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Das Abendland · 1866-09-06 · 17 (6.9.1866) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
17 (6.9.1866)
Date
1866-09-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Nr- 17. Nrag den 6. September 1866. III. Jahrgang- Das Abendland. Central-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Iudenthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: A. ^ßlMllNN. Prannmeraiionöbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. unt Poflzusendung und Zustellung nt l Haus: für's Ausland qanzj. 2 Thlr. halbj. l Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgasse Nr. 908—1. — Inserate werden billigst berechnet. Das Jahr 5626. ES ist journalistischer Gebrauch zum Schlüsse des Jahres die wichtigsten Ereignisse und Vorkommnisse während der abgelauscnen 12 Monate zusammenzusasscn, und so dem Leser ein Gesammtbild der Verhältnisse und Zustände zu bieten. Eine solche Zusammenstellung hat auch den Vortheil, daß sie deninncrn Nexus der einzelnen Vorfälle zum Bewußtsein bringt, und ihnen dadurch ihren historischen Werth verleiht. In wenigen Tagen feiern wir das Neujahrsfest, mit dem ein neues Jahr seinen Anfang nimmt, und wir wollen auch den Lesern des „Abendland" gegenüber in möglicher Kürze unserer Aufgabe Nachkommen. Wir haben es mit dem religiösen Jahre zu thun, und es ist natürlich, daß wir nur den religiösen Zuständen unsere Aufmerksamkeit schenken— Das Resume über die politische und geistige Bewegung auf dem Gebiete des Judenthums während des Jahreslaufes behalten wir dem Abschlüsse des bürgerlichen Jahres vor, obgleich deren Einfluß auf das rein religiöse Moment nicht zu verkennen ist, wie überhaupt der allgemeine Eulturzustand bei der Besprechung der religiösen Verhältnisse niemals außer Rechnung gebracht werden kann. Das abgelaufene Jahr gibt den deutlichsten Beweis dafür. — Es war ein Jahr des Trübsals und des Jammers, in welchem alle materiellen Güter bedroht und gefährdet waren, und wenn auch in der Regel „die Noth beten lehrt" und die Menschen zur Ueberzeugung gelangen mußten, daß die Religion der einzige Trost in Leiden sei, so erzeugt anderseits das Unglück zumeist einen apathischen Zustand, und lähmt jeden Aufschwung des Geistes zum Bessern — Diese letzte Wirkung zeigte sich leider auch im religiösen Leben des verflossenen Jahres, und das Resultat unserer Rückschau ist dießmal ein rein negatives — Es war ein Jahr des Stillstands — -Ganz Europa war mehr oder weniger von dem politischen ^turm ergriffen, und in unserem theuern Vaterlande, wo die Kriegsfurie schrecklich wüthete, erreichte das Elend den Eulmiuationspuukt — „Unter den Waffen schweigen Kunst und Wissenschaft" und auch die Regungen des religiösen Lebens treten in den Hintergrund — Wir haben wenig vom Aufbau und von der Einweihung neuer Synagogen zu berichten, im Gegentheil wurden manche Gotteshäuser zu Lazarethen für verwundete Krieger verwendet— Selbst Friedhöfe, diese berechtigten Stätten der Ruhe, mußten als günstige erhöhte Punkte zur Aufstellung verheerender Kriegsgeschoße ihren eingezäunten Raum zum Dienste der Waffen hergeben — Ebensowenig können wir in diesem Jahre neu gegründete Religionsschulen und Lehranstalten zur Förderung religiösen Wissens registriren, im Gegentheile wurden dieselben wie die meisten Unterrichtsstätten vor der Ferienzeit geschlossen, und mitunter zu kriegerischen Zwecken verwendbar gemacht — Der religiöse Parteikampf im Innern hat ebenfalls Rast gehalten, was wir blos als Thatsache konstatiren, ohne aus die Vor-und Nachtheile dieses äußerlichen Waffenstillstandes näher eingehen zu wollen — Als eine erfreuliche Erscheinung zur Förderung religiösen Sinnes, begrüßen wir j die Anstellung eines Feldpredigers für die jüdischen Solda-! ten in der österreichischen Armee — Daß der wahnwitzige j Chassidismus in Ungarn, unberührt von den Zuckungen der > sturmbewegten Außenwelt immer mehr Boden zu gewinnen! sucht, wird der religiösen Strömung des Judenthnms hof-! sentlich keinen Rachtheil bringen, für solches Treiben war i eben die Zeit eine günstige. „Im Trüben ist's gut fischen"! Seine Zeit ist abgelaufen! — Man wird bald mit ihm Ab-! rechnung halten und diesen Krebsschaden des Judenthums; unschädlich machen. i Möge das kommende Jahr uns bessere und glücklichere Tage bringen — Wir schließen mit dem altüblichen Neujahrswunsche mit: . R. l Historische Lesefrüchte. i | von Leopold Wolf in Prag.! Ich theilc hiemit eine jüdische Urkunde, die aus dem! 15. Jahrhunderte herrührt und die Herr Professor I. G. j Zahn in den Mittheilungen des historischen Vereins für! Steiermark nebst einer Uebersetzung des Professor vr. Jos. Goldenthal an der k. k. Universität in Wien reproducirt, mit, welche für die Kenntniß des Mittelalters einen nicht zu unterschätzenden Werth hat, indem sie über die schon zu jener Zeit stattgefundene Ansiedlung der Juden in Steiermark und über die Art ihrer Stellung zur Bevölkerung so wie über j ihre rechtliche «Stellung im Allgemeinen eine Handhabe zu weiteron Forschungen biethet, die gewiß manches lohnende Resultat zu Tage fördern würden. Es gab, wie jener angezogene Aufsatz erörtert, im Mittelalter kein Kloster, das nicht irgend welche Verbindlichkeit gegen die Juden gehabt, keinen Edelmann, der nicht mehr oder minder den Juden in der Tasche gelegen hatte, ja selbst der hörige Bauernstand war ihnen mehr verpflichtet, als der wirthschaftliche Vortheil der Grundhcrren es gutheißcn konnte. Weder die religiöse Abneigung des Klerus, noch das Zahlungswiderstreben des Adels vertrieben die allezeit dienstfertigen „Kammerknechte" der immer geldbedürftigen Laudesfürsten, sondern der nationalökonomische Einfluß derselben. Ein solches die Sachlage klärende Document findet sich in dem „Juden Puech" des Klosters Rein aus dem 15. Jahrhundert Fol. 62. Dieses Buch merkt alle die Klosterbauern an, welche mit ihren Gründen den Juden verfallen waren, und eben so die Vergleiche durch welche sich das Stift die Gründe und deren Renten erhielt. Ich entnehme dem Aufsatze folgende Urkunde, die ich aus der damaligen Sprach- und Schriftweise in die Unserige übertrage: „Wir Friedrich von Gottes Gnaden römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs zu Hungarn, Dalmatien, Croatien etc. König, Herzog zu Oesterreich, zu Steier, zu

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