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Das Abendland · 1866-11-01 · 21 (1.11.1866) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
21 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nrag den 1. Wovemöer 1866. 1H. Jahrgang. Nr. 21. Das Abendland. Central-Organ für alle zeitgemSßen Interesse» des Zu-enthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: A. LhrmaNN. Prännmerationsbetraq ganzjährig 3 fl., halbjähng 1 fl. a0 kr., mertchahrig 80 kr. mit Postzusendnng «nd Znstellnng m S -aus; sür's Ausland qanzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. >5 Gr. — Erlchciut am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgasse Nr. 808—l. — Jnierate werden billigst berechnet. Die Kreisrabbinate in Löhmen. ■>. t Das Institut der Kreisrabbinate in Böhmen hat nicht viel mehr als ein- Jahrhunderi hinter sich. Wie in frühem > Jahrhunderten die hierarchische Gliederung bei der Seelsorge der böhmischen Jndenschaft beschaffen war, ist ebenso unbekannt, wie die Populationsvcrhältnisse aus jener Periode überhaupt. Mehrere Rabbinen Prags wurden wohl Lai drabbinen genannt, ob jedoch dieser Bezeichnung einer wirklichen of-' fiziellen Stellung entsprach oder bloß als ein Ehrentitel zu belrach-. ten sei, lässt sich nicht fcststellen. Die Gemeinden in der Provinz wurden durck die Verfolgungen des Mittelalters bedeutend dezimict, so daß man in spätern Jahrhunderten nur wenige bedeutende Gemeinden auf dem Lande kennt. Die in kleinen Gruppen zerstreuten Israeliten sorgten für ihre religiösen Bedürfnisse wie sie eben konnten, was bei dem damals allgemein verbreiteten talmudiscken Wissen keine große Schwierigkeiten both, und bei wichtigen religiösen Fragen, deren Entscheidung nicht auf den Moment drängte, wandte man sich an berühmte Autoritäten, ob sie nun in der Nähe oder in der Ferne ihren Wohnsitz hatten. Das Wort der Belehrung und Erbauung von der Kanzel wurde selbst in großen Gemeinden nur zweimal des Jahres vernommen, in den kleinen Gemeinden fand man es ganz entbehrlich. In Mittlern Gemeinden vereinigte ein sogenannter Nore Zedek alle Funktionen in seiner Person, er war Schächter, Vorbeter, Vorleser aus der Torah, entschied religiöse Anfragen, und war nebstbei Jugendlehrer. Als man nun aus diesen ungeordneten Zuständen herauskommen wollte, und zur Reglung der religiösen Verhältnisse der Juden auch von Seiten der Regierung schritt, wurde mit Berücksichtigung der faktischen Lage, die eine Eentralisation verlangte, das Kreisrabbinat geschaffen. Da einmal die Bildung größerer Bezirke den praktischen Bedürfnissen genügte, so hielt man sich um so lieber an die politische Eintheilung des Landes, als dadurch zugleich ein Vermittlungsorgan für die landesfürstlichen Behörden geschaffen wurde, doch war die letzte Rücksicht ursprünglich nicht der Hauptzweck bei Gründung des Kreisrabbinats, dessen amtliche Thätigkeit sich erst später entwickelte. In der That wählte man auch zu diesen geistlichen Aemtern nur talmudische Eapacitäten, und kümmerte sich wenig um die anderweitige Bildung, die doch im Eontacte mit den Behörden nothwendig gewesen wäre. Es gab Kreisrabbiner, die nur mit Roth ihren Namen in deutscher Schrift unterzeichnen konnten. — Auch von einer Ueber- und Unterordnung zwischen Kreis- und Lokalrabbinen war ursprünglich keine Spur. Die Lokalrabbinen in größern Gemeinden waren zugleich Kreisrabbiner, und außer ihnen gab es keine ngentlichen Rabbiner. In der Neuzeit haben die äußere Stellung und innere Verwaltung der Gemeinden im Geiste des Fortschritts eine Wandlung erlitten, die der Wirksamkeit der Kreisrabbinen gewissermaßen den Boden entzog. Eultus und Unterricht bedürfen mehr der unmittelbaren Leitung und Führung als der Aufsicht und Ueberwachung. Die vielen neugeschaffenen Lokalrabbinate entsprechen den drängenden Bedürfnissen der Gemeinden, die nun mit den Kreisrabbinern weniger in Berührung kommen, so daß die letztern mehr die Gemeinden aufsuchen als von ihnen ausgesucht werden. Die günstige Wendung, welche die Legislatur in Bezug auf die Juden nahm, hat auch die amtliche Thätigkeit der Kreisrabbinen auf ein unansehnliches Minimum reducirt. So kam es daß das Kreisrabbinat ohne sein Verschulden an Bedeutung .und Gelang verlor, und cs lag gewiß nicht in den Personen, cs auch seine Beliebtheit eingcbüßt hatte Sowohl bei den Berathungen der von der hohen Statthalterei im Jahre 1850 einberusenen jüdischen Notabcln zum Entwürfe einer EultuSordnung, bei denen mehrere Kreisrabbiner als Mitglieder anwesend waren, als bei der über Anregung der Prager Eultusgcmeinde - Repräsentanz im Jahre 1860 zu gleichem Zwecke stattgefundcnen Versammlung jüd: Notabeln Böhmens in der Hauptstadt des Landes, bei der kein einziger Krcisrabbiner anwesend war, sprach sich die Majorität entschieden gegen das Kreisrabbinat aus. Eine gehörige Lösung dieser Frage lässt sich kaum getrennt von einer allgemeinen Eultusordnung vornehmen, und das mag auch die Ursache sein, daß von Seiten der Regierung noch in dieser Angelegenheit keine Entscheidung erflossen ist. Es muß erst fcstgcstellt werden, welche praktische Bedeutung man den in den obenerwähnten Berathungen so oft vorgekommenen Schlag- Wörtern: Autonomie, Hierarchie, Eentralisation etc. geben wolle, um das eine oder andere System zur Verwirklichung zu bringen. Sollte einmal eine Eonsistorialverfassung, wie sic in Frankreich cingcführt ist, für unser Vaterland beliebt werden, so würde die Miteinbeziehung der Kreisrabbinate in die neue Organisation jedenfalls einen historischen Anspruch für sich haben. Vorderhand hat das Kreisrabbinat seinen gesetzlichen Bestand, und es ist kaum die Wiederbesetzung der in der letzten Zeit vakant gewordenen Kreisrabbinerstellen des berauner und piseker Kreises zu bezweifeln, obgleich, wie unS berichtet wurde, die meisten Gemeinden des letztgenannten Kreises sich gegen die Neubesetzung ausgesprochen haben sollen. Daß es, trotz der armseligen Dotirung dieser Stellen an Bewerbern nicht fehlen werde, ist bei dem Mißverhältniffe zwischen Stcllcsuchcnden und Stellevergebenden, das sich in unserer Zeit in allen Branchen kundgibt, und bei Besetzung rabbinischer Posten in Oestreich, wo man sogar mit ungerechtfertigter Vorliebe einheimische tüchtige Kräfte ausländischen Mittelmäßigkeiten nachsetzt, um so greller hervortritt, durchaus nicht befremdend. Es wäre nur zu wünschen, daß man bei der Mahl sich nicht von lokalen Rücksichten leiten ließe, und tüchtige, durch Wissen, Charakter und Thatkraft hervorragende Männer wählen würde, die dann auch bei

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