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Das Abendland · 1865-05-11 · 10 (11.5.1865) · p. Seite 90

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
10 (11.5.1865)
Date
1865-05-11
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
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-»-Js — 1)0 — eines ihrer wackersten und achtbarsten Mitbürger, des Herrn Karl Winternitz, Associe der Handelsfirma Brüder Winternitz & Gutfrcund in Königinhof einen tieffühlcnden Verlust. Herr Karl Wintcrnitz erkrankte am 3. April an Bauchfellentzündung, wahrscheinlich in Folge einer bei dem 14 Tage zuvor bei sehr rauhem Wetter stattgefundeneu Leichenbegängnisse seiner biederen Mutter sich zugezogenen Erkältung, und trotz aller angewendetcn ärztlichen Mühe (es wurde auch Professor Halla aus Prag hichcr beordert) machte die Krankheit doch solche rapide Fortschritte, daß Herr Winternitz nach achttägigem Krankenlager seinen Schmerzen erlag. Ich kann bei dieser (Gelegenheit nicht unerwähnt lassen die wahre, nngeheucheltc Theilnahmc, die sich während seiner Krankheit, und besonders bei der Nachricht von dessen Hinscheiden in allen Schichten der Bevölkerung kund gab, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß man aus den Mienen jedes Einzelnen lesen konnte, er habe in dem Verblichenen einen thcuern, warmen Freund verloren. Das Leichenbegängnis; fand am 13. um 8 Uhr Morgens statt, und von nah und fern strömte eine große Menschenmenge herbei, um dem Hingeschiedenen noch die letzte Ehre ihrer Begleitung zu erweisen. Unter den Anwesenden bemerkte man sämmtliche Beamte des hiesigen k. k. Bezirksamtes, den Stadtrath, den königinhofer Gesangverein, die Honoratioren der Bürgerschaft und viele israelitische Glaubensgenossen aus Großbock, Horic und andern Ortschaften. Zur Abhaltung der Leichenrede wurde Seine Ehrwürdcn Herr Rabbiner Ehrentheil aus Horic hieher berufen, und auf Veranlassung des Horicer Cultus-Vorstandes traf auch der dortige Cantor Herr Deutsch mit seinem Chor- Personale hier ein. Um 8 Uhr wurde der Sarg vor dem Hause des Hingeschiedenen aus eine Todtcnbahre niedergelassen, und der Gesangverein cröffnetc die Leichenceromonie durch Absingung eines sehr rührenden und herzerhebenden Grabliedes, worauf die Trauerrede des Herrn Ehrentheil folgte. In derselben entwickelte der gefeierte Redner die Verdienste, die sich der Hingeschiedene als treuer, zärtlicher Gatte, als liebender, besorgter Vater, als edler Menschenfreund und Wohlthäter erworben. Herr Ehrentheil verstand es mit seiner kräftigen, sonoren Stimme und durch seine inhalts- und schwungvolle Rede die Herzen und die Gcmüthcr der Zuhörer so zu rühren, daß man, wohin man seinen Blick auch richten mochte, kein Auge thräncnleer fand. Auch der stimmbegabte Cantor Herr Deutsch legte durch seinen schönen Vortrag des üblichen schiwisi &joschew beseser eljon Gebetes der Feier eine würdevolle Weihe bei. Der Leichenzug setzte sich sodauu tit Bewegung, und eine unübersehbare Menschenmenge folgte dem Sarge weit außerhalb der Stadt, bis wohin der Hingeschiedene getragen, und von dortauö in einem Leichenwagen nach dem Horicer Gottesacker geführt wurde. Diese dem Verschiedenen erwiesene Theilnahmc ist ein glänzendes Zeugniß, wie sehr unsere wackere Bürgerschaft die Verdienste eines Mannes, mag er der einen oder der andern Confcssion angehörcn, zu würdigen weiß. Eine ähnliche Theilnahmc manifestirte sich in Horic, und wieder war cs der oratorischc Meister Ehrentheil, der am Grabe des Verschiedenen eine sehr passende und inhaltreiche Grabrede improvisirte, und es erübrigt noch zu erwähnen, daß bei dieser Gelegenheit die königinhofer Ortsarmcn und die unbemittelte Schuljugend mit Geldspenden