Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 21 (26.10.1865)
- Date
- 1865-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'glr. 21. den 26. Oktober 1865. FL Jahrgang. Mi ** Ccntral-Grgan für uUe zettgtmaßcn Intcrejscu des Iudenlhums. Vcrlcgcr, Eigenthütner lind verantwortlicher Redakteur: ^ö!)NNaNN. Prännmrratiolitzbrtrag ganzjährig fl., halbjährig 1 fl. 50 fr., vierteljährig bü fr. mit Postzusendung und Zustellung in’i (xuil; für'- Ausland ganzj. 2 Ihle.. halbj. 1 Ihlr. 15 Kr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration Keiflgasse Nr. 008—l. — Inserate wrrdrn billigst berechnet. ^ur Gründung eines neuen Lercins. Prag inl STctobcr 1865. In dem Maaßc als Eultur und Gesittung unter den Menschen zunahmen, als der Sonnenstrahl der Aufklärung sich durch die stacht der Bor rtheile Bahn brach, gab sich bei allen gebildeten Nationen das Streben kund, die Men--' feben durch die Bande der Liebe und Humanität zu vereinen, und jene Hindernisse zu beseitigen, die der Zufall der Geburt, die Verschiedenheit d r Stände, die Laune dcS Geschicke bei der Bcrthcilnng der irdischen Güter, dem geistigen und moralischen Fortschritte der Menschheit in den Weg legen. Der Staat, der sich seiner heiligsten Aufgabe, die Förderung des allgemeinen Wohls bewußt ist, sucht dieses .Etrr'en, soweit sein Einfluß auf die Willensfreiheit des Einzelnen reicht, durch weise Gesetze zu fördern; er sorgt für Erziehung und Unterricht durch Gründung von Pflanzstätten der Sittlichkeit nn^ der Bildnn^,-er-wendeGstinv So^falt dem leidenden und unglücklichen Theilc der Menschheit zu durch Errichtung hulnanitärcr Anstalten und legt auf diese Weise den festen Grund für den weitern stattlichen Ausbau, den die Intelligenz und die Moralität, also Kopf und Her; der Bürger mit emsiger Hand aufführcn, und durch den eine Station sich ihr unz.rstörbarcS Ehrendenkmal in der Weltgeschichte errichtet. Allein auch diese Privatthätigkcit, wie wir sic im Gegensätze zu der Fürsorge und Leitung des Staats nennen möchten, kann ebenfalls nur durch vereinte Kräfte zu einem günstigen Resultate führen, nur durch das Zusammenwirken vieler für ihre Aufgabe begeisterter und ihrem Berufe gewachsener Individuen zur Blüthe gelangen. Die vcrcinzelntc Kraft und wäre sic noch so bedeutend, vermag wohl viel deS Guten zu schaffen, doch nicht zu erhalten. Die isolirte Wirksamkeit erlischt und stirbt hätifig mit ihrem Träger, und nicht immer gelangt der Keim zur gewünschten Entwicklung, nicht immer fällt die atlsgcsrrcute Saat auf einen empfänglichen Boden, erst durch die Association erhält ein gutes Streben das rechte Leben, und wird so mit der Zeit ein bedeutender Faktor in dem Eultnrzustand eines Volkes. So entwickelte sich naturgemäß das Vcrcinswcscn, welches bereits im Altcrthumc Wurzel faßte, und sich unter verschiedenen Formen und Gestaltm: i.:n durch die ganze. Geschichte.der Menschheit zieht. In der neuern Zeit gelangte c.^ zu einer Entwicklung und Ausdehnung wie, niemals frü-. ht!