Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 3 (1.2.1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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19. Heinrich Heine und der Neuisraclitismus. Briefe v. Adolf Strodtmann, von Dr. Hcrrmann Schiff. 1866. „Ach eine Novität! Und welch versprechender Titel!" Doch rathe ich dir, freundlicher Leser, eile ja nicht sogleich in den Buchladcn, dieses Buch zu kaufen, cs könnte dich sonst der 20 Silbergroschcn und besonders der darauf verwendeten Zeit sehr reuen. Ich will dir ein kleines Geschichtchen erzählen. Einst sah jemand in der?68aell hagadah das Bild des Hohenpriesters Aaron dargestcllt mit der Räucherpfanne in der Hand und barfuß in den Tempel tretend; da ries er aus: Welche Jahreszeit ist denn eigentlich? Ist Sommer, warum trägt der einen Feuer- Kessel in der Hand? Ist Winter, warum geht der da barfuß? Ebenso muffen wir nach dem Durchlcscn des Buches fragen: Was ist Hr. Dr. Schiff? Ist er ein Neuisraelit, warum macht er den Ncnisraelitismus lächerlich? Ist er orthodox, und der Schimpf auf den NeuisraelitismuS, in welchem er erzogen wurde, gleicht jenem bekannten Biß, den ein Deliqucnt seiner Mutter für die schlechte Erziehung gab? nun warum spottet er des OrthodoxiSmus? Oder ist er ein Neuorthodox? Seine Unwissenheit in hebraicis könnte uns fast zu dieser Ansicht bringen; aber warum geht er mir dann koscher essen, wenn er kein Geld hat und wenn er einen jüdischen Traiteur am Sabbath leicht pumpen kann? Ja, ist er überhaupt Jude, warum ärgert er sich, daß Heine sich zuweilen der Juden annimmt und gegen Shakspcares „Kaufmann von Venedig" zu Felde zieht? So ist das Ganze voller Widersprüche; er ist in hebraicis ein schrecklicher Amhorez, der nicht einmal die Berocho über die Thora kennt; (so sagt er) und doch ist sein 10. Wort ein corrnmpirt Hebräisches! Sollte dieß sein, weil „alle Stumme das Meiste reden wollen? Er ist ein Freund Heines, hat, wie er selbst sagt, von Heine auch Gutes genossen und doch brauchten Heines Feinde nicht ärger als dieser Freund über ihn zu schimpfen! Wir wollen hier gerade nicht Heine weiß waschen; aber Heine hat doch, wie Schiff sagt, Schiffs Arbeiten öfter gelobt und Schiff hat kein Wort des Lobes für Heine! Was wollte der Verfasser also mit dem Buche? Wenn er in Allem räthselhaft ist, hier ist seine Absicht klar. Ein Buch wollte er machen und damit dieß noch um etwas dicker sei, bringt er uns sogar auf volle 3 Seiten den Stammbaum von seiner und Heines Familie! Als höherer Zweck schwebt ihm die Sclbstvergötterung vor. „Ich und Heine" komnit sehr häufig in dem Buche vor; das „Ich" also vor Heine, ergo über Heine, denkt der Verfasser, und ehrt ihr doch den Heine, als großen Dichter so seht doch ich stehe über Heine, was gebührt mir?" So denkt der Verfasser: Willst du lieber Leser nun hingehen und 20 Silbergroschen, als Opfcrspende dieser Selbstvergötterung darbringen? M. Stößel Professor. Pest. Die G e n e r a l v e r sa m m l u n g der Repräsentanten der hiesigen israel. Kultus gemeinde, die dieser Tage unter dem Vorsitze des- Gcmeindepräses, Herrn I. Lanyi, und in Anwesenheit des landesfürstlichen Kommissärs, Herrn Magistratsrathes v. H a m z a, im großen Saale des Tempelgebäudes stattgefunden, war ungewöhnlich zahlreich besucht; und ließ sich die erfreuliche Wahrnehmung machen, daß auch die früheren Vorsteher