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Das Abendland · 1866-07-26 · 14 (26.7.1866) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
14 (26.7.1866)
Date
1866-07-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ar. 14. Arag den 26. Zuti 1866. III. Jahrgang > JV :■) Cenlral-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Iudenthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: I. cjSljltttÄtUl. Pränumerationsbettag ganzjährig 3 fl., Halbjahna 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postznsendung und Zustellung tv'r Hausfür's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — ’ Administration. Geistaasse Nr. 908—l. — Inserate werden billigst berechnet. Erklärung. Die seit Veröffentlichung der letzten Nro. dieses BlatteS elngetretenen Ereignissen und Störungen des >-^Ooftverkehrs haben daS Erscheinen der vorliegenden Nro. bis heute verzögert, und werden wir den P. T* Herren Abonenten den dadurch entstandenen Ausfall einer Nro. bei hoffentlich bald eintrctenden günsticern ' Zeitverhältnissen durch Beilagen zu dem Blatte »u , ersetzen suchen. — Indem wir wegen dieses Uml andes um gütige Nachsicht Litten, hoffen wir, daß Her geehrte Leser auch diesmal den Mangel an Correspondenzen und Notizen dem gehemmten Postverkehr zu- , schreiben werde. — Die Redaktion. Ernst Wehli geb. 21. Dezember 1787 gest. 19. Juli 1866. Die israelitische Cultusgemeinde Prags hat durch den Tod ihres Repräseutaifzmitglieds und frühcrn Vorstehers, Herrn Ernst Wehli einen sehr herben Verlust erlitten, der besonders von jenen tief empfunden wird, die den kultuellen und religiösen Zuständen der Gemeinde ihre Theilnahme zuwenden. Der religiöse Indifferentismus, der faule Egoismus, überhaupt die Kehrseiten des Gemeinsinns, welcher Quelle sie auch immer ihren Ursprung danken, haben in unserer materiellen Zeit zahlreiche Vertreter, und wenn der unerbittliche Tod sich aus diesen Reihen ein Opfer sucht, so sorgt der moderne Nachwuchs redlich dafür, daß die Lücke nicht unausgesüllt bleibe. Dagegen ist die Zahl derer, die sür Förderung der religiösen und geistigen Interessen des Judenthums ihre ganze Thatkraft ihre ganze, durch die Berührung der ehemaligen und der gegenwärtigen Culturzustände unserer Glaubensgenoffen was so viel ist als durch die Bereinigung der theologischen mit der allgemeinen Bildung bedingte Begabung einsetzen, in stetter Abnahme begriffen, und wenn ein Mitglied dieser kleinen Schaar vom irdischen Schauplatze seiner Thätigkeit abberufen wird, so ist unsere Zejt selten in der Lage Ersatz zu biethen. In dieser Beziehung ist das Hinscheiden des Mannes, dem wir diese Zeilen widmen eine Calamität für die Präger Cultusgemeinde. Der Verblichene, der in seinem 80. Lebensjahre stand, war bis wenige Tage vor seinem Tode körperlich rüstig und 'geistesfrisch, und seine unermüdete Thätigkeit erlitt in denletzten Jahren, selten eine Unterbrechung. Wir verweisen den Leser auf die biographische Skizze, die das Abendland (N. 25.1865) aus Anlaß der ihm wegen seines gemeinnützigen Wirkens dim' die Gnade Sr. Majestät des Kaisers gewordenen Auszei nung brachte, und seit jener Zeit fand unser Blatt auch Ms Gelegenheit des nunmehr Verstorbenen rühmend zu er wähnen. Sem vielseitiges, WMn»^Ha^ er in .verschiedenen tüchtigen literarischen Arbeiten bewährte, gepaart mit einer gereiften praktischen Lebensanschauung, die den gewandten Geschäftsmann beurkundete, und einem bescheidenen biedern Charakter, der mehr zu wirken als zu glänzen suchte, waren Eigenschaften, die ihm das Zutrauen seiner Mitbürger erwarben, und den viel begabten Mann zu einer gesuchten Persönlichkeit bei Leitung und Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten machten« So sehen wir den thätigen Mann durch mehr als ein halbes Jahrhundert als Vorstand komerzieller, wissenschaftlicher und wohlthätigcr Vereine und später als Präses der Cultusgemeinde-Repräsentanz ersprießlich und segenreich wirken, und alles Gute in oer Gemeinde mit treuem Eifer fördern. Die hohe Achtung, die der Verstorbene genoß, gab sich auch bei seinem am 20. d. M, stattgefundenen Leichenbegängnisse kund. Ein zahlreiches Geleite folgte der Bahre, und Alles, was die Prager Cultusgemeinde an Honoratioren und hervorragenden Persönlichkeiten besitzt war bei dem Trauerzuge gegenwärtig. Am Friedhofe wurden von dem ehrwürdigen greisen Oberrabbiner Rappoport und von dem ehrwürdigen Prediger der Tempelgemeinde Prof. vr. Kämpf ergrcisende Reden gehalten, in welchen die vielen Verdienste des Dahingeschiedenen rühmend hervorgehoben wurden. Bei dem Schmerze, den wir ob dem Verluste eines so ausgezeichneten Mannes fühlen, dessen Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit und Iugendfrische im geselligen Umgänge kennen zu lernen wir Gelegenheit hatten, können wir es nicht Unterlasten den Wunsch auszusprechen, daß thatkräftige fromme Männer unserer Gemeinde jene Wirksamkeit eifrig weiterführen möchten die dem Verblichenen zur Ehre und zum Ruhme gereichte. Lhrmarm. 14

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