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Das Abendland · 1866-04-12 · 8 (12.4.1866) · p. Seite 64

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
8 (12.4.1866)
Date
1866-04-12
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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64 Trägerin, alle übrigen Bekenner desselben sind nur Abtrünnige von der Wahrheit, die sic allein ungetrübt erhalten hat. Schon zur Zeit des zweiten Tempels hat dieser Abfall der Rabbaniten, wie sie die übrigen Bekenner des Judenthums nennt stattgcfundcn, und seitdem immer weiter um sich ge griffen; damit es diesem geschichtlichen Nimbus nicht an der Illustration hervorragender Eapacitäten, die sie vergebens im eignen Lager sucht, fehle, trägt sie kein Bedenken, sich einige große Männer von den Gegnern auszuleihen, und mancher berühmte Talmudlehrer gelangt unschuldig zu der Ehre, ein Fahnenträger ihres Rcligionssystems zu werden. So wird für das augenblickliche Bedürfniß Geschichte gemacht. Zum Unglücke jedoch sind die Karäer auch in dieser falschen Kunst große Stümper, und es gehört eben kein großer Scharfblick dazu, das ganze Machwerk als falsches Spiel zu erkennen. Trigland's Veröffentlichungen trugen wenig dazu bei das Ansehen der Karäer zu erhöhen. Im Gegentheile, man gelangte zur Ueberzeugung, daß ihr dumpfes Stillleben nicht so ganz rein und harmlos sei, daß wir vielleicht noch eines schönen Tages mit einer Literatur in diesem kleinlichen Geiste des Erborgens und für rechtmäßiges Eigenthum Ausgebens überrascht werden köunten. Diese letzte Vcrmuthung hat sich glänzend bewährt; die glückliche Neuzeit hat uns diese Uebcrraschung bereitet. Eine karaitischc Manuscriptensammlung von bedeutendem Umfange wurde in der Krim aufgefunden, und der jüdischen Literatur cröfsncte sich eine ganze neue Welt geistigen Lebens. Große karaitischc Theologen, Philosofen, Bibelexegcten, Dichter und Kritiker schoßen wie die Pilze aus der Erde hervor. Neue Sterne stiegen auf am Horizonte jüdischer Wissenschaft und verdunklen mit ihrem Glanze die bisher mit Unrecht gefeierten Größen unserer Literatur. Maimonides, Aben Esra, Juda Halevi und andere ähnliche Scheingrößen verlasset schnell euere Ehrenplätze in der jüdischen Walhalla, steiget herab von den Piedstalcn eueres Ruhmes, machet Platz für die Karaiten, denen ihr alle euere Weisheit verdanket. Diesen Anlauf schien wenigstens Die literarische Geschäftigkeit unserer Zeit nehmen zu wollen, und der Gelehrte, der zuerst Einsicht in die erwähnte Manuscriptensammlung erlangte machte sich zum Herold dieses Triumphes. Diese Sammlung wurde von der russischen Regierung augekauft, und Herr Neubauer legt uns in dem vorliegenden Buche die Resultate seiner aus der Sammlung geschöpften Forschungen nieder, die jedenfalls zur Klärung der Wahrheit höchst iustructiv sind. Wir müssen es lobend hcrvorheben, daß der Verfasser mit Objektivität und ohne die vielen Autoren anhängende Eingenommenheit für den Gegenstand ihrer Behandlung ans Werk gieng, und dadurch seine Arbeit zu einer verdienstlichen machte. Wenn die mitgetheilten Auszüge wie man cs doch mit Recht vcrmuthen muß der beste Kern der handschriftlichen Bibliothek sind, da mäßen wir die karaitischc Gelehrsamkeit noch lange in die Schule schicke«, damit sie nur einen Dunst von selbstständiger Forschung und Gcistesthätigkcit erlange. Was uns hier geboten wird, ist kindische Exegese, unverläßliche Geschichtsdaten, eine Polemik ohne Witz und Schärfe, ein Rcligionssystem ohne Basis. Die landläufige Ansicht daß der Karaismus sich fest an den MosaismuS anklammere, findet in den Auszügen ihre Wiederlegung, die Karäer verzichten auch nicht auf eine Tradition; allein sie ist ohne historischen Hintergrund, ohne leitende Grundsätze man könnte fast sagen ohne innere Ueberzeugung. Es fehlt das organische