Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 8 (6.4.1865)
- Date
- 1865-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nro. H. Prag, den 6. April 1S6.5. II. Iakrgang. Agentur in Wien: Herzfeld und Bauer. Eenlrnl-Grgnn l'iit itlVc zeilgcmnücn Interesse» &cs )udenl>iumes. Verleger, Elgcnthüincr und verantwortlicher Redacteur: Isaak Block. Agentur in Brünn: V. Epstein. PränunierationSbetrag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. mit Postzusendung und Zustellung in's Haus. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des MonatS. — Administration bei 2t. Renn, Buchdruckerei zu „ i Linden," wohin alle Geldsendungen, Briefe und Reclamationen zu richten sind. K. Niinli's Grössunngs-Zorlelmig auf Aenan's Leljrstuhl. Die Vorlesungen des Akademikers S. Munk in Paris haben für die gesainmtc religiöse und politische Welt ein lebhaftes Interesse bekommen, nachdem sich heran sgestellt, daß ans dem Lehrstuhle, den bisher Renan bekleidete, unter der Form einer Discnssion über ethnographische und philologischhistorische Fragen die Vertheidigung der semitischen (d. h. jüdischen und christlichen) Gottesidee gegen die Angriffe einer neuen Schule, die sich die japhetitische nennt, geführt wird. Wir theilen daher die am 1. Februar gehaltene Eröffnungsrede Munk's nach dem soeben in Paris (Michel Levy) erschienenen Cours de langues hebraique, chaldaique et syriaque* Le$?n d’ouvertme, par 8. Muuk, de l’Institut, vollständig mit. D. R. I. Semiten und .Hebräer. Meine Herren! Indem ich diesen Lehrstuhl besteige, verhehle ich mir nicht die Schwierigkeiten, die ich zu überwinden haben werde, um dem Wohlwollen der gelehrten Körperschaften zu entsprechen, die mich zu dieser Stelle in Vorschlag gebracht, und um das Vertrauen des aufgeklärten Ministers zu rechtfertigen, der jetzt über die Geschicke unseres öffentlichen Unterrichtes wacht. Rücksichten mancher Art vermehren noch die Schwierigkeit meiner Ausgabe. Das Andenken des berühmten Orientalisten, *) welcher vierzig Jahre lang diesen Lehrstuhl einnahm, wird noch lange unter uns fortlcbcn; die unauslöschliche Erinnerung an sein umfassendes Wissen, das ebenso mannigfach als gründlich war, legt mir Pflichten auf, deren ganze Bedeutung ich kenne. Ich weiß auch, daß dem ausgezeichneten Gelehrten, den auf diesem Lehrstuhl unmittelbar zu ersetzen ich berufen bin, **) ein lebhaftes und aufrichtiges Bedauern in seine Zurückgezogenheit gefolgt ist, da ihm an dieser Stelle durch sein Wissen, sein Talent und seine Jugend eine 'lange, glänzende Zukunft gesichert schien. Ich theile dieses Bedauern ebenfalls, und tief beklage ich jenes unabwendbare Mißgeschick — woher cS auch gekommen sein möge — in Folge dessen der Cursus seiner Lehrvorträge nicht lange nach ihrem Beginn unterbrochen wurde. Meinerseits vermag ich Ihnen hier leider nichts, als die Bruchstücke meiner Erinnerungen darzubieten, und ich hoffe, daß Sie dieselben mit Wohlwollen ausnehmen werden. Schon heute werde ich Ihrer Nachsicht bedürfen. Seit zwölf Jahren erblindet, kann ich weder lesen noch schreiben, und von der Welt ganz zurückgezogen lebend, bin ich in der Improvisation nicht geübt. Ich vermag daher auch nicht. Ihnen, wie es üblich ist, einen eigentlichen Eröffnungs-Vortrag,! d. h. über einen gegebenen Stoff eine kunstvolle Rede zu! halten. Ich glaube jedoch, Sie einige Augenblicke, und wäre | es auch nur in der einfachen Sprache der Conversation, über j den Gegenstand dieses Cursus und über die Fragen, die sich HKaran knüpfen, unterhalten zu müssen. - Gegenstand dieses Cursus sind, wie schon sein Name besagt, Vorlesungen über die hebräische, chaldäische und syrische Sprache; also, es ist ein einfacher, grammatischer Lehrcnrsus, der, so zu sagen, dem materiellen Unterrichte gewidmet ist, ganz abgesehen von der Anwendung, welche die Zuhörer auf ihre theologischen oder philologischen Studien davon machen wollen. Keinesweges will ich damit sagen, daß ich, indem ich mich streng in den Grenzen dieses Programmcs halte, mich jeder Art von Exegese enthalten und keinerlei Erklärungen in dieser Beziehung, z. B. was die vergleichende Grammatik, die Geographie, die Geschichte, die Archäologie betrifft, geben werde. Das sei fern von mir! Die Urkunden, die wir zu erklären haben, zum Theil die ältesten Schriftdenkmäler des Menschengeschlechts, bieten oft Schwierigkeiten dar, die die grammatikalische Analyse allein nicht zu lösen vermag; vielmehr muß dazu anderwärts nach Auskunft geforscht werden. Andererseits macht das hohe Alterthum dieser Urkunden sie manchmal geeignet, einen Lichtstrahl ans die Geschichte der alten Völker zu werfen, die den biblischen Schauplatz umgaben und uns kein schriftliches Denkmal hinterlassen haben. Unter beiden Gesichtspunkten also werden sich unserer Darstellung eine Menge nützlicher und interessanter Beobachtungen dar- , bieten. Rur eine Art der Exegese wird von unseren Vorlesungen absolut ausgeschlossen sein, nämlich die dogmatische oder theologische Exegese. Die berühmtesten Lehrer der Kirche und der Synagoge stimmen darin überein, daß sie in gewissen Stellen 8 *) Onatremcre. ") Renan.