Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 4 (15.2.1866)
- Date
- 1866-02-15
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 bestimmt." In höchst geistreicher Rede zergliederte derselbe die drei Fragen: Welches ist der Engel? Welches das Ziel und welches der Weg zu Erreichung dieses Zieles? * Das Gründungsfest des Vereins „Bikur Cholim" und die Einweihung der gespendeten Thora, fand verflossene Woche statt. Um 5 Uhr begann die Feierlichkeit mit Absingung eines Psalmes worauf vr. Iellinek die Festrede hielt worin er den Zweck des Vereines: „Pflege der Kranken und Unterstützung der Armen" hervorhob. In seiner Rede fortfahrend weist er darauf hin, daß die Thora das Einzige ist, was den Israeliten durch die Stürme der Jahrtausende geblieben. Sie ist die Quelle des Lichtes und des Friedens. Der Friede aber war das einzige Bindemittel, der Kitt des Zusammenhaltes der menschlichen Gesellschaft. Das Festessen an den: über 100 Personen theilnahmen, wurde im großen Saale zum römischen Kaiser in Sechshaus eingenommen. Den Reigen der Toaste eröffnete vr. Iellinek. Hierauf ließ das Vereinsmitglied Herr Pollak einen Bogen cirkuliren und in dem kurzen Zeiträume einer halben Stunde waren 4500 fl. gezeichnet. Pest. Von dem Redakteur des „ungarischen Fremdenblatt." S. Chorini (Pest Stadthausplatz Rr. 3), erscheinen die ungarischen RcichStagsverhandlungen heftweffe in deutscher Uebcrsetzung. Das 1. Heft, das bereits erschienen enthält alle diesbezüglichen Begebenheiten und Reden, die einschlägigen königl. Handschreiben, Manifeste u. s. w. so wie die Porträts Sr. Majestät des Kaisers, des Präsidenten, des Unterhauses und Franz Dcak's. Der Preis des halben Jahrgangs ist 2 fl. 80'fr. Dieses umsichtig redigirte Diarium dürste bei der Wichtigkeit der Fragen, die jetzt in Pest zur Verhandlung kommen, auch vielen Lesern dieses Blattes willkommen sein. Lemberg. Der Vorstand der Israclitengemeinde, Herr Dr. Landesberger an der Spitze, machte dem Herrn Grasen Goluchowsky seine Aufwartung, um für die im Landtage gestellte Motion auf unbeschränkte Besitzfähigkeit der galizischen Juden, insbesondere für die wahrhaft humane Begründung dieses Antrags den innigsten Dank auszusprechcn. Herr Dr. Landcsbergcr entschuldigte offen und unumwunden die Juden Lembergs wegen der bisherigen Verkennung der judenfrenndlichen Gesinnung des edlen Grafen. Goluchowsky erwiederte hierauf, daß cs ihn freue endlich Anerkennung zu finden und die Juden thcilweise überzeugt zu haben, daß die von ihnen wider ihn gehegten Vorurtheile und ausgestreuten Gerüchte grundlos seien. Venedig. Hier wird außer der bereits gemeldeten von der Eultuögcmeinde - Repräsentanz bestimmten Pension auf 10 Jahre für die Familie des fel. Luzzato eine Geldsammlung unter den Mitgliedern der Gemeinde zu gleichem Zwecke eingeleitct. Die Israclitengemeinde zu Mantua hat 3000 Frcs, jene zu Rovigo 400 fl. beide Beträge zahlbar in 10 jährlichen Raten für die Familie Luzzato's votirt. Turin. Ritter Guiseppi Mondolfi aus Venedig hat einen Betrag von 1000 Lire als Ausstattungsgeschenk an 4 arme Mädchen, die zu Ende des Carnevals hier heirathcn werden, zu gleichen Theilcn bestimmt. London. Herr -Benjamin, Ex.