Leben, es ist ein Eonglomcrat willkührlichcr Ansichten, und deßhalb scheinen uns auch die aufgcführten Disierenzpunkte in der religiösen Praxis zwischen Karaiten und Rabbauiten eher ein System zu suchen als aus einem solchen hervorzugehen. Wider alles Erwarten wird in den meisten Fällen den Rabbaniten eine laxe Observanz der mosaischen Vorschriften zum Vorwurfe gemacht, während sic für sich ein freies Acomodationsfystcm in Anspruch nehmen, daß sic endlich in der Vorführung einiger später« antropomorphistischcn 'Lagen von zweideutigem Ursprünge die schärfsten Wurfgeschosse gegen die Rabbiniten zu schleudern vermeinen und in diesen Stetten ä 1a Eisenmenger den Geist des wahren Judenthums zu erkennen vorgeben, macht ihrer Kritik und dem Arsenal ihrer Geisteswaffen wenig Ehre. Vielleicht wollte Herr Neubauer gerade diese geistige Impotenz zur Anschauung bringen, und hat deshalb die schmähliche Lapalie zum Abdruck gebracht, der wir jedoch eine kritische Beleuchtung zur Seite gewünscht hätten. — Die Auszüge an sich sind ziemlich verständlich. — R. Concurs. Bei dem neugegründeten „Israelitischen Cultus-Vereine zu Trautenau, ist die Stelle eines geprüften Lehrers, der unter einem Kore, Schochet und Cantor ist, zu besetzen. Mit dieser Stellung ist ein Jahresgehalt von fl. 450 — nebst steier Wohnung und üblichen Emolumenten verbunden. Bewerber haben ihre eigenhändig geschriebenen Gesuche mit Röthigen versehen, bei der gefertigten Repräsentanz Franco einzubringen. Auf talmudisches Wissen, wird besonders geachtet. Dem Acceptirten werden Reisespcsen vergütet. Die Repräsentanz d. „Israelitisch. Cnltus- Vereines" Trautenau 1. April 1866. Leop. L. Nettel Ed. Lederer Em. Kohn. Grnamentmstickereien für die Synagoge. Die Unterzeichnete, deren Firma sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum, insbesondere den löbl: Synagogenvorständcn zur Anfertigung aller Arten vou Ornamentcnstickereien für die Synagoge, als: ,maü rana miaa, und Torahmäntel, und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Möglichst billige Preise bei sorgfältiger schöner Arbeit werden das der Unterzeichneten geschenkte Zutrauen auf jede Weise rechtfertigen. Torahmäntel und Torahdccken sind zu jeder Zeit vorräthig. Salomon Plohn's Wittwe 'Krag, kleine Karlsgasse Ar. 145. 1. Stock. im Hegelein'schen Hause. Intelligente israel. Aeltern, denen ernstlich daran gelegen ist, ihren Töchtern eine gründliche Ausbildung zu verschaffen, wollen behufs der Aufnahme für das nächste Sommer-Semester, welches mit dem 9. April l. I. beginnt, in meinem I n st i t u t s - L o c a l e, kl. R i n g Nr. C. 142—1., freundlichst die Anmeldung machen. Die ersprießlichen Erfolge meines jahrelangen gewissenhaften Strebens, die sich nicht nur durch Zeugnisse der bei den öffentlichen Prüfungen anwesenden Hr. Hr. Fachmänner und Aeltern meiner Zöglinge sondern hauptsächlich durch die erfreuliche Thatsache documeutircn, daß sehr viele der meine Anstalt absolvirten Mädchen jetzt selbst im In- und Auslande als Lehrerinnen und Erzieherinnen, sowohl in Familien, als auch an öffentlichen Unterrichtsanstaltcn zur vollsten Befriedigung thütig sind, berechtigen mich zu der angenehmen Erwartung, daß auch fernerhin der Besuch meiner Anstalt ein frequenter sein wird. Der Unterricht in den einzelnen Fächern wird von bewährten Lehrkräften geleitet, und das anticipando zu leistende Honorar beträgt je nach der Klasse von 2—4 fl. pr. Monat. Mädchen vom Lande werden auch in Wohnung und gänzlicher Verpflegung ausgenommen, wofür inclusive sämmtlicher Unterrichtsgegcnstän'de das gewiß sehr mäßige Honorar von 250—300 fl. ö. W. jährlich beansprucht wird. Auch werden Programme gratis ertheilt. Prag am 27. März 1866. Rosalia Robitschek. Instituts-Vorsteherin. Druck von Senders & Brandeis in Prag.

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