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Das Abendland · 1866-11-01 · 21 (1.11.1866) · p. Seite 165

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
21 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 Vereins Herr Lebenhcim für die Schule einen Schreiblehrer ausgenommen, und in dem Schullokale Bänke eingerichtet. Auch diese Reformen erregten ein Zetergeschrei im Chasfidäischen Lager und die Finsterlinge wußten cs dahin zu bringen, daß der Schreiblehrer weggeschickt und die Bänke entfernt werden mußten. München. Durch Entschließung des Justizministeriums vom 9. d. M. wurden die Einreihuugsbezirke für die Festungen des Königreichs, welche zur Aufnahme derjenigen vor den bürgerlichen Strafgerichten verurtheilten Personen bestimmt sind, welche die ihnen zuerkannten Zuchthaus- oder Gefängnißstrafen in einer Festung zu erstehen haben, in der Weise festgesetzt, daß die in sämmtlichen Regierungsbezirken verurtheilten männlichen und weiblichen Personen israelitischen Glaubensbekenntnisses in der Festung Marienberg (Würzburg) ihre Strafen zu erstehen haben. — (Israelit) Preußen. Das an den Rabbiner der Gemeinde von Rakel von Seiten der Behörde erlassene Verbot des Anlegens des Ornats steht nun nicht mehr vereinzclnt da; auch an den Rabbiner der Gemeinde zu Filehne ist Seitens des königl. Landraths von Doung die Verfügung ergangen, den mit der Amtstracht de? evangelischen Geistlichen übereinstimmenden Ornat nicht mehr anzulegen, und sind bei Zuwiderhandlung die Gensdarmen zur sofortigen Verhaftung des Rabbiners angewiesen worden. — Der Vorstand hat sowohl gegen diese Verfügung selbst als auch gegen den Ton derselben bei der königl. Negierung zu Brombero remonstrirt. Berlin. In den jüdischen Gemeinden cirkulirt eine von Rabbiner Dr. Ludwig Philipsohn in Bonn verfaßte Adresse an das Abgeordnetenhaus. Dasselbe wolle auf die endliche Verwirklichung der Artikel 4 und 12 der Verfassung dringen, um die der Verfassung widersprechenden Bestimmungen des Gesetzes vom 27. Juli 1847, die Preußen israelitischer Confession betreffend als rechtsungültig zu erklären— Eine ähnliche Petition soll auch an das Staatsministerium ergehen und seiner Zeit auch für das norddeutsche Parlament vorbereitet werden. Genf. Herr Hiob Lattes aus Cuneo, ein Jsraelite, der erst seit 6 Monaten eine hiesige Uhrmacherschule besucht, erhielt den ersten Preis, bestehend in einer silbernen Medaille in welcher sein Name ausgeprägt war. Bei dieser Preisvertheilung waren die Stadträthe, die Professoren verschiedener Eollegicn und andere angesehene Persönlichkeiten zugegen. Paris. Dem israelit. Jahrbuche von Blum entnehmen wir über die Eultusverhältnisse Frankreichs folgende Daten: In ganz Frankreich leben ungefähr 100000 Israeliten, in Paris beläuft sich deren Anzahl auf 30000 Seelen — Die geistliche Leitung führt das Centralkonsistorium, das seinen Sitz in Paris hat—Unter ihm stehen 9 Consistoricn in folgenden Städten: Paris, Straßburg, Nancy, Bayonne, Bordeaux, Metz, Colmar, Lyon, Marseille — Jedes Consistorium hat einen Großrabbiuen, dem die eigentlichen religiösen Angelegenheiten obliegen. Am Centralkonsistorium fungirt der Großrabbiner von Frankreich — Dieser letzte Posten ist gegenwärtig vakant, und man sieht mit Spannung der bald stattfindenden Wahl entgegen — In Paris sind 3 große Synagogen, eine für den deutschen, eine andere für den spanischen Ritus, in der dritten neuerbauten ist eine Fusion beider Riten vorgenommcu worden — An der Spitze des Wohlthätigkeitscomites steht der bekannte Humanist 1)r. Albert Cohn als Präsident — Am Centralconsistorium präsidirt Oberst Eerfberr, Vicepräsident ist Prof. Frank vom Institut — In Paris sind gegen 40 wohlthätige Vereine, die wichtigsten darunter sind: eine Armenspeiseanstalt, wo jeder Arme für 10 Centimes ein nähr- und