Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1867-01-10 · 1 (10.1.1867) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
1 (10.1.1867)
Date
1867-01-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9050333-9088986-9050884--0567-9050891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Interesse« öes In^e«th«ms. Pränumerationcbctrag ganzj. 3 fl-, vallrjahrig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und-Zustellung ins Haus, für's Ausland ganzj. 2 Thlr. halvj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: D. LhrMWN. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines jeden Monats. Administration Geistgasse Nr. 908—1. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Tic Juden in Polen— Memorabilien der Prager Jndeiischaft— Biographische Skizzen — Ueber die Wichtigkeit der Jahrzeit— Ucbe r Ordnung beim Vorrnfeu der Thorah. Corr espondenz en: Aus dem nördlichen Böhmen. Ostindien. — Notizen: Prag, Berlin, Paris. Rechlaud, Constantinopel, Jerusalem. — Feuilleton. Die Tante — Inserate. Die Juden in Polen. In einer Besprechung des neuen Buches von Boleslawita: Zyd (der Jude) ein Zeitbild im Magazin „für die Literatur des Auslandes" bemerkt der Recensent vr. Julian Goldschmidt: Wenn in irgend einem Lande Europas, so sind die Inden sicherlich in Polen durch Jahrhunderte lange Theilnahme an den Geschicken des Landes und mehr noch durch das koloßale numerische Verhältnis, in welchem sie zu der Gesummt- Bevölkerung stehen ein integrirender Theil desselben geworden. Aber um so trauriger ist die Erscheinung, daß der Jude in Polen nichts destoweniger zum größten Theil ein Fremdling geblieben ist. Nur der geringere Theil ist bisher nach Sprache und Bildung in dem polnischen Volke aufgegangen, und trotz allen, theils aus Klughcitstheils aus Hnmanitätsrückfichten hervorgehcnden Annäherungsversuchen von beiden Seiten ist zwischen den beiden Massen eine gähnende sociale Kluft geblieben, au deren Ausfüllung zu arbeiten voraussichtlich das Werk von Dccenien sein dürste. Jeder unpartheiische Beobachter der polnischen Zustände muß jedoch anerkennen, daß die Emancipation der Inden eines der ersten Losungsworte war, mit denen die polnische Bewegung der Jahre 1861 bis 1864 in's Leben trat. Wir können uns hierbei auf das Zeugniß eines Mannes berufen der dem polnisch nationalen Fanatismus so fern stand, als es eben nur einem deutschen Juden möglich war. Wenn aber einerseits die Schranken des Religions- und Racenhasscs mit einem Schlage von einer Instanz, welche die Nation damals noch als den wirklichen Mittelpunkt ihrer innersten Bestrebungen thatsächlich anerkannte, zerstört waren; so war die soziale Verschmelzung erst dadurch nur angebahnt. Ob sie bei einem glücklichen Ausgauge der Bewegung nicht endlich a^ch in'S Leben gesetzt worden wäre, wer möchte das wohl angesicht's des entgegengesetzten Schicksals, dem dasselbe anheimgesrllen ist, mit Sicherheit behaupten wollen? ThaL sache jedoch ist, daß die Niederlage Polens das Werk der Versöhnung mb Verschmelzung der jüdischen mit der christlichen Bevölkerung dieses Landes keineswegs gefördert hat. Um so mehr war es unter den gegenwärtigen Verhältnissen gebothen, daß von patriotischer Seite her für den Bestand eines in Zeit der Noch und der Drangsal abgeschloss.r n; Bündnisses ein laut redendes Zeugniß abgelegt werde, um so nothwendiger war es darzuthun, daß die enthusiastischen Verbrüderungsfeste, welche beim Beginn der Bewegung an allen Orten und Endendes Landes gefeiert wurden mehr gewesen sind als das Product edler Wallungen einer von schönen Gefühlen berauschten Menge oder, was schlimmer wäre, das Produkt einer lediglichen Zweckmäßigkeitspolitik, die nach dem berichtigten polnischen Sprichworte handelt: Lieciy bieda do to 2yda. „Wenn die Noch an den Mann geht— dann zum Juden"— Memorabilien der Prager Iudenschast von Leopold Wolf in Prag. Prag, das hundertthürmige, hat mit seinen zahlreichen Thürinen, die seine Zierde ausmachen, nicht nur ein eigenthümliches Wahrzeichen vor vielen anderen Städten voraus, sondern es sind auch diese Thürme, mit den sie tragenden Kirchen und Klöstern unzweifelhaft wichtige Denkmäler und erinnerungsreiche Stätten der vaterländischen Kirchen- und Profangeschichte. Wer überhaupt die Geschichte Böhmensund die Alterthümer der Hauptstadt Prag im Allgemeinen, so wie auch die Geschichte der Juden in Böhmen und in Prag in den Kreis seiner Studien zieht, wird die Geschichte der einzelnen Kirchen, ferner die Entwicklung der Anfänge einzelner Orden und Klöster, zu deren Erhaltung auch Juden seiner Zeit viel beisteuern mußten, als Beitrag zur Bereicherung seines Quellenmaterials wohl zu schätzen wissen. Nicht unbedeutend ist die Zahl solcher Objekte in Prag, die wenn auch den Zwecken eines anderen Religionsbekenntnisses gewidmet, doch in einem wesentlichen Connex mit den Schicksalen der Juden in Prag stehen und deshalb einer Besprechung vom jüdischen Standpunkte aus angezcigt erscheinen lassen. LEO BAECK INSTITUTE NEW YORK

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.