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Das Abendland · 1866-08-09 · 15 (9.8.1866) · p. Seite 120

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
15 (9.8.1866)
Date
1866-08-09
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 I, i S , ..! im Jahre 1800, der andere 6 Jahre später. Sie sind Urenkel des berühmten Jakob Percire, welcher gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts der erste war, der den Taubstummenunterricht erthciltc. Ein Wort über diesen großen Mann mag als. Einleitung dienen zu den Ereignissen, welche seinen Familiennamen zu so hohem Ansehen in den Finanzkrcisen der Gegenwart brachten. Jakob Rodriguez Pereire oder Pereira, geboren zu Estremadura in Spanien, ließ sich um das Jahr 1746 in Frankreich nieder, und brachte hier jene geistvolle und menschenfreundliche Methode zur Einführung, die später so allgemeine Verbreitung fand, um der menschlichen Gesellschaft, jene unglücklichen Mitglieder, die bisher von ihr getrennt und abgesondert lebten wieder zuzuführen. Die Akademie der Wissenschaften wurde bald auf das von Jakob Pcreire erfundene System aufmerksam, und der unsterbliche Buffon schrieb darüber einen Bericht, der dem Könige Ludwig XVI. ein solches Interesse cinflößte, daß er sich den eingewanderten Lehrer und einige seiner ersten Zöglinge in Versailles vorstcllen ließ, um sich von dem Erfolg dieser Methode persönlich zu überzeugen. Der König war von den Resultaten dieses sinnreichen Unterrichts so befriedigt, daß er P. eine Staatspension aussetzte und ihn zur Eröffnung eines öffentlichen Unterrichtskursus veranlaßtc. Bald waren D'Alembert, Diderot, Buffon und Jean Jaques Rousseau, die eifrigsten Zuhörer dieser Vorträge, und der letztgenannte berühmte Denker citirt ihn oft mit großem Lobe in seinem Diktionäre der Musik als den glücklichen Erfinder der Kunst — „die Stummen redend zu machen".! Dieser Ausdruck Rousscau's bezeichnet eigentlich das Hauptverdienst der so nützlichen Erfindung, die auch der sogenannten Zeichensprache als Grundlage diente. P. verstand es, seinen Zöglingen begreiflich zu machen, daß sie eigentlich nicht stumm, sondern bloß taub geboren seien. Er entdeckte ihnen die Geheimnisse der menschlichen Sprache, die sie nicht hören konnten, und gab ihnen die Mittel an die Hand, um andern zu verstehen und sich ihnen verständlich zu machen und den Gedanken durch die bloße Bewegung der Lippen auszudrücken — Diese wunderbare Erfindung erregte großes Aufsehen in Europa. Die königliche Akademie zu London ernannte den ausgezeichneten Philantropen zu ihrem wirkenden Mitgliede, Ludwig XVI. bestellte ihn als Translator der spanischen und Portugiesischen Sprache, und zwei Jahre später erhielt der ausgezeichnete Vorläufer des Abbe cke I' Epee, den die Biographen sein.r Zeit einstimmig als einen der originellsten und erhabensten Geister des 18. Jahrhunderts erklärten, gleichzeitig mit Buffon das schwarze Band des St: Michelsordens. Jakob P. hat seine Methode in einigen Schriftstücken niedergelegt, die fast sämmtlicb während der Revolution verloren ginge«. Deßungcachtet wurden im Jahre 1824, als die Taubstnmmcnschulen die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf sich zogen, von Emil und Jsak P., die damals noch sehr jung waren, alle Privatdoknmente aus der Feder ihres großen Ahnen die nur auszufinden waren, gesammelt, und einem Pereire dem Direktor des ersten derartigen Jnsti- ' tuts zur Benützung übergeben. Unter diesen schätzbaren Dokumenten findet sich auch die Anleitung zu der oberwähnten Zeichensprache, durch welche gegenwärtig die Taubstummen ihre Gedanken ebensogut wie durch Worte mittheilen können. — Jakob P. war auch ein tüchtiger Arzt und vorzüglicher Mathematiker, und es darf nicht unbemerkt bleiben, daß dieser große Mann seine wissenschaftlichen Forschungen jenen Gegenständen znwendete, die ein Jahrhundert später seine Urenkel zu berühmten Männern machten. So handeln einige seiner Schriften von der Construktion gewisser Schiffsmaschinen, von Häuserbauten. Darunter finden sich auch Studien über das Assekuranzwesen, über Staatsanlehen und deren Rückzahlung durch Prämien und Verlosung oc, kurz das ganze Finanzsystcm, welches jetzt den Reichthum der öffentlichen Institutionen bildet. Zur Ergänzung dieser Skizze über einen Mann, dessen Leistungen eine ausführliche eingehende Biographie in Anspruch nehmen, wollen wir noch anführen, daß die französischen Juden ihm die Errichtung des ersten abgesonderten Friedhofs zu verdanken haben. Durch seine Verwendung gewährte der gute Ludwig XVI. den Israeliten, denen er überhaupt geneigt war diese Gunst. Wir haben bis jetzt in kurzen Abrissen das Leben des Ahnen gezeichnet, und wollen uns nun mit seinen Nachkommen Emil und Jsak P., diesen beiden berühmten Finanzmännern beschäftigen. Da sic ihren Vater in frühester Jugend durch den Tod verloren hatten, so dankten sie der unermüdlichen und weisen Fürsorge ihrer Mutter jene treffliche Erziehung, welche die Grundlage ihres künftigen Glückes wurde — durch den Zeitraum von 20 Jahren widmete sich die biedere achtbare Frau mit aller Energie und Selbstverleugnung der Erziehung ihrer Söhne. — Sie selbst gab ihnen das Beispiel der Thätigkeit und Ausdauer, und war die Hauptursache von deren glänzenden Laufbahn. — Diese Thatsache darf nicht übergangen werden, indem sie den Leser auf dasjenige vorbereitet, was wir in Betreff der beiden Männer, denen diese biographische Skizze gewidmet ist, mitzutheilen haben. Vereint durch vollständige Gemeinschaftlichkeit der Studien, Arbeiten und Bestrebungen wie schon von Natur durch die Bande des Blutes, in voller Uebereinstimmung bei dem Entwürfe und der Ausführung ihrer Unternehmungen, können die Namen der Herren Pereire nicht getrennt werden, wenn von ihrer Bedeutung in der Finanzgeschichte der Gegenwart die Rede ist. Kaum kann man bei ihnen von einer Verschiedenheit sprechen, die durch den Unterschied des Alters bedingt ist. Es wäre daher auch schwer anzugeben, welchen Antheil jeder Einzelne an der gemeinschaftlichen Arbeit hatte. (Fortsetzung folgt.) Ornamentenstickereien für die Synagoge. Die Unterzeichnete, deren Firma sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum, insbesondere den löbl: Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickereien für die Synagoge, als: ,rvßö ,nana ,miB3, und Torahmäntel, und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Möglichst billige Preise bei sorgfältiger schöner Arbeit werden das der Unterzeichneten geschenkte Zutrauen ans jede Weise rechtfertigen. Torahmäntel und Torahdccken ncao sind zu jeder Zeit vorräthig. Salomon Plohn's Wittlvc Arag, kleine Karlsgasse Ar. 145. 1. Stock. im Hegelein'schen Hause. Druck von Senders & Brandeis in Prag.

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