in ihrer dcrmaligen Eigenschaft als Repräsentanten an den Verhandlungen den lebhaftesten Antheil nahmen, was für eine gedeihliche Entwicklung der Gemcindezustände die beste Bürgschaft bietet. Das Gemeindebudget erhält sich, abgesehen von geringen Schwankungen nun schon geraume Zeit auf gleicher Höhe. Der Bedarf für das laufende Jahr beziffert sich auf die Summe von 88,315 fl. 60 kr. Hievon kommen auf die gottesdienstlichen Anstalten: 28,984 fl. 10 kr.; auf die Schulen 16,329 fl. 33 kr.; auf Armen- und Krankenpflege 17,979 fl. 70 kr.; Druck von Senders auf Administration und Oekonomie - Bedürfnisse 15,087 fl. 66 kr., endlich auf Zinscnbedarf und Amortisation 9934 fl. 21 kr. Von allen Posten des Voranschlages war nur der mit 1500 fl. angesetzte für einen zweiten Prediger Gegenstand einer längeren Debatte, die sich wesentlich mit der Präzisirung der von dem neuen Prediger im Verhältnisse zum bestehenden Rabbinate einzunehmenden Stellung beschäftigte. Nicht blos die zunehmende Seelenzahl der Gemeinde, sondern das Vedürfniß ungarischer Kanzelvorträge, das sich seit lange bei einem ansehnlichen Theile der Gemeinde und zumeist unter der studirenden Jugend geltend gemacht, so wie nicht minder die Oberleitung des vorwiegend ungarisch ertheilten Religionsunterrichtes, gestalteten die Berufung eines ungarischen Kanzelredners zu einer unabweislichen Nothwendigkeit, wie dieß auch in der That die beinahe einstimmige Beschlußfassung dieser ansehnlichen Versammlung zur Genüge dargethan hat. Ein geprüfter Lehrer, zugleich Religionslehrer, der bereits durch 4 Jahre an einer ist. d. Schule mit vorzüglichem Erfolg gewirkt, und mit vortrefflichen Zeugnissen sowohl als Lehrer der deutschen als böhmischen Sprache versehen ist, wünscht zum nächsten Sommerkurse an einer der öffentlichen Schulen Böhmens placirt zu werden. Auskunft ertheilt aus Gefälligkeit die Redaction dieses Blattes. Concurs. An der deutsch-hebräischen Schule zu Luck bei Buchau in Böhmen wird ein sittlich religiöser lediger Unterlehrer mit einem fixen Gehalte von 300 fl. ö. W. ausgenommen. Der Unterricht im Zeichnen und Singen ertheilen kann, wird bei gleicher Lehrfähigkeit bevorzugt. Die darauf Reflektirenden haben ihre eigenhändig geschriebenen Gesuche, wie auch die Zeugnisse und einen Nachweis über das Wo und Wie ihres Wirkens als Lehrer bis jetzt, längstens bis am 10. Feber l. I. an die israelitische Kultusvorstehung einzusenden. Luck den 16. Jänner 1866. Samuel Zentner Kullusvorsteher. Concurs. Bei der gefertigten Gemeinde ist die Stelle eines der remrr» und inip sein, und den hebräischen Unterricht der ersten Klasse besorgen muß, erledigt. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 250 fl. ö. W. nebst freier Wohnnng und Bezug der üblichen Emolumente für nasw verbunden. Bewerber wollen ihre mit Nöthigem belegte Bewerbungen bei diesem Vorstande franco einbringen und darauf die Aufforderung zur Präsentation abwarten. Reisespesen werden nnr dem Acccptirtcn vergütet. Kultusgcmeinde AciSkowitz Pr. Sobieslau in Böhmen 10. Jänner 1866. Der Kultusvorstand. Concurs. Ein lediger geprüfter Lehrer, der zugleich XT)p und sin ist, kann mit Anfang des kommenden Sommersemesters unter guten Bcdingnissen hier eine Anstellung finden. Nähere Auskunft ertheilt auf frankirte Zuschriften: Der Vorstand der isr. Cultus Gemeinde. Czkin pr. Winterberg. * Brandeis in Prag.