- Sekretär der südlichen konföderiren Staaten Amerikas befasst sich jetzt eifrig mit dem Studium der englischen Gesetze und hofft eine Advokatenstelle in England zu erhalten. j * Wie das „Jewifch Chronikle "berichtet, beabsichtigt der! gefeierte Sir Moses Montefiore im nächsten Frühjahre eine i Reise nach Palästina zu unternehmen. Gleichzeitig wird auch der edle Albert Kohn aus Paris dort eintreffcn. Der Segen Gottes möge die beiden großen Männer, Zierden der jüdischen Nation, deren Reisezweck selbstverständlich das Wohl unserer Glaubensbrüder im heiligen Lande ist, auf ihrem Wege begleiten.__ Marokko. Während einer Jagdparthie, die der Prinz Alfred von England in der Nähe von Argilu unternahm, übernachtete Sr. Hoheit bei dem englischen Eonsularagenten jener Stadt, einem eingebornen jüdischen Kaufmann, Herrn BenSholon. Luchschau. 20. Josef, ein Spiegelbild des israel. Volkscharakters. Predigt am 9. Dezember 1865 2L"i rav im leopoldstädter Bethause der israel: Cultusgemeinde zu Wien, gehalten von Dr. S. H. Sonnenschein Rabbiner in Warasdin. Wien 1866. Wir haben bereits in Nr. 25 v. I. über die vorstehende Rede einen kurzen Bericht gebrächt, und wie sie uns nun nach ihrem ganzen Inhalte vorliegt, rechtfertigt sie vollkommen den Beifall, den sie bei dem intelligenten Publikum der Residenz gefunden hat. Der Redner greift aus dem Charakterbilde Josefs nicht einzelne Züge sondern die allgemeine Haltung in den Wechselfällen des Lebens, im Glücke und im Unglücke, die abwechselnd einen Abschnitt seiner Lebenszeit für sich ausschließlich in Anspruch nehmen, heraus, um sie mit dem Verhalten Israels in den Zeiten des langwährenden Druckes wie in den Tagen der jungen Freiheit zu vergleichen. Die Vergleichung ist einfach sinnig und geistvoll und bot dem begabten Redner Gelegenheit seine korrekte Behandlung biblischer Stoffe für die Kanzel in das schönste Licht zu setzen. Die Sprache ist edel und schwungvoll, und könnte manchen Rednern, die in der Exegese wie in der Form der Predigt das Gesuchte und Ueberschwenglichc lieben, als Muster empfohlen werden. Wir glauben unser Urtheil über die schöne Rede am besten zusammenzufaffen, wenn wir sagen, daß der Redner eine gule Schule hat, und die noch nicht gehörig formulirten Gesetze der Homiletik zur Aufgabe seines Studiums machte. Wenn wir nun in Ausübung einer unpartheiischen Kritik bemerken müssen, daß die Bezeichnung Patriarch für Josef — dessen Abkömmlinge, zu den verlornen 10 Stämmen gehören — ungeeignet erscheint, was auch der Verf. gefühlt haben muß, da er sie in einer Note zu rechtfertigen sucht, ferner, daß der Verfasser die von keinem andern Exegeten recipirtc Erklärung Aben Esras zu dem Satze 'Lp bl *]'D Sjn vielleicht nicht als feste Grundlage einer für die Predigt wichtigen Betrachtung hätte nehmen sollen — so erleidet durch diese Bemerkungen der Werth der Predigt, deren eigentlicher Zweck besonders bei einer Proberede der momentane Eindruck ist, durchaus keinen Abbruch. R. Concurs. Ein lediger geprüfter Lehrer, der zugleich LMtr>, rrnip und sin ist, kann mit Anfang des kommenden Sommersemesters unter guten Bedingnissen hier eine Anstellung finden. Nähere Auskunft ertheilt auf frankirte Zuschriften: Der Vorstand der isr. Cultns Gemeinde. Czkin pr. Wiuterberg. Ein Wiener Tenach sehr gut gehalten in 19 soliden Lederbändcn ist für 27 fl. ö. Währ, zu verkaufen. Wo? erfährt man bei der Administration des „Abendland." Briefkasten der Redaktion. Dr. M. in P. Ihr Aufsatz in nächster Nummer. Druck von Senders & Brandeis in Prag.