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Das Abendland · 1866-11-01 · 21 (1.11.1866) · p. Seite 163

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
21 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 -az ymand (jemand) beschuldiget wurde an den Dingen oder an dcheinen (keinen) der Dinge, der mag sich entschuldigen sclbdrit mit seinem cidc mit zwcn bidcrbcn (biederen) mannen der iczlicher (jeglicher) gesezzen sei ze hundert schocken. Vnd ist daz, da; er sich also nicht entschuldigen mag, so sol er geben z hcn schok der vorgenanlen Pfenninge ze bn;e. Wirt aber einer beschuldiget snlchcr dinge zc dem andern mal, und mag er sich nicht entschuldigen selb dritte, als vorecschribcn ist, so sol er zweinzig schok pfcningc geben ze bnzc. Ware aber das, daz er zc dem dritten mal an dcheincn der dinge von den scheppfcn (Schössen) oder von der grozzcrn mcinge (Nlajorität) der scheppfcn bccigen (gezeihct) wurden, so sol sich alles sin gut vcrvallcn ze bnzc also, dem kunige de; gutes ein dritte teil, der stat der andere dritte teil, seiner hansvrawen (Frau) vnd seinen kindern daz dritte dritte teil; darzv shol er di stat ravmcn ewiclichen (räumen auf ewig). 206. Verbrechen unter Inden und Christen. Ob ein jnd ein vntat (Unthat) tut oder ob sie an im geschit. Slecht (Schlagt) ein jndc oder tut an cimc (einen) tristen man ein vngcrichte (Unrecht), do er mit begriffen mirt, man richtet tibir in als nbir ein tristen man. Sllcht aber ein cristen einen jnden, man rieht nbir in noch des kongcs vride (Königsfricd.'n), den er an im gesprochen hat oder lut er ein ungerichte an im. 8er Geist der lalniudischcn Dislmlsiorr von Dr. KleIst II. Unsere beiden Freunde, X und A, deren wir in unserem vorigen Artikel gedachten, sind zwei treffliche junge Gelehrte, die jeder gebildeten Gesellschaft zur Zierde gereichen, sic verbinden mit einem reichen Wissen das ansrichtige Streben nach Wahrheit, beide sind fern von Rechthaberei, von der Sucht zu glänzen, von jeder Eitelkeit, was sie behaupten und was sie vcrtheidigen, ist ihre innerste Ucberzeugung, das Resustat ihres reiflichen Nachdenkens über den Gegenstand der Besprechung; am wenigsten kann man von ihnen behaupten, daß der Widerspruchsgeist und die Neigung zum Disputiren ihren wissenschaftlichen Conversationen das lieben geben, und wenn sie einmal, ermüdet von dem heißen Kampfe der Ideen und Ansichten, die Waffen gestreckt haben, löst sich Alles wieder in Harmonie und Freundschaft auf, sie bleiben was sie waren, die besten und trenesten Freunde. Bei all' dem sind sie von ganz verschiedener Natur, von ganz verschiedenem Temperamente. Herr L ist airch mitten des größten KriegsfenerS die pure Gntmüthigkeit, er trägt ruhig und bescheiden seine Ansicht vor, er schreit nicht,, poltert nicht, er berichtigt widerlegt,überzeugt soweit cs geht, und wenn der Gegner durchaus nicht Raison annehmen will, dann bricht er das Gespräch ab, eingedenk der salomonischen Lehre. „Antworte dem Thoren nicht in seiner Thorheit. Herr A dagegen ist hitzigen Geblüts, ihm reißt bald die Geduld, und fein Opvnent kann sicher sein, nicht ohne einige Verwundungen seines Ehrgefühls aus der Schlacht der' Geister zurückzukehren. Unlängst hatten wir in einer Gesellschaft Gelegenheit die beiden rüstigen Kämpfer zu bewundern, und da wurde uns der Geist der talmndischen Dißknssion recht klar. Die vielen Lehrer und Gelehrte, die in diesem foliantenreichen Werke figurircn, hatten mindestens zum größten Th.il den besten Eifer zur Förderung der Wahrheit, allein die cigcnthümliche Methode, sie zu suchen, die eigentliche talmndische Casuistik, hatte ihren Ursprung in den dnrch die politischen Verhältnisse bedingten religiösen Zustände der Zeit. An dem Jahrhunderte, welches der Vernichtung der jüdischen Nationalität durch die Römer voranging, hatten die blutigen Kämpfe mit dem äußern Feind und jene oft nicht minder blutigen