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Das Abendland · 1866-01-04 · 1 (4.1.1866) · p. Seite 8

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
1 (4.1.1866)
Date
1866-01-04
Page
Seite 8 (sequence 14)
Language
German
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— 8 — in den Hütten Israels wüthete mit dem Süßholzsaft ihrer leeren Phrasen löschen wollten. Wahre Priester des Herrn waren Moses und Aron, und gegen sie erhob sich eine Versammlung, die sich 'i b.Np „Gemeinde Gottes nannte. Schrecklich traf das göttliche Strafgericht die Rotte Korachs, sie wurde von der Erde verschlungen, ihr gehörte die Erde, und sie gehörte ganz der Erde, an dem Himmel hatte sie keinen Antheil. Vergegenwärtigen wir uns den Schauplatz des Schreckens. Israel ist in der Wüste, eine gleiche Kost nährt alle, gleiche Wünsche und Bestrebungen beseelen die Gemüther alle leiden gemeinschaftlich Mangel und Entbehrung, ein gleicher Schmerz durchdringt jede Brust. Eintracht und Gemeinsamkeit konnte ihre traurige Lage etwas mildern, innige Verbrüderung könnte ihnen das äußere Ungemach leichter ertragen lehren; doch Israel will es nicht, es wühlt lieber in seinem eigenen Fleische. Die Verführung, der Zweifel, der Neid, die Bosheit ziehen mit entfalteter Fahne, mit dem klingenden Spiele täuschender Worte durch das minderzählige schwache Lager Israels, um da jeden Hoffnungsstrahl des Seils zu verdunkeln. Ein schwarzes feisteres Blatt aus der eschichte unserer Ahnen, allein eine heilsame Warnungstafel, die uns zeigt, welchen Lastern auch in unserer Zeit die Zerstückelung und Zerrissenheit ihre Entstehung danken. Unsere alten Weisen, die Talmudlehrer fassen zuweilen mehrere, nach Zeit und Raum von einander weit entfernte Punkte in der Bibel wegen ihrer Aehnlichkeit zusammen, und beurkunden dabei einen seltenen Scharfblick in die Thatsachen; sie lehnen ihre Betrachtungen und Anschauungen oft an einen ähnlichen Ausdruck, oft an ein einzelnes Wort, allein Wort und Ausdruck sind ihnen nicht immer die Hauptsache, sondern nur zufällige äußerliche Hüllen für den Kern des Gedankens. Folgende Bemerkung, die wir von ihnen lesen, ist ein Beleg für unsere Auffassung der agadischen Lchrweise. 0\*lbx *1»X '3 PjX L>N3N ,S]X3 1*73X1 S]X3 jnrßtP l*7p3'X sbn N37 px bx >6 p]X ,.*np my 'öibns '3X f]x n*Qixn .-inDX nx-3.1 xb p]x |en ,1^311 „Vier haben mit dem Wörtchen?|X „auch" begönne», und durch dieses Wörtchen sind sie auch zu Grunde gegangen, die Schlange im Paradiese, der Mundbäcker Pharaos, die Rotte Korachs und Haman." ‘ Die Schlange, das Bild der leibhaftigen Verführung, sie sprach D'nbx *V2X '3 f]X. „Auch das hat Gott verbothen; auch dem sollst du dich entziehen, auch diese Vergnügungen und Freuden sollst du nicht genießen, nur Entbehrung und Entsagung auf allen deinen Schritten. So ruft die Stimme der Verführung, wenn sie Tugend und Unschuld in ihr Retz sangen will, sie stellt die Sünde mit den glänzendesten Farben dar, sie sucht die Lust zu wecken, die Begierde zu erregen. Die Jugend vorzüglich im Alter der Entwicklung will gerne die Laster der ältern Nebenmenschen nachahmcn sie eilt von Genuß zu Genuß, um bald in Ueberdruß und Ekel zu verfallen. Ein Gegenstand erregt ihr Verlangen, da will sie ihn haben, und hat sie ihn erreicht, sinnt sie schon auf einen andern, den will sie a n ch. Ihr Losungswort und ihre Parole ist auch f}X und durch dieses auch geht sie auch zu Grunde. ksX3 ITVI Die Bibel erzählt uns nichts näheres vom Mundbäckcr Pharaos, wenige Worte lieferte sie uns zu seiner