schmackhaftes Mittagsmal erhalten kann, ein Verein zur Unterstützung und Ausstattung armer Mädchen, dessen Präsidentin die Baronin Rothschild ist, ein Verein zur Unterstützung armer Handwerker und Handwerkslehrlinge — Aus der Bischofsheimschen Stiftung, die jährlich gegen 8000 Franks abwirft, werden arme Studirende unterstützt, ein Talmudtorahverein, wo der Rabbiner Weißkopf täglich zweimal Unterricht ertheilt. Ueberdieß hat Paris 2 Armenschulen für Knaben, zwei andere für Mädchen, eine Waisenhausschule und eine Talmudtorahschule — * Bon einem anerkannt tüchtigen Nationalökonomen. Herrn Paul Boiteau, ist unlängst ein zweibändiges Werk über das staatliche Vermögen und die Finanzen Frankreichs erschienen, das auch auswärts bekannt zu werden verdient. Nach demselben erhalten die 126 Rabbiner und Prediger des israelitischen Cultus in Frankreich zusammen 146700 Franks jährliche Besoldung vom Staat. * Frau Regina Rouget starb mit Hinterlassung eines Vermögens von 117000 Frcs. Da keine Erben sind, die dieses Vermögen beanspruchen, hat die Regierung das isr. Consistorium als Universalerben ihres Vermögens erklärt. (Iln. Isr.) Dover. Die hiesige Jfraelitengemeinde hat eine Synagoge erbaut, zu welcher ihr von der Regierurg der Bauplatz geschenkt wurde. Sie wurde vom Oberrabbiner zu London Herrn Di\ Adler eiugeweiht. Sir Moses Montefiore weihete ihr, außer einem Geschenke von 100 Pfund Sterling eine kostbare Thorarolle. Jur Charakteristik biblischer Personen. 6. Moses Abschiedsstunde. Die heilige Schrift führt uns aus dem Leben des größten der Propheten, des erhabenen Gottesmannes Moses einen Charakterzug vor, der uns zur Bewunderung hinreißt, der nns mit Staunen erfüllt, der uns zeigt, zu welcher Höhe der Tugend, der Gottesfurcht der Demuth und der Selbstverleugnung der Mensch gelangen kann, wenn sein Herz von Liebe erfüllt ist, wenn die Wahrheit sein Inneres durchdringt, wenn er seinen Gott im Herzen trägt. Hätte uns die heilige Schrift aus dem großen glanzumstrahlten Bilde nur diesen einzigen Pinselstrich verewigt, hätte sie uns nur aus dem erhebenden Charaktergemälde diesen einzigen Zug aufbewahrt, wir wüßten genug, um einzuschen, daß wir es mit einer selbst für die Auserwählten der Menschheit unerreichbaren Seelengröße zn thun haben, daß hier ein Mann vor uns steht Sk D'JB "r ijrr wx „welcher der Gottheit ins Antlitz schanete." Das ist nicht das Walten eims sterblichen Erdcnsohnes, in solchem Sonnenglanze zeigt sich nicht der gewöhnliche hinfällige Staubgeborne, zu solcher Himmelshöhe schwingt sich nicht ein irdisches Gebilde. Es ist da ein höheres Wesen, das sich nns vorMt, es ist das Menschthum in seiner geistigen Verklärung, cs ist der Himmel auf die Erde verpflanzt. Hören wir diesen Charakterzug. Der Gottesmaun wird daran erinnert, daß seine Sterbestunde nahe sei, er sott den Schauplatz seines Ruhmes seines Wirkens verkästen, er soll verlassen das Volk, mit dem er so viel ausgestanden, dessen Undank er so oft erfahren, das ihn so oft geschmäht und gekränkt, das ihn so oft verkannt und verleugnet, dem er aber doch mit unverwüstlicher Liebe anhing, ja das er gerade darum zu liebe» schien, weil er es mit so viel Sorgen und Qualen führte durch die dornenvolle Bahn, weil er es zurückbrachte, so oft von den Abwegen und Irrwegen, weil er es so oft schützte vor Klippen und Abgründen, weil er es trug durch die Wüsteneien des Lebens "itPKS j?:vn n« |öixrj kb» „wie der Wärter den Säugling trägt." Endlich war das Ziel erreicht, endlich stand er an des Jordans Ufer, an der Gränze des verheißenen Landes, der treue Hirt, der seine Flügel ausbreitete über die armen Schäfchen, um sie vor Sturm und Wetter zu schützen, hatte endlich ein Obdach für sie gefunden. Jetzt wird es einmal bester werden.

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