haben. — Ihr Aufsatz nächstens. — Herr M. St. in P. I. F. in L. M. in P. ihre Arbeiten nächstens. - Herr Dr. K. in B. Ihren Brief erhalten. - Die Recens. aus Hamburg wäre vielleicht auszüglich zu benützen. Druck von Senders öc Brandris in Prag.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.