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Das Abendland · 1866-09-06 · 17 (6.9.1866) · p. Seite 136

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
17 (6.9.1866)
Date
1866-09-06
Page
Seite 136 (sequence 8)
Language
German
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136 200 kurze kritische Glossen des Dunasch den Labrat, der um die Mitte des 10. Jahrhunderts in Fez lebte, zu den gramatischen und exegetischen Schriften des berühmten Saadia, welche Schriften uns nur in Bruchstücken, und größtentheils durch Anführungen bei Aden Esre und einigen spätern Gelehrten erhalten geblieben. Wir lernen in dem Verfasser einen gediegenen kritischen Sprachforscher kennen, der in den gramatikalischen Studien seiner Zeit einen günstigen Umschwung herbeiführte. — Wie seine wenigen jetzt bekannt gewordenen Schriften ausschließlich kritischen Inhalts sind, so ist auch seine Methode eine kritische streng wissenschaftliche. In seinenAusstellungcn kennt er keine Schonung gegen Saadia, und man muß gestehen, daß auch in den meisten Fällen das Recht auf seiner Seite ist; er deckt nicht bloß die Irrthümer des Gaon rücksichtslos auf, sondern geißelt auch dessen Methode überhaupt mit bitterer Ironie, der er namentlich in den die meisten Glossen begleitenden Schlußreime einen witzigen nicht immer sanften Ausdruck gibt. — Das Schriftchen ist aber auch für die Charakterisirung des Saadia, dessen exegetische Richtung wir hier näher kennen lernen, von Jnterresse, und Bedeutung. Was uns da von dem Gaon und seinem Recensenten geboten wird, findet sich in den verschiedenen Phasen der Bibelexegese unserer Zeit als Entwicklungsstoff, als erste wissenschaftliche Aussaat. — Saadia war der geniale, scharfsinnige Exeget, der es mit einem Buchstaben, noch weniger mit einem Punkte so genau nahm, der sich an die Regel nicht bindet, und wenn er gleichsam dm Sinn des Textes divinatorisch getroffen zu haben glaubt, ist er um die linguistischen Behelfe nicht verlegener sucht sie, wo sie eben zu finden sind. Mit vollem Bewußtsein und voller Intention der Wissenschaftlichkeit kann er die Eindrücke der agadischen symbolisirenden Exegese nicht verleugnen, und wandelt häufig in ihren Fußtapfen. Wie in der Religionsphilosophie transagirt er in der Sprachforschung mit den herkömmlichen Anschauungen, und in beiden Doktrinen spielt er gerne die Rolle des Vermittlers. — Ganz entgegengesetzt ist Dunasch; das ist der nüchterne, objektive, allen traditionellen Einflüssen unzugängliche mitunter trockene Grammatiker, dem der hebräische Sprachbau und der massoretische Textüber alles gehen, der aus dem Text den Sinn heraussucht, und zuweilen mit dem Sinn ebenso verfährt wie Saadia mit dem Text. Muß man nun auch der Methode des Dunasch entschieden den Vorzug einräumen, so hat auch die Saadia's ihren wissenschaftlichen Werth. Sie führt die Forschung auf neue Bahnen, die oft sicherer zur Wahrheit führen als das ängstliche Festhalten an den Buchstaben. Als Belege für unsere Auffassung wollen wir einige wenige Proben aus dem vorliegenden Buche anführen. Wir übergehen den grammatischen Theil, den der Fortschritt der Wissenschaft längst überholt hat, und führen dem Leser einzelne Exegesen vor — D’bnx (4. B. M. 24) erklärt S. Zelte sffieh Tosephot Berachoth 16 a) m& (Ps. 16, 4) mehr als genug" wie miö — nm (Amos 1, 13) „Berge" ijiS (Psalm 114, 1.) „schwermäulig" *vbx (Jes. 17. 