Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 7 (29.3.1866)
- Date
- 1866-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Eentral-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Judentums. Berleger, Eigeuthümcr und verantwortlicher Redakteur: A. ^ßrMllNN. Präinimeratioilsbetral, ganzjährig 3 fl-, halbjährig 1 fl. 30 kr., vlerteljühng 80 fr. mit Postzuseildiurg und Zustellung in's Haus; für's Ausland ganz,. 2 Thlr. halbj. l Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Gei-tgasse Nr. 908—1. — Inserate werden billigst berechnet. Zur gefälligen öeachtlmz^ diejenigen P. T. Herren Abonnenten, deren Abonnement mit dem Monate März jzu 'Ende geht, werden um Erneuerung desselben höstichst ersucht, auch bitten wir um gefällige Einsendung der rückständigen Abonementsgelder. Die Administration'des Abendland Geistgasse dir. 908—I. Zur Litimtion. - Ein Wort zur Zeitvon Rabbiner Ehrentheit in Horic. Wenn dieß Blatt unseren jüdischen Brüdern in Nah und Fern diesmal zukömmt, hat es ihnen nebst unserem stenndlichcn Brudcrgruße auch den herzinnigen Festgruß zu bringen; es wird nähmlich gleichzeitig mit dem *^1 ans dem Tische des jüdischen Hauses liegen. Wir sind nun zwar sanguinisch genug um zu hoffen, daß nicht erwa der Inhalt dieses Blattes überhaupt auf den Gedanken an bringe-aber gestehen müssen wir, daß während wir in der Sonne des erleuchteten Iahrhundertes sonst erst des so sinnig ansgestatteten symbolreichen Pessachabendes und dessen Attribute bedurften um geistig in jene finstere Zeit zurückversetzt zu werden, in der das bittere Kraut der Lieblosigkeit in so reichem Maaße uns geboten wurde, wir dießmal leider durch die unselige Fluth der Ereignisse nur allzumächtig zur Erinnerung an finstere lieblose Zeiten hingedrüngt wurden — ja nur all.nlaut und nachdrücklich wurden wir daran erinnert, daß aus dem vom Lichte der Neuzeit beschienenen Boden noch im. ner gar viel *T'v' „bitteres K r a n t" für unS wächst, welches von rauhen Händen für uns gepflückt und uns von Zeit zu Zeit im Ucberflusfe gereicht wird; — während man in diesen Wochen allenthalben in jüdischen Kreisen daS symbolische für Israels Söhne und Töcht.r bereitet, werden so Biele unserer L. rüder aucki von anderer unberufener Seite so reichlich mit demselben bedacht, daß gar Mancher, der noch vor Kurzem das von gesegneter Thärigkeit gewürzte von zufriedener Häuslichkeit versüßte Brod des Wohlstandes aß, heute im wahren traurigen Sinne des Wortes lachmo an jo das thränenbenetzte Brod der Armut!) und des Elendes ißt. — Während wir diese Zeilen schreiben mag wohl — wenn man den calmircnden Berichten gewisser Zeitmw gen Glauben schenken darf, —die schäumende Sturmstnth der entfesselten Boltswuth sich vewanfen haben, und dürfte der ihr entgegengesetzte Damm des strengen Ausnahmsgesctzes ein weiseres oder abermaliges Austrcten verhindern;- aber wir erlauben uns zu fragen, wer wird zunächst die Thränen trocknen, die der Schmer; ob des vernichteten Wohlstandes. dem so hart Getroffenen erpresst? wer wird den ersten N o t h v e r b a n d um die klaffende Wunde legen? sollen etwa die zr. Bettlern gewordenen Familien warten bis der etwaige im'Wege des Gerichtes .ihnen zugesprochene Ersatz ihre Noth lindert? wollen wir warten bis eines schönen Morgens ein wohkgekleideter den Stempel ehemaligen Wohlstandes und der Anständigkeit an der Stirne tragender Mann an unserer Thüre pocht und eintrctend — eine Thrüne im Auge zerdrückend stammelt — „ich bin ein armer Geplündeter aus Hoshomitz, S chüttenho fen, u. s. w. •— nein! noch hat Israel, hat zunächst auch das böhmische Israel das Herz auf 'dem rechten Flecke, noch haben wir nicht vergessen, daß wir m Leid uud Freud für einander einzustehen haben, und,Iaß,wenn schon geholfen werden soll, bald, ausgiebig und'IH' zweckmäßiger ehrenhafter Weise gegeben werden muß. — Wohlan! wir wagen es der sehr geehrten böhmischjüdischen Landesrepräsentanz den Vorschlag ehrerbietigst vorzulegen, sie möge angesichts des gräßlichen Elendes das in so vielen Familien angerichtet wurde einen Aufruf an alle Cultusgemeinden Böhmens so bald als möglich ergehen lassen und in demselben zur Sammlung für die Geplünderten auffordcrn —wir hoffen, daß kein Cultusvorstand diesen Aufruf unberücksichtigt lassen wird — denn überall findet das unsere Brüder getroffene Mißgeschick die innigste. Theilnahme, überall wird man aber auch diese Theilnahme durch mehr als Worte zu beweisen bestrebt sein — die cinfließendcn Liebesgaben sollen an die geehrte Landesrcpräsentanz gehen und diese kann ihrem edlen hohen Berufe in keiner schöneren Weise gerecht werden, als, wenn sie sich der Mühe unterzieht die Lage der schwer Getroffenen zu prüfen und das Elend zu lindern, und so wie gesagt „den N o th v erb a n d um d i e k l a ffend e W u nd e zu legen" Gewiß dürften che diese Worte gelesen werden, maßgebende Stimmen im böhmischen Israel uns in dieser Beziehung bereits zuvorgekommen sein, doch wir begnügen uns zu constatiren, daß überall, ob auch die Gemüthcr allenthalben in banger Beunruhigung schweben — doch das Mitgefühl rege ist und ein Aufruf zur Abhilfe in der Noth Ohren, Herzen und milde Hände offen finden wird. — Das Ütiirfijtalijttm Nabbi Älliba's eine historische Skizze von Kreisrabbiner I. Wi esner. (Fortsetzung.) Nun aber faßte Hadrian den Entschluß nicht bloß den Inden sondern dem Iudenthume den Krie^ zu erklären, die