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Das Abendland · 1865-01-23 · 3 (23.1.1865) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
3 (23.1.1865)
Date
1865-01-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr». 3. Prnsi, dt» 23. Immer 1865. II. Jnhigaii». -v Ageninr in Win.: Central! ',MI für alle jcUgcmäfecit Jntcrcssci: . Agk«,ur « B Hcyftld und Lauer. . . ... dts Jlldt»th»»ics. . . ' 0. Lpkein Preis mit Zustellung ins Hans: Ganzjährig 7 fl... . ibjährig 3 fl/7.» kr., vierteljährig 1 fl. 95 kr. 'rs. itint jröctt Doiiiierlkj. — .ftffcnlütoKSJtirrtt : Flcischmarßt Nr. C. 702-^1, 1. Atock. Wngellallung und Urcisermähigung unseres Journals. 'i ' Mit der Begründung dieser neuen Zeittchrest hatten wir ' uns die Aufgabe gestellt, die schon der zweite Theil des Titels -derselben klar andeutet, die .zeitgemäßen Interessen des Iuden- .thums zu vertreten. — Der wohlgeneigte Leser macht sich wahrscheinlich jetzt auf eine la.rgathmige Tir che gefaßt, in welcher wir uns mit Bewußtsein ans die Brust klopfend, ,,in aller Bescheidenheit" es aussprechen, daß, unserem freilich unmaßlichen - Dafürhalten gemäß, l s uns auch wirklich gelungen sei. — Denn so ist cs einmal Gebrauch und Herkommen bei den Journalen! .— Allein dergle.chen' Redensarten sind gewöhnlich nicht das Papier und die Tir.ee werth, auf welches- und mit welcher man sie niederschreibt.-— Hiedurch werden keine neuen Freunde gewonnen, die alten nicht mehr überzeugt, die Feinde und Wi-' - dersacher nicht versöhnt. •— Denn Niemand mehr als der Jour- , nalist hat Gelegenheit die Wahrheit des Sprichwortes zu erstproben: 'So viele Köpfe, so viele Sinne! So viele Leser ein Blatt hat, so viele Kritiker hat es-, so viele Meinungen werden . über dasselbe zirkulireu. — Zwischen den beiden Extremen der Vorzüglühl'eü'mckn totalen Verwerflichkeit schwankt meist das Urthcil hin und her. — Besonders günstig aber — für den Angriff — ist die Petition eines jüdischen Journales, in einem ^Zeitalter, wo der k jedes Gedankens und Principes bare . Indisferentismus in MMiauuigfachste Gewandung sich hüllt — am liebsten in jene des Kosmopolitismus, wobei man mit dem ^Wohlwollen für das Ganze und die Gesammtheit sich deckend, aller -Rücksicht gegen den Einzelnen, aller Pietät gegen den eigenen .'Stamm, dessen geschichtliche und religiöse Gestaltung sich entschlagen — und vor Allem den über Alles theueren Säckel hinter dem Verschluß' sogenannter philosophischer Grundsätze .hübsch fein in Gewahrsam bringen darf, wo er unbehelligt durch die mannigfachen Ansprüche des Gemüthes blos den allgemeinen Interessen der Menschheit, vorläufig allerdings b-oS durch die eigene werthe Persönlichkeit repräsentirt, zu dienen hat — in -einem Zeitalter, wo selbst dem sogenannten „Frommen in Israel," . der nur in der minutiösesten Dbservan; aller Verordnungen des Lcllulelmn armen das Heil der Menschheit erblickt, die einzige "gute Eigenst aft abhanden gekommen, die ihn sonst selbst in den 'Augen des Frcisinnigern achtungswerth gemacht, näinlieb der opferwillige Sinn, das weite und große Her; für die Interessen -der'Allgemeinheit; denn in diesem Herzen hat heute .nichts mehr .Raum als Verbitterung gegen die Tendenzen der Zeit, gegen bie f Aufklärnngnsucht derselben; und . der ganze, sonst lobcns- 'werthe Eifer für die Sache des IudenthumeS rcbucirt sich auf Anfeindung nud Verketzerrrng der Dkänner des Fortschrittes; — 'was auch ganz gut geschehen kann, ohne daß inan dabei in die Tasche zu greisen braucht — ja, nachdem Alles, was in der Zeit geschieht, nothwendig auch das Gepräge der Zeit an sich trügt, so hat lnau um so mehr und häufiger Gelegenheit, unter der Hülle religiöser Skrupel feinen Egoismus warm zu halten, wild die ganze armselige Blöße desselben vermeintlich dem fremden «Äuge zu entziehen. Es ist nicht erst seit unserer kurzen journalistischen Laufbahn, daß - wir solche Erfahrungen gemacht; — in jedem Stande und Berufe hat man heut zu Tage leider! f ^reichlich Gelegenheit hiezu. Dennoch ist der schöne'Spruch; noch nicht ganz ein leerer Schall geworden:.