6) das arabische „Emir" demgemäß dim iTCxn 'ii (5. B. M. 26, 18). „Gott hat dich zum Emir gemacht" (?) C'bxix (Jes. 33, 7) „Kameele" — (1. B. M. 49) „in sein Eigenthum," wie^ XE. Die Stelle ’2JX bsii x? D2ö (Hiob 12, 3) erklärt S. D2» 't>:'X (Hier dürfte er er an Riesen gedacht haben). In den Einwendungen gegen diese extravaganten Erklärungen trifft Dunasch zumeist das Richtige. Dagegen sind einzelne Erklärungen Saadias sehr geistvoll und zutreffend, so 2X2 (Hiob 31, 18) „Schmerz" mix (Ps. 42, 5) „ich hüpfe" spa (1. B. M. 8, 11) abgepflückt" Tjn (Ps. 139, 17). „dein Wille" rnv'v (4. B. M. 6. 3) „Das Eingeweickte" — Ti2Xn (Ps. 319, 174) — "ich trage Lust" u. a, m. Die Erklärungen des Dunasch tragen zumeist den oben bezeichneten Charakter an sich. Der Herausgeber des Buches Herr Dr. Schrötter hat sich würdig seines Vorwurfs als tüchtiger kritischer Sprachgelehrter bewährt. Wie er sich in der Vorrede als gewiegten Bibliographen kund gibt, so zeigt er in den zahlreichen Noten und Emendationen zum Texte einen richtigen kritischen Blick und eine vollständige Beherrschung seines Gegenstandes nach allen Richtungen. Wir sagen ihm im Namen der wissenschaftlichen Publikums für die interessante Gabe, den innigsten Dank und freuen uns ans die Einleitung, Hebersetzung und Erklärung der vorliegenden Schrift, die bereits ausgearbeitet, baldigst folgen sollen. Die äußere Ausstattung läßt nichts zu wünschen übrig, wie es von der Verlagsbuchhandlung, die schon so viele treffliche Leistungen aus dem Gebiete der jüdischen Literatur zur Veröffentlichung gebracht, nicht anders zu erwarten ist. R. Grnamentenstickereien für die Synagoge. Die Unterzeichnete, deren Firma sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum, insbesondere den löbl: Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickereien für die Synagoge, als: iO2v ,nißö ,H2iiD ,miß2, und Thorahmäntel, und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Möglichst billige Preise bei sorgfältiger schöner Arbeit werden das. der Unterzeichneten geschenkte Zutrauen auf jede Weise rechtfertigen. Torahmäntel und Torahdecken ,iv22 sind zu jeder Zeit vorräthig. Salomon Plohn's Wittwc H>rag, kleine Karlsgasse Wr. 145. 1. Stock. im Hegelein'fchen Hause. 1^2 Restauration« - Eröffnung. Der Gefertigte, der bis zu den letzten Kriegsereignissen in Königgrätz zur vollen Zufriedenheit seiner zahlreichen Gäste eine ^tz^Restauration führte, hat seit dem 19. August d. I das gleiche Geschäft in H>rag, Heistgasse Wr. 907—1 eröffnet, und hofft durch solide und billige Bedienung einen starken Zuspruch zu erlangen. A. Niemer, R c st a u r a t e u r. Briefkasten der Redaktion. - Löbl. Redaktion des „Israelit" in Mainz! Wir ersuchen auf Ihr Tauschexemplar die richtige Adresse unseres Blattes zu setzen. ■ Herrn Dr. K. in Lg. Ihr Werk findet nächstens Besprechung. — Wir ersuchen unsere geehrten Herren Mitarbeiter, jene ihrer Beitrüge, die in einer nächsten Nr. Aufnahme finden sollen, rechtzeitig eiuzusenden. — Herrn Prof. Ch. in P. Im „Abendland" werden nur Recensionen über solche Werke ausgenommen, die der Redaktion vorliegeu. Druck von Senders * Brandris in Prag.

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