Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 13 (22.6.1865)
- Date
- 1865-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M. 13. -Frag den 22. Zuni 1865. II Jahrgang, .Lcnlral-Grgaii für alle zeitgemäße» Jnlcrresscn des 2uLcnlhmns. Verleger, Cigenthümer und verantwortlicher Redakteur: Isaak Bloch. Präiiumerationsbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig l fl. 50 kr. mit Postzusendurrg und Zustellung in'S Hans. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag deö Monats. — Administration bei Senders & Braudeis, Buchdruckerei Rittcrgasse Nr. 408—l. rn „3 Kronen," wohin alle Geldsendungen, Briese und Reclamationen zu richten sind. Prällilinerutiollöiuizcige. Mit 1. Juli l. I. beginnt das halbjährige Abonement aus die bei uns erscheinenden Zeitschriften: „Dcborah" und „Abendland." — Man pränumerirt aus die Deborahallein: Jährlich mit.,4 fl.. halbjährig mit 2 fl. ö. W. auf das Abendland allein „ „ 3 „ „ „ 1 fl. 50 kr. zusammen kosten beide „ „ 6 „ „ „ 3 fl. und erhalten, ganzjährige Abonnenten auf beide Blätter 1 Exemplar „Noami" von FanniNeuda als Prämie gegen Einsendung von 14 kr. Porto. . Administration . der „Deborah" und des „Abendland" bei Lenders 65 Brandeis : < : .Rittergassc Nr. 408—I;u „drei Kronen" __ 8er rechte Geist und war das Thema einer Predigt, die wir Sonnabend, den 10. d. in der Meisel-Synagoge vom Prediger Herrn Dr. Stein hörten, und die auf uns und alle Hörer einen so ergreifenden Eindruck machte, daß wir den Lesern unseres Blattes einen Dienst damit zu erweisen glauben, wenn wir das Gehörte hier aus dem Gedächrniße reproduziren. Num. 11, 12—29 wird er;ählt: Ans Gottes Geheiß habe Moses 70 Aclteste erwählt, die neben ihm, mit seiner Bewilligung und in seinem Geiste als Propheten wirken sollten, als aber außer Diesen, gleichsam privilegirten noch andere Männer, Eldad und Mcdad, in seiner Abwesenheit und unabhängig von ihm, als Prophe.'en austraten, schritt Moses nicht, wie man es von ihm begehrte, gegen sie ein, sondern sprach vielmehr Rn Wunsch aue: „Wären doch nur das ganze Volk Propheten". — Hieraus leitete der Redner den Grundsatz ab: Der rechte Gottesgeist bewährt sich als Freiheit und Ordnung. Freiheit ist das Hervortreten der Kraft in u n c i n g e s ch r ü n k t er E n tfa ltun g, in ungehemmter schöpferischer Wirksamkeit.— Ordnung ist das gesetzmäßige Verhalten der Dinge neben- und untereinander. In Gott und in seinen Werken sind beide eins, dem Menschengeiste erscheinen sie getrennt. — Während Gotten Allmachtsfnlle, Wesen ohne Zahl und Maß entstehen läßt, erhält seine Weisheit sie alle in wohlgeordnetem Verhältnis. So finden wir nach der Darstellung der heiligen Schrift den Gottcsgeist webend über dem Schwall der werdenden Dinge, schaffend und ordnend zugleich ihre genau bestimmten Bahnen nach.un rbrüchlichcm Gesetze.' So treffen wir bei jedem Schritt aus n.iscr.r Erde cm unaufhörliches Entstehen, Treiben und Wachsen und doch wohlgegliedcrte Thcilung, Verbindung und Trennung. Während die Massen der Erscheinungen unfern Geist zum Staunen der rechte Geistliche zum Anbctcn drängt, werden unsere Sinne erfreut durch Schönheit, unser Gcmüth beschwichtigt durch Harmonie. — Freiheit und Ordnung ist eins-dem Menschen ist dieß ein Geheimniß, er kanns nicht fassen. Wäre er im Stande es zu begreifen — so wäre er selber — ein Gott. — Aber er fühlt sich aufgefordert zur Gottesähnlichkeit, der Geist in ihm treibt ihn, sein Leben zu gestalten, zu wirken und zu schaffen in Freiheit und in Ordnung, wie Gott. DaS ist auch Absicht und Zweck der Religion, wie sie in der Lehre Moses gcosfenbart ist. Der Geist sei frei, die Personen und die Dinge wohlgeordnet.— Den. Aeußerungen des Geistes dürfen keine Schranken gesetzt werden, die Thaten seien dem Gesetze unterworfen. — Frei sei das Denken, frei das Wort, gebunden nur die Person und ihr Werk. Darum erzählt uns die Lehre, Moses, der Träger der Religion in welcher der Geist Gottes sich mächtig erwiesen wie in keinem Menschen, habe in seiner Wirksamkeit durch ungünstige Verhälmisse gehemmt, durch widerstrebende Gesinnungen behindert, sich genöthigt gesehen, die ihm anvertraute Gewalt zn theilen, seine Machtvollkommenheit auf einen Senat übertragen zu lauen.-Dies geschieht nach Gottes Verordnung so, daß dem Ansehen Moses auch nicht der geringste Abbruch widerfährt. Er erwählt diese 70 Senatoren, sie stellen sich auf, ringö um sein Zelt, s.'lnem Geiste entnommen, wird ihr Geist, in welchem sie wahrsagen mH sein Geheiß. — Wäre das und nichts anderes geschehen, so hätte darin die Kundgebung gefunden werden müssen, der Geist Gottes gehe auf im Geiste Moses, -des-,Menschen, in Diesem ' Manne seien ihnr Schranken aufgcstcli.. fortan könne nur eine ihm untergeordnete, keine neben ihm, geschweige gegen ihn gerichtete Gcistesthätigkeit sich offenbaren. — Aber siehe da! — Reben ihm, unabhängig vontthm, treten zwei Propheten auf, die nicht-wie die 70