^"- p’rx'ic *o Auch wir können uns -rühmen, einen Kreis von Freunden ge- Wonnen zu haben, klein zwar — aber um so weither! Mau /sieht, daß wir aufrichtig sind — und wird es daher unserer j Aufrichtigkeit auch zu Gute halten, wenn wir es-offen ausspreckcn, daß wir nur diesen Kreis von Freunden berücksichtigen' zu müsse:: /.glauben. — Es gibt so viele, die unser Journal lesen möchten, | ja selbst bereit wären, durch heilsame Kritik - es allgemach von den Schäden und Gebrechen gründlich zu kuriren, die ihm noch anhaften — sieht doch 'elbst' der indifferenteste Israelite, vorausgesetzt, daß er dabei'selbst sich sonst in keiner /Weise zu 'incomoduen braucht, es gern, wenn man -für ihn in die Schranke tritt,?ebe Verunglimpfung seines Namens abwehrt, fnr'A rfhebung confer oueller. Sondergesetzc plaidutt, und dabei nicht selten T art unter das Damoklesschwert des Preßgesetzes gerätst; — allein, alle diese Herren werden es füglich nicht so ganz uneben sin e en, wenn wir nur an diesen kleinen Kreis unserer Freundedenkend, nur für denselben wirken und schassen möchten. Dieser kleine Kreis will denn auch unser Journal erhalten sehen, und feine Theilnahme genügt glücklicherweise auch, den Bestand desselben zu sichern: aus der Mitte desselben schallen uns so vielfache Stimmen der Anerkennung entgegen, daß wir in unserer Ueberzeugung von der Nothwendigkeit eines Journals, welches in Ermangelung und bei der unstreitig vorherschenden Perhorrescirung jeder anderen Centralisatton den Inden Böhmens Gelegenheit bietet, sich gegenseitig zu verständigen, mit einander in geistigen Rapport zu treten und einem gemeinschaftlichen Ziele mit vereinter Kraft zuzusteueru, durchaus nicht wankend geworden. Mit^wahrer Genugthmlng haben wir vielmehr erkannt, daß mau in unserem Blatte etwas anderes gesucht -! auch gesunder!, als eine Krambude eitler und nichtiger Tagcsnenigkeiten — einen Papierkorb, wohin man sonst nicht zu verwcrthende stylistische Exerzitien wirft — kurz Nullitäten, mit denen man im Zustande des Halbschlumniers den jeder ernsten Anregung abholden Geist rcgalirt. . ' . . Diesem kleinen ^Kreise von Freunden wird aber unser Blatt sich um so sicherer erhallen, je mehr sich es zusammenzicht, und seinen Kreis verengert, - wohlverstaudcu in materleller Hinsicht, unbeschadet seinem gelstigcii Gehalte und seiner Tendenz. Wahrlich, cs kann Acht der Berus eines jüdischen Journales sein, die Nenigke en brühwarm, frisch, wie sieaus der Küche des Stadtklatsches gekommen, .feil'zu bieten die wahren und großen Interessen des .Iudemhnms können aber eben sowohl in einer Vierzehntamchrist, wie in einem Wochenblatte vertreten werden. Nicht wie oft, sondern ivie kräfiig inan seine Stimme erhebt — darauf kommt es an! — . . UÖii* machen daher unseren geehrten Herren Abonnenten die Anzeige, daß mit der heutigen Nummer unser Blatt anfhort, als Wochenschrift zu cxistireu. — Bom Monate Februar an wird das „Abendland" uur mehr zweimal des Monates erscheinen, und zwar am 8. und Ll. jedes Monates. .

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