-. und ist so innig mit der Bewegung der Geister verw bscn, daß wohl niemand seinen Einfluß auf das öffentliche Leben bezweifeln dürfte. Für jedes Interesse, daS den Geist erregt, schaarcn sich die Gleichgesinnten zusammen, und beinahe jeder Tag des Jahres ist der Geburtstag eines neuen Vereins. Beleuchten wir nun das Vercinswescn, wie es sich im Iudenthume entwickelte, so'm'uß wohl jedermann anerkennen, daß cs mit sc:, er Geschichte eng vcrioachscn ist. Gelähmt in' seiner Wirksamkeit nach außen, mußte der Jude in früheren Zeiten seine edlen Kräfte im Innern sammeln und konrentrircn, und je weniger er ein Gegenstand der Lst'entlichen Fürsorge war, desto eifriger und'thätiger mußte er für sich selbst sorgen. Selbst die Befriedigung seiner religiösen Bedürfnisse konnte er bei der Ungunst der Zeiten nur auf diesem Wege erreichen, und eS ist notorisch, daß unsere Glaubensgenossen in dieser Beziehung auch in unfern Tagen eine rühmliche Rührigkeit zeigen. Wo immer ein kleines Häuflein in einem Orte wohnt, hat es sich schnell zu einem religiösen Verbände konslituirt. In Staaten, wo die konfcßionelle Gleichberechtigung schon längst ein überwundener Standpunkt ist, wie in Ländern, wo noch Ansnahmsgesetze auf dem Juden lasten, gibt sich derselbe Bereinigungstrieb zur Bildung religiöser Gemeinschaften kund. Die jüdische Presse Amerikas hat jeden Tag von der Bildung einer neuen Gemeinde zu berichten, und eS ist staunenswcrth, welches jüdische Leben in einem Lande pulsirt, wo der Jude vom politischen Standpunkte ans betrachtet, ganz in dem Staalsb: rgcr' äufgehtT GekstiH f u' In. [ft cf' X ■ ekrachfflifpTTüf wohlthätigen Vereine über, so liegt es wohl in der Natur der S-ache, daß sic im Iudenthume Pflege fanden, und'auch eine durch die Verhältnisse zugewiesene Wirkungssphäre erlangen mußten. Mau könnte beinahe sagen, wohlthätigc Vereine-seien Pflanzen, die auf jüdischem Boden entsprossen, auch da vorzüglich gedeihen. Es gibt selten eine etwas größere jüdische Gemeinde, die nicht in ihrer Mitte mehrere Hnmanitätsvercine für Armcnvcrsorgung, Krankenpflege, Lcichcnbcstattung dc. zählt. In Böhmen ist es wieder die isracl. Eultusgcmcindc der Hauptstadt, die wie in manch' anderer Beziehnng auch in diesem Punkte den übrigen Gemeinden des Landes als nachahmungswürdiges Muster vorauleuchtet. Die Präger Gemeinde hat eine nahmhafte Anzahl derartiger Verein . die eine rühmliche Thätigkeit kund geben, an deren Spitze fromme Männer stehen, die mit vielen Opfern an Zeit und Geld die Vercinszwccke fördern. In dieser Richtung bleibt kaum etwas zu wünjchcn übrig. <. Gehen wir nun zu jenen Vereinen über, die geistige Zwecke verfolgen, die man füglich wissenschaftliche Vereine nennen könnte, so ist es klar, daß hierin von einer Absonderung der Juden nicht die Rede sein könne. Die Wissenschaft ist eine allgemeine, nicht an eine Eonfeßion gebunden, und was sie zu Tage fordert, ist Gemeingut der gebildeten Menschheit. Insofcrne niinmt der Jude Antheil an der Rührigkeit der Zeit, und wir hören es lieber von anderer ^cite sagen, ob er seinen Platz mit Ehren anefüllt. Doch gibt cs einen Zweig der Wissenschaft, der, weil noch nicht zur gehörigen allgemeinen Geltung und Würdigung gelangt und tief in die geistigen Interessen eingreifend, vorzugsweise der Pflege der Israe'.itcn obliegt, cs ist dicßdicjüdische Wissenschaft oder Kcniikniß und Erforschung alles dessen, was das Judenthum berührt. Bei der Anerkennung, die mau den "gedungenen Leistungen auf diesem Gcbiethe in neuerer Zeit zollen muß, dürfen wir es uns nicht verhehlen, daß uamcut-