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Das Abendland · 1866-03-01 · 5 (1.3.1866) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
5 (1.3.1866)
Date
1866-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Vraa dm 1. März 1866. III. Jahrgang. Ar. 5. Das Abendland. Lrntral-Grgan für alle zeitgemäßen Interesse» des Iudenthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redaltenr: A- <l8yrMaNN. Prännmriatioaäbcttaq ganzjährig Z fl., halbjährig l fl. S« kr., viertel,ahng 80 kr. m.t Paflznsendm g *»» 3urtetaB <«» S ffit’S «nSIand «an . 2 W halb,. >!hlr. lä Gr. - Erscheint am 2. nnd 4. Dannerflag des Ranatl,. - ' '' Administrativ,, Geiflgafle Rr. 908—I. — Inserate werden billigst berechnet. Briese eines Draußigen, auch eine „Causcrie" von Rabbiner Ehrentheil in Horic. XI. „Grau ist alle Theorie" sagt der Dichterfürst, und fürwahr die Reichcnberger Affairc, die wie eine eisekalte Hand sich auf jedes warme Menfchcnherz legt, macht unsere Theorie jämmerlich zu Schanden.— Bis allher glaubten wir, wo deutscher Sinn und deutscher Geist lebt, dort glänze auch deutscher FrciheitSsinn und vor diesem Strahleuglanze müssen alle übelhaften Gespenster der Engherzigkeit, der Unduldsamkeit, und des finstern Vorurtheils weichen; glaubenssclig wie wir nun einmal sind, glaubten wir ferner auch, wo der wichtige mächtige Hammer der Industrie auf den Amboß der Zeit schlägt, dort sprühen helle Funken des Lichtes und der Erleuchtung, wo die langhalsigen Schlote rauchen, dort seien auch die altersgrauen morschen Vorurtheile längstin Rauch ausdegangdu, 'Anv'dle wektheherrschcnde Dampfeskraft die schon ^so viele abergläubische Jrrmeinungen verscheuchte, müsse doch wohl auch den Fortschritt auf allen Gebieten im Gefolge haben und siehe da! das industrielle Reichenberg daS seit olims Zeiten Zeuge jüdischen Fleißes, und jüdischer Rührigkeit ist, das industrielle Reichenberg, daS wahrlich nicht den allerklcinsten ja einen großen Thcil seiner merkantilen Blüthe diesem jüdischen GewerbSfleiße und HandclSgeiste verdankt, ist trotz Rädergerafsel und Spulengeflüster, trotz Dampfeskraft und Gcschäftögeräusch aus dem lctargischcn Schlafe verjährter Vorurtheile nicht erwacht, es muß die Juden neben sich dulden, will sie aber nicht zu den Seinigen zählen—; ob wohl der weise Stadtrath fürchtet der einmahl in Reichcnberg zuständige Jude könne im Verarmungsfallc einst der Stadt zur Last fallen—? darob müssten sich die staatsklugen bei der Abstimmung sitzen gebliebenen Herren kein graues Haar wachsen lassen —noch ist in aller Herren Länder kein Mitglied einer jüdischen CultuSgemeinde dem st ä d t i s ch e n Magistrate ein Omi3 geworden, denn wenn die Ungunst der Zeiten ihn schwer drückte, hat seine Glaubcnsgenossenschaft noch niemals vergessen was ihre Religion ihr dem armen Bruder gegenüber zur Pflicht macht, ja! noch ist überall viel eher die sprüchwörtlich gewordene jüdische Milde den Armen der Stadt ohne Unterschied der Confession zu Gute gekommen — und doch! und doch! wer löst die Räthscl im Herzen eines Reichcnberger Stadtverordneten? denn, daß man dort nach den so zweifelhaften Lorbeeren eines Hasselwanter und Genossen lüstern sei, kann ich denn doch kaum glauben. — Da sehe ich ein gar malitwses Lächeln um die Lippen eines Vollblut-Zzechen, und mir ist als hörte ich ihn sagen „da haben sie nun die Belchcerung die deutsch freundlichen Juden — so lohnt man ihren deutschen Sinn, so handelt eine reindeutsche Stadt, thut wohl auch das argverschricne Slaventhum ein Aehnliches? ist der Slave nicht toleranter"? und wirklich habe ich dergleichen seit dem Reichcnberger Staatsstreiche oft hören müssen — nun wir wollten ja gerne den Slaven die Palme reichen, wenn nur nicht unter den reichslavischen Fittigen deS polnischen Aars im urslavisch'en Lemberg auf dem Gebiete der bürgerlichen Toleranz die Nacht den Sieg über den lichten Tag errungen, und dieUnduldsamkeit deS weisen RatheS einem wackeren Juden in allerjüngster Zeit die Aufnahme in den Bürgerverband auS ähnlichen Gründen wie die Reichenberger 8acra cousulta versagt hätte — Also thörichter Wahn hüben und drüben! „Grau ist alle Theorie, ewig grün ist leider der Baum des Vorurtheiles — er treibt stets neue Sprossen — Gott besserS! XII. Wenn dieser Brief ans Tageslicht tritt, werden sie wohl bereits hochgehen die Wogen der Freude und des Vergnügens im jüdischen Prag — es wird dann Purim sein, ja in Prag ist das eherne Schicksals oft zermalmend hingcfafctenHer das Häuflein. hLbcn die H-u m a n s verschiedener Zeiten so tiefe Furchen gezogen in den jüdischen Boden und haben in denselben die Drachcnzähne so reichlich gestrcuet, daß ein Purimfest von ewigem Nachhalle, und von unvergänglicher tiefsinniger Wirkung auf die jüdischen Herzen bleiben mußte. — Die Draußigen waren glücklicher blieben zum Thcil von harten Schicksalsstreichen als Juden verschont — sollten aber getragen von dem allumfassenden Geiste der 9Krtionalität und der Zusammengehörigkeit in Israel, das schöne Purimfest doch nicht gar so still und gedankenlos vorüberziehen lassen. Wir gönnen ihnen den tanzlustigen Draußigen schon die paar Bälle die ihnen unter toleranten nichtjüdischen Brüdern ihre Pforten im wochenlangen Fasching erschlossen haben, obwohl wir persönlich nicht zu den Opferpriestern des Faschings gehören, aber warum dem Purim sein gutes Recht auf Lust und Freude nehmen? warum dies Fest vor den Augen unserer Kinder in so abgcblassten Farben, in so fadenscheiniger Ausstattung erscheinen lassen, wie dies in so vielen Familien der „Draußigen" geschieht? — löblich und des jüdischen Volkscharakters vollkommen würdig, ist es, daß wenigstens noch die Mil dt h ä t i g k e i t mit ihrem überirdischen Glanze das Purimfest verklärt, aber es fehle auch die Freude nicht. — Aeber Anspielungen oder Persönlichkeiten in der predigt von Prof. Lelio della Torre in Padua.*) . Eine. der gefährlichsten Klippen, welche der Prediger mit ernstlicher Sorgfalt ausweichen muß, ist jene der Anfrpffr,*i3lr rbQn/in dem hochgeehrten Herren Vers. innigst für diesen trefflichen italienisch geschriebenen Aufsatz, und bitten ihn, seinem aüti-

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