Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 24 (7.12.1865)
- Date
- 1865-12-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. 24 ffirnfl den 7. Pc^mßcr 1865. II. Aahrgang. ^n\^ ■ ffr /!) •4^ Lcnü'lil-Grgnii für nllc zeil^cmäßcn Interessen des Iudculhmis. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Oicdaktcur: A. ^5!)NNaNN. bctrflfl g ■.jiäbriji :J fl., halbjährig 1 fl. 50 fr., vierteljährig 80 kr. mit Postzilsen-iiilg und Zustellung in'Z »Llnni, nnu:i 9 Tlifr Jiiilhi i T|i[r i.'i Mr. — (fri‘rlifiitf oiii 9. miö 4. T'onnmtiia de4 Monats. —- *ni; f..j Ausland aanzi. 2 Ihlr.. halbj.! ühlr. lä ttr. — (irfrficint am 2. lind 4. Donnerstag des Monats. — Administration Kriitgaffe Nr. 908—l. — Inserate werde» billigst brrcdjnft. An die geehrten K'ser!?llS wir vor wenigen Wochen die Redaktion deS „Abendland" übernahnien, siellten wir unS die Aufgabe, diesem Blatte durch Mannigfaltigkeit und Gediegenheit des Inhalts jene Bedctuung zu verschaflcn. durch die eS eine,' nutz, brin enden, wohlthätigen Einfluß auf das gcfammte jüdische Leben auSüben kann. Ein Blatt, welches die Gesammtintcresseu JudenlhumS in den KreiS seiner Besprechung zieht, kann am w nigstcn, wenn eS seinem Zwecke entsprechen soll, einseitig sein , eS dar' seine Thätigkcit einem einzelnen Stade oder Berufe weder ausschließlich zuwcndcn noch gänzlich entziehen, eS n uß jedermann etwas bicthen; jeder Jsraclite ohne Unterschied der Stellung und d.s geistigen BildungSg a» deS muß darin eine Anregung finden, die geeignet ist, seine Theilnahme für das Judcnlhum und seine Be kenner wach zu rufen und zu steigern. DaS Judenthum ist ein Ganze-, Ungelhci.rcS; eS ist ein kräftiger frischer Baum, dessen Wurzel in uralter Vergangenheit ruht, dessen blühende Aeslc und Zweige in die neue Zeit, in das moderne Leben hincinragen, um sich immer mehr in Pracht und Kraft zu entfalten. Die Wur "l ist es, die den Zweigen it re Lebenssäfte zusnhrt, die Zweige sind eS, die der Wurzel Schmuck ui-d Krone aufsetzen.' Wenn irgendwo, so sind in, Judcnthume Vergangenheit und Zu» kunft eng verschwistcrt, und ein jüdisches Organ muß beide ins Auge fassen, darf keine von beiden aus feinem Gesichts» Jrcij'c verlieren, hier darf die historische Eontinuität nicht unterbrochen werden, wenn eS überhaupt seine praktische Wirksamkeit nicht als etwas Nebensächliches betrachtet. Ein wissenschaftliches Blatt, das nur aus Büchergelchrfamkeit seine Nahrung fd pft, 1 irt», wie schätzbar eS auch als FachblaN fe ' mag, das größere Publikum eben so wenig befriedigen, alein flock S phrasenrcichcS, da-. forcirtcr Geistesschärfe an geringfügigen Ereignisse, aus dem. ersten besten Jour» nalartikel eine Zeilfragc macht, für die Dauer den intelligenten Leser, dem Geschichte und Institutionen des JudcnthumS nicht ganz fremd find, fesseln könnte, Nach beiden Richtungen hin zu genügen, wird unser ernstliches Streben sein. DaS Abendland wird alle Ereignisse und Neuigkeiten auf jüdischem Gebiethe treulich berichten, alle Fragen in Synagoge, Schule und im Gc'ncindelebcn, wie sie die Gegenwart hcvorruft, mit Aufmerksamkeit und Unparthcilichkeit verfolgen, zugleich aber durch belehrende Aufsätze in populärer und lebcnSfrischcr Darstellung zur Klärung dieser Fragen und zur Förderung der Dhcilnahme an dem Judcnthume und seine Bekenner beitragen. Die neuen Erscheinungen der jüdischen Literatur, die ein jüdisches Blatt nicht unbeachtet lassen darf, werden eine unparthcische Besprechung finden, und belletristische Aufsätze, dem jüdischen Leben entnommen, sollen auch der Unterhaltung und Erheiterung deS LcscrS Rechnung tragen. Ist ein solches Organ im Allgemeinen für jeden gebildeten Israeliten von Nutzen, so ist cS in unserem engcrn Vatcrlande ein wahres Be ürfniß. Böhmen, im Vollbesitze d r confessioncUcn Gleichberechtigung, mit einer durchwegs intelligenten jüdischen Bevölkerung, in der die Verschiedenheit der Ansichten auf religiösem Gediehe nicht jenen schroffen Eharaklcr annimt, der anderwärts oft zur Parthcicnwulh, zu leidenschaftlichen excessiven Kämpfen führt, mit seinen rahlrcichcn im Werden begriffenen Gemeinden, bedarf cineS Organs, das tvegweisend und belehrend, vermittclnd und aufklärend, mit Wahrhaftigkeit und Objektivität die jüdischen Interessen vertritt, und wenn überhaupt in unserer Zeit der Eisenbahnen und Dclegra.hcn, die d n Gedanken mit nie geahnter Schnelligkeit in die weiteste Ferne tragen, ans den Ort, wo ein Journal ersmcir.t, ein Gewicht zu legen ist, so ist gewiß die Hauptstadt Böhmens der geeigneteste Platz in der ganzen österreichischen Monarchie für ein jüdisch-journalistische- Unternehmen. Prag, eine der ältesten und zahlreichsten jüdischen Gemeinden der Welt, mit ihren l istorisc-'cn Erinnerungen, mit ihren vielen religiösen Institutionen und WohlthatigkeitSanstalten, jetzt wie seit den ältesten Zeiten der ^itz jüdischer Gelehrsamkeit, in der Gegenwart hervorragend durch eine alle Schichten der Bevölkerung durchdringende, auf der Höhe der Zeit stehende Intelligenz, ist sicherlich ein passender FokuS für die Lichtstrahlen deS Geistes, um von da ai S daS jüdische Leben zu beleuchten und zu erwärmen. Wir wcrd.n kein: Mühe und keine Kosten sparen, um daS „Abendland" zu einem beliebten, gern gelesenen Blatte zu machen, geben nnS aber auch der Hoffnung hin, daß unsere Glaubensgenossen daS kleine Gcldopfer, welches der geringe AbonnemcntsprciS des Blattes verlangt, ein Opfer, daS sich ihnen vielfach verwcrthet, und doch kaum einen Kreuzer pr. Dag beträgt, mit Freuden bringen werden. Die A. onnementSbcdingungen finden sich an der Spitze deS Blatte- und bitten wir um rechtzeitige Bestellung um die Auflage des Blattes darnach bestimmen zu können. (Ariefe, Zeitungen und Hctdfendnngen sind franco zu richten: Ln die "Redaktion des , Lbc: dtand" in "Frag Heisigasse Aro. 908—1.) D. Ehrmann Redakteur deS „Aendlaud.