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Das Abendland · 1865-08-10 · 16 (10.8.1865) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
16 (10.8.1865)
Date
1865-08-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ar. 16. Arag den 10. Lugust 1865. H Jahrgang. Das Abcii-laiid Eentral-Grgan für alle zeitgemäßen Interressen des Iudenthnms. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: Isaak Bloch. PränumerationSbctrag ganzjährig 3 fl., Iialbjäljrii) 1 fl. 30 fr. mit Postzuseudung und Zastelliing i'n's -Hans. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. — Administration Rittergasse Kr. 408—l. zu „3 Kronen," wohin alle Geldsendungen, Briese und Reelamatiouen zu richten sind. Än alle Freunde Mit Befriedigung dürfen wir aus die gegenwärtige Stellung der Inden und dcS IudenthumS Hinblicken, die Resultate eines langen schweren Kampfes liegen vor uns, zum Theil sind sie in der nächsten Zukunft zu erwarten. Bor dem erleuchteten Meiste unserer Zeit sind, wie ans anderen Gebieten, die willkürlichen Schranken gefallen, welche uns von der wollen Bcthcilignng am Baterlandc ausgeschlossen, und wo sie auch nicht ganz gefallen, da sind sic doch so morsch geworden, daß sic, nur künstlich erhalten, dem ersten starken Luftzüge nicht widerstehen können. Bei dieser glücklichen Wendung der Dinge versäumen die . Bekenner dcS IudenthumS nirgends, ihre volle Thcilnahmc an den Angelegenheiten dcS Vaterlandes an den Tag zu legen, sich als ebenbürtige, hingcbcndc, opscrwillige Söhne desselben zu bekunden. Allein eine ReligionSgenosseuschaft hat auch noch die andere Pflicht, von ihrem eigcnthümlichcn Standpunkte aus ihren Beitrag zur Förderung der höher» Lebenszwecke der Menschheit zu bewähren, und sie kann die» nur durch Zusammennchmcn aller ihrer Kräfte und Organe, durch die Gesammtwirksamkeit aller ihrer Bekenner. In der Zersplitterung erlahmen selbst die besten Kräfte, nur in der Bereinigung kann eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltet werden. Und das gilt namentlich von einer ReligionSgenossenschaft, die aus einer vcrhältnißmäßig geringen, nach den verschiedensten Gegenden gespaltenen Minorität besteht; von einer ReligionSgenossenschaft, die der Machtmittel einer herrschenden Kirche entbehrt. Wenn in der früher» Zeit der schwer lastende Druck die Genossenschaft zusammenhielt, daS Bewußtsein der geistigen Einheit erhöhte, so müssen wir in unseren Tagen darauf bedacht sein, daß bei dem Schwinden der äußeren Bande nicht auch daS geistige Band mehr und mehr gelockert werde. Dieses Bcdürfniß hat unter den Inden anderer Länder, die schon längst und im erhöhten Maße sich der bürgerlichen Gleichstellung erfreuen, seinen Ausdruck gefunden und sich Organe geschaffen, je nach der Eigcnthümlichkcit jener Länder. In Frankreich besteht die Alliance isradlite universelle, welche sich die Aufgabe stellt, überall für die Gleichstellung und den sittlichen. Fortschritt der Juden zu wirken, denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hilfe angcdeihcn zu lassen, jeder Schrift ihre Unterstützung zu gewähren, welche gcignet ist, diese Resultate hcrbcizuführcn. England hat seinen Hoard of deputies und seine Jewish association for the ditiusion of religions kuwledge, welche, wie cS scheint, dem Eindringen der Mission zu wehren bestimmt ist. Deutschland darf sich rühmen, seit fast einem Jahrhundert in den Bestrebungen für den geistigen Aufschwung der Juden und des IudenthumS im Vordergründe zu ste hen; allein es entbehrt der Bereinigung, die cS den Bekennern des IudenthumS möglich macht, durch Zusammenwirken heilsame Resultate zu erzielen. Die Juden Deutschlands haben daher keine Gcsammlhcit aufzuweiien, die der des Zudenthums. Bedeutung ihrer Stellung entspricht; ein jeder Versuch, etwas zu thun, was ein Ausdruck des GcsammtbewußtscinS fein sollte, entbehrt aus Mangel an cjnigcnden und anrc g-'ndcn Mittelpunkten dcS entsprechenden Erfolgs. Aber nur daS einige Wirken erwirbt Achtung, während fcueS oder schlaffes Zurückzichcn auch dcu gcrcchtestcu Ausprüchcu die Hoffnung auf Befriedigung raubt. Der deutsche Geist hat auch innerhalb deS Iudcnthnms seinen' Beruf bewährt, daS Wisse» weithin zu verbreiten, eS zu erweitern und zu vertreten. Männer in den verschiedet: stcn Lebensstellungen haben durch ihre tiefe Einsicht in die Literatur dcS IudcuthumS und durch die Wärme, mit der sie dasselbe nack) Außen hin vertreten, der gcsammtcn GlaubcnSgcnossenschaft wesentliche Dienste geleistet, ihre Ehre und ihr Selbstgefühl gehoben. Solche Männer werden seltener und sie werden gänzlich schwinden, wenn nicht dafür Sorge getragen wird, daß die Kenntnis des IudenthumS -in weiten» Kreisen Pflege findet. Dtc VtssenttMsr serM,"Mlln auch nur einzelne besonders Begabte ihre Träger und För derer sind, bedarf jedoch allscitiger Pflege, liebevoller Er muntcrung, hie und da auch der kräftigen Unterstützung; sie bedarf vor allem der Anstalten, in denen die Anleitung zu ihr gegeben wird. Die alten Stätten jüdischen Wissens sind zerfallen, sic würden nach ihrer alten Einrichtung auch nicht mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechen. "Rene Pflanzstätten des Geistes sind im Iudcnthum höchst spärlich vorhanden. DaS hohe geistige Erbe, welches ihm übergeben worden, hat dasselbe stets mit Hingebung gepflegt; eS war dadurch ein bedeutender Faktor in dem großen gei stigen EntwickclungSgange der Menschheit. Unsere Pflicht ist eS, unS diese Krone nicht vom Haupte nehmen zu lassen. Die Pflege des Geistes bleibt die Macht, nach der wir rin gen, durch die wir als wirksames Glied der Menschheit uns bewähren. So ist cS denn sehr Zeit, daß wir unS der Schlaff heit entwinden, daß wir mit Ernst die Kräfte sammeln, um eine unser würdige Stellung einzunchmen. Freie Bereinigung ist das große Wort unserer Zeit. Ein „Verein s.tr allgemeine Angelegenheiten des Juden t h u m S" als Organ des Zusammenwirkens thut Roth. Er werde der Mittelpunkt, an den sich in kleineren Kreisen Vereine zu gleichen Zwecken anschlicßcn. Die Ver^mmlnng, welche am 12. Juli in Frankfurt a. M. geugt, hat im Bcrtrauen, daß das Bcdürfniß, welches sie zus.mmengesührt, weithin Anklang findet, sich zu einem solche' Verein konstituirt unter den nachfolgenden Bcstimmun^n! Darlänfigcs Statut des in Jyrnnfmrt am Main gegründeten Vereins für allgemeine Angelegenheiten des IndenllMs. §. 1. Der Verein fj/t allgemeine Angelegen heit des IudenthumS hat den Zweck, für die Bekenner 16

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