bedacht wurden. Herr Karl Winternitz war 38 Jahre alt, und hinterläßt eine Witwe mit 5 kleinen unmündigen Kindern. Während ich dieses niederschreibe, habe ich einen noch neuerlichen Stcrbesall wieder zu rcgistrircn. Heute 10 Uhr Vormittag verschied Herr Jacob Kohn, erster angesiedeltcr israelitischer Jnsaßezu Königinhof; er erfreute sich gleichfalls der allgemeinen Achtung und Liebe aller Mitbürger, den 26. d. M. begleitete er noch seine Tochter unter den Trauhimmel; er starb an Mastdarmkrcbs. Leider ist dieses seit 4 Wochen schon der 4. israelitische Stcrbesall in unserer kleinen Cultus-Gcmcinde. M. N»ibenstein, Religionslehrer. Vonenrs. Der gefertigte Vorstand der Cultus-Gemcindc Postclberg beabsichtigt die vacant gewordene Stelle eines Rabbiners, zugleich Oberlehrer, der philosophische Studien mit gutem Erfolg absolvirt, und auch mit mnn versehen ist anzustellen. Fixer Gehalt ist 500 fl. ö. W. nebst freier Wohnung, und den üblichen Emolumenten. Diese Stelle kann von den Bewerbern gleich angetretcn lvcrdcn. Bewerber um diesen Posten wollen ihre Zeugnisse an gefertigten Vorstand baldigst cinsendcn, oder sich persönlich hierher verfügen. Reisekosten werden nur demjenigen vergütet, welcher acceptirt werden wird. Postclberg, den 14. April 1865. Zimon Glaser, Marcus Dächer, Gm. Pollak. Coneurs. Der gefertigte Cultus-Vorstand beabsichtigt sogleich die Stelle eines j*n der zugleich snip & iormö sein muß, Hierselbst zu besetzen. Derselbe muß musikalische Bildung haben, einen Chor zu leiten verstehen, und einen moralischen Lebenswandel führen, Gehalt ist nebst freier Wohnung, und der ruDTite' welche ein Einkommen von circa 300 st. abwirft noch 100 fl. ö. W. nebst den üblichen Emolumenten, Bewerber um diese Stelle wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden, oder sich persönlich hierher verfügen. Reisekosten werden nur demjenigen vergütet, welcher acceptirt werden wird. Postclberg, den 14. April. Al'moll Glaser, Marcus Pacher, Em. Pollak. Briefkaste»». Herrn I)r. A. t in P.g. — Ihre Arbeiten werden uns stets willkommen sein. Herrn S. H... .r in Leitmeritz. Nichtpecuniärer Nutzen, sondern Ihre vielgerühmte Intelligenz bat uns veranlaßt, Ihnen unsere Blatter zukommen zu lassen. Daß Sie aber, wie Sie in Ihrer wertheu Zuschrift offen gestehen, „dem Judenthume in seiner mikrokosmischen Mannigfaltigkeit Ferne stehen, ja gewisse Punkte desselben verabscheuen und daß eine Behandlung derselben für die Oeffentlichkeit Lie anwidert," konnten wir um so weniger vermuthen, als, wie wir uns sagen ließen, Sie zu öftern Malen mit Ihren Predigten jüdische Seelen erbaut, auch jüdische Kinder im Unterrichte und in Aufsicht haben sollen. Sie werden selbst einsehen, obigem Credo gegenüber die Geldfrage eo ipso erledigt ist, und mit Hinweis auf Sprüche 20.5 - finden wir es auch natürlich, daß Ihnen unsere Blätter nicht zusagen, da wir nie gewillt waren und eö nie Willens sein werden, wie gewisse gute Freunde. Nichtjüdisches in unsere Journale aufzunehmen. — Herrn R .. - - stein in^ Kö -f- Das Eingesendet kostet 4 ft-, weil wir, um es nicht zurückzulassen, eine Beilage machen mußten. U» mehrere unterer Herren Momienlen!! Unsere Blätter gehen seit Anfangs Febrnar l. I. vielen Herren auf dem Lande zu, ohne daß selbe, nachdem^ sie diese angenommen, eine Einsendung des Betrages veranlassen. Wir sehen uns also geuöthigt, um so mehr um die Pränumerationsbcträge zu bitten, als das 1. Quartal bereits verflossen ist, und wir in unserer Verpflichtung gegen Herrn I)r. Rosenauer, der viele Beträge im Vorhinein erhalten hat, nun viele unserer Blätter unentgeltlich liefern müssen. Druck von Anton Nenn in Prag.

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