der Partheien im Innern den größten Theil der religiösen Wissenschaft außer Praxis gesetzt, es fehlte der positive Boden, und cs musste der subjektiven Auffassung ein zn großer Spielraum gewährt werden. Diese Subjektivität spiegelt sich dann auch getreulich in der talmndischen Dißkussion ab; sie nahm ungefähr 100 Jahre vor Zerstörung d.s Tempels mit den beiden Antagonisten Hillel und Schamni ihren Anfang, und pflanzte sich dnrch mehrere Jahrhunderte bis zum Abschlüsse des Talmud mit potenzirter Gewalt fort. Es ist daher ans diesen Verhältnissen leicht zu folgern, daß der Geist der talmndischen Diskussion kein einheitlicher sein könne, sondern durch den Charakter, das Temperament, die Lebensstellung, kurz durch den ganzen psychologischen Stand der beth iligten Persönlichkeiten bald diese und bald jene Richtung ann hmen müsse. Dass das Beispiel hervorragender Lehrer auch in der formellen Behandlung der talmndischen Wissenschaft Nachahmung fand, die sich milder Zeit zur Methode kristallisiere, wird keinen Kenner der menschlichen Natur in Erstaunen versetzen Ja diesem Sinne gab cs verschiedene talmudische Schulen, die durch die Subjektivität ihrer Trüg r gekennzeichnet waren. Der sprichwörtlich gewordenen Geduld llnd Sanftmuth Hillels stand die maßlose Heftigkeit Schamai's gegenüber, und ihre Nachfolger ließen ebenfalls bei Vertretung ihrer Ansichten die subjektive Gemüthsbeschafscnheit nicht verkennen. Rabbi Juda wollte nach dem Tode R. Mcirs dessen Schüler nicht in sein Lchrhans zulasten, weil sie bloß kämen, um zn widersprechen und zn streite», und es gab häufig wissenschaftliche Disputationen, d'e in Persönlichkeiten ansartcten. Einzelne Ausdrücke, die br derartigen Conversationen vorkamen, sind oft so aufrich-! ti; und ungeschminkt, daß sie in unserer Zeit leicht zn einem D lett oder Injnrienprocesse Anlaß geben könnten. Wir wollen einzelne derselben dem Leser varsniren. „Er spricht, als ob er kein Gehirn im Schädel hätte." Er musste das im Schlafe gesprochen haben." „Der dir diese Frage stellte achtete wenig auf sein Mehl" (er sprach unbedacht, ohne Uebcrlegung) — „Ihr gebet nffr Dornen zwischen die Augen" (ihr seid mir unausstehlich) — „Gott beschütze uns vor einer solchen Ansicht" — „Laß' den Böscwicht fressen, wenn er sterben will" — (Laß' ihn bei seiner Dummheit)— „Du hast dich in tiefe Gewässer getaucht und Scherben heransgebrach^" — (All' dein Geschwätz führt zu k inem Resultate)— „Dn mußt erst einen Cur (Maaß) Salz darüber verzehrt haben"— (Dn verstehst nich s von der Sache) „Ihr spucket alle denselben Sp ichel ans" (ihr sprechet alle denselben U isinn) — Wir könnten noch manchen ähnliche Liebenswürdigkeiten ans dem wissenschaftlichen Verkehre der Talmndlehrer vorführen. Allein alle diese einzelnen Ansschreit ingen — wenn man sie so nennen kann — sind verschwindend klein, gegen den Geist der Denrath, Bescheidenheit und Pietät, der in der talmndischen Diskussion waltet, und wenn in unserer Zeit der Jünger der jüdischen Wissenschaft nach Mustern sucht, um im mündlichen Jdeenanstansch wie im literarischen Verkehr, der Urbanität, der milden Begegnun z, der Beobachtung des äußern Anstands Geltung zn verschaffen, so hat er nicht nöchig, sich nach außen nmzilsehen, er findet sie zahlreich in der alten hämischen Literatur — Was in später» Zeiten das anmaßende Bacherthnm und die Unmanierlichkeiten und Unarten mancher gelehrten Rabb'iien ve sündigt haben, was sie beigetragen haben, die specifisch jüdische Gelehrsamkeit bei den Gebildeten in Mißkredit zn bringen, daran trägt am wenigsten der Geist der talmndischen Diskussion die Schuld — Corresponden). Prag. Unter den vielen Personen, welche dnrch die Gnade Sr. Majestät unseres allergnädigst n Kaisers und H"' n, wegen der bei der preußischen Occupatio» in ’ Böhmen bewiesenen patriotischen Haltung und der.eifrjgen den 21*

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