Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 22 (15.11.1866)
- Date
- 1866-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Yr. 22. 'Frag den 15.Uovember 1866. III. Jahrgang- Das Abendland. Crntral-Grga» für alle zeitgemäßen Interessen -es Iudenthnms. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: J). ^ZHrMaNN. Pränunierationsbetraq ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fi. 50 kr., vlertchahrlg 80 kr. «nt Poftzusendung »ild Zustellung ms Haus; für's Ausland qanzj. 2!hlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgaffe Nr. 008—1. — Inserate werden billigst berechnet. *]TI US Eine zeitgemäße Anregung vou Leopold Wolf in Prag. Unsere Zeit ist eine Sturm- und Drangperiode nach Vereinigung. Allenthalben auf politischem und socialem wie auch auf wissenschaftlichem Gebiethe findet sich das Streben die einzelnen zerstreuten Theile in eine gemeinschaftliche Verbindung zu bringen und mit vereinten Kräften einem bestimmten Ziele entgegen zu streben! Diese Zeilen wollen in ihrer Anspruchslosigkeit nichts anderes als ein Bahnbrecher für die Gründung eiiws Vereines zur Pflege der Wisse.irflyast ves Judellthums' in Prag und in Böhmen sein, und wollen als solche der Berücksichtigung derjenigen Kreise und Personen empfohlen sein, die dazu ihrer Stellung nach berufen sind, ein derartiges Unternehmen ins Leben zu rufen und zu fördern! D-Dundn 'ppmS 'ib. Das Bedürfnis sich in freier Mittheilung des aus den mannigfaltigen Gebicthen des Wissens angceigneten, und im lebendigen Ideenaustausche über das reiche Material, das bereits bearbeitet vorliegt, theils noch der Erforschung und des Studiums harrt, gegenseitig anzuregcn, und so das Emporblühen der Wissenschaft zu fördern, ist auch bei uns Juden ein seit langer Zeit in Vielen tief empfundenes! Wie alle Wissenschaften, so erweitern und vertiefen sich auch die Wissenschaften des Iudenthums unaufhörlich; das ehemals begrenzte Gcbieth des Tora - und Talmudstudiums hat sein Territorium ausgedehnt, es greift hinüber in die Linguistik, Grammatik, Exegese, Homiletik, Archäologie, Geschichtswissenschaft n. s. w. gründliche und tiefe Forschungen berühmter Gelehrten uuscrcr Nation sowohl als auch anderer Völker haben manche Schätze aus dem Schachte dieser Wissenschaften bereits zu Tage gefördert, D?n nnes* rvoan cn HtPJö die reichere und edlere Ausbeute harrt noch jener, die mit weiterer Ausdauer das begonnene Werk fortsctzcn wollen! vnrwin njrp |\s* *]M p« Es ist aber die Erforschung der Wissenschaft und selbst wenn es nur ein Zweig an dem Baume der allgemeinen Erkenntniß ist, nicht die Ausgabe einer einzelnen Persönlichkeit; der Einzelne ist beschränkt in seiner Zeit, in den ihm zu Gebothe stehenden Mitteln, in der Benützung der Hilfsquellen; er ist oft bis zur Ermüdung in Anspruch genommen um den Pflichten seines Berufes und in den physischen und geistigen Anstrengungen, die ihm derselbe in der mannigfaltigsten Art auferlegt; der Einzelne kann beim besten Willen und beim energlschesten Bestreben seine Zeit fruchtbringend zu benützen bei aller Empfänglichkeit für das Höhere und Ideale im Menschm doch kaum in seiner Berufswissenschaft einigermaßen dem raschen Enttvicklungsgange derselben folgen, und muß Vieles an sich vorübereilen sehen, das an Forschungen anderer Gleichgesinnter der Ocffentlichkeit übergeben wurde, was epochemachend, geistig anregend und fördernd auftritt und was er auch gern zu seiner eigenen geistigen Erquickung und j zur Kräftigung seines Wissens benützen möchte. Die Menge dieser neuen Erscheinungen in der Literatur sind aber so zahlreich, daß es um so schwieriger erscheint, in der herrlichen Einlöse die rings um den Einzelnen der Fleiß und die Mühe der vielen Forscher auf den verschiedenen Gebiethen gemacht, auch etwas für sich einzuheimsen und von den süßen Früchten eine wenn auch nur geringe so doch erquickende Auswahl zu treffen. Sollte es da nicht angezeigt und zweckdienlich sein, daß Mehrere sich zu gegenseitiger Belehrung und Verständigung L M'ammenfinden könnten, um im geistigen Verkehr Emes-er \ Mehrere Stunden sich wechselseitig zuMiömen, bie sonst vielleicht in der Dereinzelnung oder in einer eben durch den Zufall zusammengewürfelten Gesellschaft und in einer alltäglichen Unterhaltung ohne bleibenden Gewinn spur- und fruchtlos dahin gegangen waren! Wäre cs nicht wenigstens eines Versuches werth eine freiere Vereinigung zu bilden und zu begründen, die ohne Ostentation und ohne inhaltsloses Formelwesen, darin ihre Aufgabe suchen würde, durch Vorträge aus den verschiedenen Fächern des Wissens und deren Veröffentlichung und durch an diese sich anknüpfende Besprechungen den Theilnehmenden fruchtbare Unterhaltung und erwünschte Erholung zu biethen? Und wahrlich es dürften sich Themata in Hülle und Fülle von selbst ergeben. Die Menge des Mittheilbaren ist ja unendlich; von allen Seiten drängt sich der anziehendste Stoff heran; wenn die jüdischen Koryphäen unserer Stadt und unseres Landes nur ihr Schärflein mit beitragen wollten zur Gründung und Förderung eines solchen Unternehmens, so würde bei der Vielseitigkeit des in ihnen vertretenen Wissens die Mannigfaltigkeit der zu erörternden Gegenstände sich von selbst einstnden. Hier wäre der neutrale Boden gefunden, wo in der Liebe zum Judenthum und in der Pflege seiner Wissenschaft Alles vereint viribus uultis den schönen Spruch der heil. Schrift zur Wahrheit machen könnte D'jra nm ma ne mir dj D'rw!*) *) Wir haben bereits im vorigen Jahre in diesen Blättern der Gründung eines Vereines zur Erforschung der Geschichte der Juden in Böhmen einen Artikel gewidmet. Unsere Anregung blieb jedoch ohne praktischenErfolg,weil eben bei wissenschaftlichen Vereinen nicht jeder sich berufen fühlt die Initiative zu ergreifen, und jenen, die der Sache förderlich sein könnten, zumeist die Energie oder der Eifer fehlt, um sich