Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wr. 6. Ml« den 15. März 1886. - III. Jahrgang. Lentral-Grgan für alle zeitgemäße» Interessen -es Indenthums. Verleger, Eigcnthümcr und verantwortlicher Redakteur: A. ^§ßlM«NN. Präunmerativnsbetrag Hans; fnr's Ausland aanOhria 3 fl., halbjährig I fl. '>0 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung in's ganzj. 2 Lhlr. halbj. I Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration. Geistgasse Nr. 908—1. — Inserate werden billigst berechnet. Briese eines Draußigenauch eine „Causerie" von Rabbiner Ehrentheil in Horic. XIII. Glicht in Galle, nicht in Zornesgluten, aber in eine heiße Schmerzenöthräne möchte ich meine Feder tauchen um den heutigen Brief für das „Abendland" zu schreiben; sind es doch die bcklagenswerthen Gräuelscenen zu H o st o m i c, Iinec und Praskoles die an meinem Geiste vorüberziehen, wenn ich der Draußigen gedenke zu deren Dolmetsch ich mich, wenn auch ohne Mandat gemacht. — So ist es denn den von arger Berblendung irre geleiteten Federhelden, einer gewissen journalistischen Afterparthei endlich gelungen in den Gcmüthern des böhmischen Landvolkes, das sich von dem ihnen durch sie gereichten geistigen Brodc nährt, jene Erregung hervorzubrinzcn, die nur noch eines kleinen Funkens bedurfte um zur Hellen verderblichen Lohe zu werden; die nur allzulange von ihnen vermisste Rubrike der „Zudenkrav alle" in den Zeitungen ist nun Dank ihrer Hetzereien wieder stabil in den Tageblättern, das dornige Gestrüppe dürrer Späße wurde mit redlichem Fleiße zusammengetragen als sprühende Witzesfunken wußte der czcchische „Humor i st" den Zündstoff zu liefern, und — die Flamme ließ nicht lange auf sich warten. — Wir haben kein Wort der Beschönigung für die bedauerlichen Fehltritte des Einen oder des Anderen unserer Glaubensgenossen, und können es nur tief und schmerzlich bedauern so oft ein Jude es vergißt, daß nebst den Gesetzen allgemeiner Sittlichkeit auch noch die heilige Berpflichtung zur Hochhaltung und Würdigung des jüdischen Namens auf seinen Schultern ruht; — aber aus dem Fehltritte des Einzelnen politisch-judcnfeindliches Capital schlagen, und einen wenn auch frasenhast verbrämten, oder s a t iri s ch-h o l z s ch n itt lich a la bilemem verzierten Apell an den unsterblichen Janhagel erlassen, den der geneigte Leser leicht als das erkennet was er eigentlich ist, nchmlich eine leise Ermahnung zur Judcnhetze, das ihr Männer von der Feder! ob humoristisch oder nicht, bleibt immerhin verwerflich. — Ihr werdet wohl mit süßlichen Worten hinterher die Vorfälle bedauern, vielleicht schwingt sich der böhmische „H u m o r i st" sogar zu dem geistreichen Witze empor, daß am „Eisen" in Hostomic gesühnt werden mußte, was am „Silber" in P. gesündiget wurde, aber den gerechten Borwurf kann kein redlicher Mensch euch ersparen, daß ihr seit geraumer Zeit Drachenzähne gesäet habet in eueren nationalen Blättern, daß ihr die neueste bedauerlich« von jedem ehrlichen Manne tief zu beklagende Aflaire als Lunte benützet um die gegen uns gerichteten groben Geschütze losgehen zu lassen, und föderieren schriftstellerischen cultuellen Berus arg verkennet. — Euch ihr bemitleidenswerthen „Draußigen" die ihr wieder einmal "die rauhe Hand des aufgestachelten Pöbels im Genicke gefühlt habet, euch denen das Brod das ihr Hunderten gegeben mit Steinwürfen gelohnt wurde, euch können wir nur unser tiefstes Mitleid bringen, gerne wollten wir euch mit dem erleuchten Geiste der Zeit trösten, der ja wie man sagt immer vorwärts geht, wenn er nur nicht immer wieder mit rohen Fäusten ja oft mit bloßen Federspitzen — zurückgestoßen und gehemmt würde auf seinen weltgeschichtlichen Bahnen, in seiner wclterlöscnden Mission; — wir haben nur einen „wahren erhebenden Trost für Euch u*r Hjm „siehe er schläft und'schlummert nicht der Hüter Israels!" XIV. „Böse Menschen haben keine Lieder" wer kennt nicht dieses alte Kernwort des liebenswürdigen Dichters? und so müssen wir denn doch wohl noch immer nicht so böse seyn als gewisse „Humoristen" die in leisen Anspielungen zur Rückkehr zu den vormärzlichen Ausnamsgesetzen für uns rathen die arglose Welt glauben machen wollen, wir sind ja ein sang- und klangreiches licderliebendes Völkchen, wir schwärmen für die Priester der Tonkunst, und im jüdischen Pallaste wie in der Hütte erfreut man sich der Tonjuwclen, die reichbegabtc Künstler zum Gemeingute der Welt gemacht haben. So wird auch eben jetzt trotz der ernsten Betrachtungen zu denen die Tagesereignisse uns drängen ein unsterblicher Name oft genannt in allen Kreisen der jüdischen „Draußigen" der Name S u l z e r. — Wer kennt ihn nicht in Israel diesen Namen dem die Kunst die echte und wahre die heilige Weihe gegeben? wer kennt seine Melodien nicht, die aus Tonschwingen die Gebete Israels seit nahezu einem halben Säkulum zum Throne des Weltenherrn cmportragcn? — man rüstet sich soeben im jüdischen Lager das Amtsjubiläum dieses Altmeisters zu feiern, und da werden wohl auch wir „Draußigen" nicht zurück bleiben.— Wohl sind die Zeiten schwer, und unter ihrer Ungunst seufzen die großen und kleinen Gewerbsleute, doch wenn auch in Folge dessen die materiellen Ehrengaben aus den ^außigen Quellen spärlich fließen dürften, die herzlichen Glückswünsche des böhmischen Judenthums aller Schichten werden in mehr oder minder beredten Worten zur Sülze rfeier nach Wien gehen, man wird sich wohl allenthalben gerne bestreben dem gefeierten Mann zu beweisen, daß Israel seine hervorragenden Männer tief im Herzen trägt — und totr hoffen bei dem bescheidenen Manne werden auch bescheidene Ovationen wohlgefällig ausgenommen werden — et si desint vires tarnen est laudanda voluntas auch guter Wille wird genügen. -