Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 8 (12.4.1866)
- Date
- 1866-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M. 8. ^raft den 12. April 186k. 111. Jahrgang DllK Lentrai-Organ für alle zeitgemäßen Interessen -es Iudenthums. Verleger, Eigenthümcr und verantwortlicher Redakteur: A. ^äßrMllNN. Pränumerationsbetraq ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Poflzusendung und Zustellung ms Hausfnr's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — ' Administration. Geistgasse Rr. 908—l. — Inserate werden billigst berechnet. Jüdische Lan-tagsabgeor-nete. von Rabbiner Ehrentheil in Horic. „Kidusch haschem“ Heiligung des N a m e n s" diese hohe Tugend die zu allen Zeiten als kostbarer Juwel in der Krone jüdischer Verdienste glänzte, ist in neuester Zeit Gegenstand eingehender Besprechung in den jüdischen Zeitschriften geworden — wir unserseits wollen, ohne daß wir die Absicht hätten jene trefflichen Aufsätze zu ergänzen nur insoserne unsere Meinung in einigen Worten dahin aussprechen, daß es nach unserem Dafürhalten, rnekadesell haschem heißt, wenn der gebildete durch Intelligenz hervorragende Jude, dem eine einflußreiche Stellung Gelegenheit dazu bietet, in Wort und That öffentlich mannhaft einsteht für die Ehre des jüdischen Glaubens und jüdischen Namens wie für das unbestreitbare Recht des jüdischen Staatsbürgers; wenn solche Männer nicht etwa wie dies nur allzuoft der Fall ist das freie männliche Wort, für unser gutes Recht unterdrücken, weil eine gewisse nicht genug zu tadelnde falsche Scham ihnen den Mund verschließt, weil sie eben in ihrer hervorragenden Stellung wohl gerne den M a n n aber nur ungerne den Juden hervorkehren; — wenn erleuchtete Männer nicht etwa bei jedem Worte das das jüdische Gefühl ihnen diktirt, befürchten zu müssen glauben, man würde glauben sie sprächen pro domo — als sollten sie nicht wirklich in der That „pro domo“ „für das Haus" und zwar für ^7'. das Haus Israel sprechen, für jenes uralte Haus das man von gewissen Seiten noch heute immer in seinen Grundfesten so gerne erschüttern möchte, für das Haus aus dessen Fenstern so viel Liebe und Milde hinaus, und in das so wenig Bruderliebe hineinschaut. -„Wir kamen eben in der Festwoche bei ruhigem Uebcrblickc der Ereignisse und Bewegungen in jüngster Zeit auf diesen Gedanken, weil die vor uns liegenden Tageblätter aus jenen Tagen eben in d i es er Beziehung schmerzliche und freudige Gefühle in uns erregten. — Schmerzlich berühren mußte cs doch wohl jeden gesinnungstüchtigen Juden, wenn ein an der Spitze eines großen politischen halbofficiellen Blattes stehender Jude sich nicht scheut die völlige Gleichstellung der jüdischen Staatsbürger in Oesterreich als eine Unmöglichkeit in den Spalten seines Journals bezeichnen zu lassen, und zwar aus jüdischreligiösen Gründen oder vielmehr Schein gründen — wie dies Herr Löwenthal in seiner O e st e r r e i ch i s ch e n c 0 n st i t u t i 0 n c l l e n Zeitung jüngst geschehen ließ — wir haben kein Wort der Entrüstung das energisch genug wäre um jene Meinung gebührend zurückzuweisen, auch ist dies in sehr würdiger Weise bereits geschehen, und bei dieser Gelegenheit war es auch wo wer freudig gestimmt wurden von dem edlen Freimuthe mit dem ein K u r a n d a eben weil er Jude ist zuerst die Geißel fernes Feuerwortes schwang über jene schmachvolle unlogische und haltlose Auslassung der weisen „Oesterreich i s ch e n" — aus die Gefahr hin als pro domo sprechend belächelt zu werden. Ach! wollten sie doch nur Alle pro domo sprechen und nicht scheu zurückhalten das mannhafte Wort wo es gilt unser gutes Recht zu verfechten und Unbill abzuwehren, wollten doch nur Alle, denen das Wort und die Gelegenheit geboten ist, mit dem edlen Biedersinne und mit jener würdigen Ueberzeugungskraft sprechen mit der unsere wackeren Glaubensbrüder die Herren D u b s und Landsberger im gallizischen Landtage sprachen als vor wenigen Tagen in Lemberg jenes mittelalterliche Gemeindestatut berathen wurde, das das Recht der Juden mit Füßen tritt, da zogen sich die jüdischen Abgeordneten keineswegs scheu zurück, da ließen sie von falscher Scham sich den Mund nicht schließen, sondern traten mannhaft auf für unsere Menschenrechte mit wahrer Manneswürde und edlem Makabbäermuthe—; und wenn sie auch nicht Sieger blieben im Kampfe gegen die Finsterniß — sie haben ihre Pflicht gethan — sie haben gezeigt daß das Judenthum sich in seinen Erwartungen von Landtagsabgeordneten jüdischer Confcssion nicht getäuscht hat, hie, Herren Mubs und a^rdsberger in Lemberg haben ihre Pflicht nicht nur als Abgeordnete sondern auch als Juden gethan — und wahren kidusch haschem geübt, ihnen sei hiermit öffentlich unser Dank ausgesprochen — mögen sie mit uns dem Morgenrothe einer besseren Zeit im Vertrauen auf Gott muthvoll entgegensehen, einer Zeit in der es in den Gemeinden Oesterreichs und überall keiner Argumente aus vergilbten Urkunden bedürfen wird, um zu beweisen, daß auch die Juden gleichberechtigte Bürger ihrer Vaterstadt seien — möge Gott sie so wie alle mannhaften Kämpfer für W a h rheit und Recht stärken im heiligen Kampfe, und uns zum Siege führen. Dar Märtyrerthum Rabbi Miba's eine historische Skizze von Kreisrabbiner I. Wiesner. (Fortsetzung.) Zu den Letztern gehörte R. Chananja b. Teradjon, er hatte eine große Anzahl von Jüngern um sich versammelt, in deren Mitte er ganz unverdrossen lehrte. Umsonst machte ihm der kluge R. Joße b. Kisma auf seinem Sterbebette die dringendsten Vorstellungen, sich für den Augenblick in das Unabänderliche zu fügen und sich den Kopf nicht an dem Felsen einzurennen. „Siehst du denn nicht mein Bruder," sagte er, „wie der Himmel selbst dieser uns feindlichen Ration die unumschränkte Hcrrschergewalt gegeben? Rom hat bereits in seinem Uebermuthe die Residenz Gottes zerstört, seinen Tempel eingeäschert, seine Frommen hingemordct, die Besten seines Volkes zu Grunde gerichtet und dieser Staat besteht noch, besteht in der Fülle seiner Macht, und kein Volk und keine Nation wagt es sich gegen denselben aufzulehnen. Wie darfst du dich nun uirterfangen dieser so mächtigen Regierung zu trotzen, und ungeachtet ihres strengen