Charakteristik, wenig Striche und Farben, die sein Bild zeichnen. Die ältern Bibelerklärer sehen in den Worten c'Dixn x*vi *ine 3its 'S. „Der Mundbäcker sah, daß Joseph gut deutete also darin, daß er erst abwartcte, wie Joseph den Traum des Mundschenks deuten würde. Der Zweifel, das Mißtrauen, der Mangel an Zutrauen. Den Menschen fehlt gar oft die Hingebung, das Vertrauen. Der Zweifel zerstört die Glaubenskeime, erschüttert den Muth in ungünstigen Schicksalen: solche Zweifler denken nicht, daß die verhüllten Schicksale der Menschen nur durch innigen Glauben verstanden, und gedeutet werden, der Zweifel verdüstert den Sinn, der Glaube macht selig, der Glaube beglückt, der Zweifel macht unglücklich. Der Zweifel fragt immer f]X. Auch das könnte sein? Auch das wäre möglich? und durch den Zweifel sinken sie in den Abgrund esX3 ITH. Bei der Rotte Korachs zeigte sich wahrhaft der Neid und die Mißgunst. — Was ein anderer hat und was er ist, will der Neidische auch, er spricht immer nur F|x auch, eine solche Gesinnung führt zu den größten Lastern und richtet den Menschen, dem sie eigen ist, zu Grunde ^2 nwi. Vollends Haman dieser Auswurf der Menschheit, die personificirte Bosheit der blinde Haß, der gar keinen Grund hat, und nicht einmal einen Grund sucht, der keine Gelegenheit vorübcrgehen läßt, den Gegenstand seiner Abneigung zu verfolgen, der jede Gelegenheit ergreift, ihn zu verdächtigen, dem kein Mittel zu schlecht ist, der nur immer spricht?]X. Das dient au ch meinen Zwecken. Ein solcher Haman geht gewiß zu Grunde, sein Sturz bleibt nicht aus. Diese Krebsschäden der Tugend, diese Flecken, welche den reinen Himmel der Religion trüben müssen fern gehalten werden Gott der Herr schütze uns vor der Verführung, vor dein Zweifel, vor dem Neide wie vor dem blinden Haffe; alle diese Laster führen zum Untergänge; wohl dem der von ihnen frei ist. — Oeffentlicher Dank. Yirtuti corona. Der Gefertigte von einer großen Anzahl seiner Glaubensgenossen mit der Uebermittelung der Palästinensischen Unterstützungsgelder betraut, fühlt sich sehr angenehm verpflichtet dem Herrn Vorsteher der Jsraelit.- Cultusgemeinde zuNachod Herru Isaak S. Pick sowie dem Herrn Religionslehrer M. Goldmann daselbst. Namens dieser Heiligen Sache den Dank und die Anerkennung für ihre edlen Bemühungen auszusprechen. Dieselben streben unausgesetzt für das Wohl unserer armen Glaubensgenossen in Jerusalem, und haben wirklich ihrer relativ kleinern Gemeinde dieses jenem jüdischen Wohlthätigkeitszweige, trotz sehr vieler rühmlichen Ausnahmen im Allgemeinen nicht sehr geneigten Kronlandes sehr Erhebliches und Bedeutendes geleichtet, mögen sie auch ferner recht glücklich in ihrem edlen Bestreben sein, mögen die w. Gcmeindcmitglieder daselbst auch ferner so edle Bruderthat üben, und die Genugthuung haben — recht viel Nachahmung zu finden. 1)r. Israel Hildesheimer. Rabbiner in Eikeustadt und Ungarn. So eben ist erschienen pnr Trauungsredm von Nab-. Ig. W. Aak zu beziehen durch die Buchhandlung des Jaeob W. Pascheles und durch die des D. Ehrmann in Prag, Geistgasse. Preis.50 kr. ö. W. > —-;- In der Buchdruckerei von Senders & Wraildeis ist erschienen und durch sic zu beziehen: Die 2. Auflage: Die ist. Cultusgemeinde in Prag und ihre Repräsentanz. Line zeitgemäße Arochüre von Einem der die Wahrheit liebt. Preis 20 kr. mit Postzusendung 25 kr. ö. W. Letzterer Betrag kann auch in k. k. Briefmarken eingesendet _ mbin Druck von Sender» * Brand ei» in Prag./^J?-., - , £■-*/' ■ ' V' .vA— .W/

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