Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1865-01-12 · 2 (12.1.1865) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
2 (12.1.1865)
Date
1865-01-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/9050333-9088714-9050427--0097-9050428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nro. 2. Prast, den 12. Immer 1865. II. Jahrganl-. - Agentur in Wien: (iCltfntIürj}ftit |Ül* (iHC ^Citj}Cllt(i})Clt ^lltCrCffCU Agentur in Brünn: tzerMd und 6anrr.'' 1 ÖC§ JndtllrhllMts. •' 6. Epstein. . Erscheint jeden D.nncrjiag. — Ucdnktionsburean: Ftcifchmarkt Nr. C. 702—1, 1. Ltock. r - Jene Herren Abonnenten der früher bestandenen „Zeitstimme," die durch A: nah ne der 1. Nummer des neuen Jahrganges des „Abendland" uns ihren Willen manisestirt n haben scheinen, auch unserem Unternehmen ihre freundliche Theiliz, ' zuzuwendcn, werden höflichst gebeten/ uns bekannt geben zu wollen, bis zu welcher Zeit sie ihr Abonnement vcrlän 'sehen wünschen. '• Wir glauben mit diesem einfachen Apell an das Billigkeitsgefühl uns genügen lassen zu dürfen. ,'i r , ■ ■ ■ Die Wission des Zudenthrm ' , .(Schluß.) ( l y y, ' - j... ,Es übt somit Israels Geist von Urbeginn an den Beruf .der, Kritik aus/"jener. Kritik besonderer Art, welche der Künstler anstellr, bevor ihm der Charakter seines Werkes klar wird, jener .religiösen Kritik, die mit berechtigtem Skeptizismus ^die Religion.! als das Meisterwerk des höchsten Genius hinstellc üno derselben die..Eigenschaften und den Charakter des Kunstwerkes verleiht': das Einfache, othwendige und geistig Schöne in sich zum moralischen Bande vereiniget. Es ist denn .auch der stoffliche Gebalt der Bibel in' ihren' allgem-üncii' Theilen kcureswe; s, wie übertriebene Bewunderung und Verehrung ihrer logischen Vollkommenheit und ihrer nationalen Vorzüge ^behauptet har, ein neugewonnener von jeder Tradition unäbhan- -giger Scoff, sondern eben der zur Zeit vorhaneenen'spekulativen oder poetischen Jdeenmaterie entnommen und zur ' einfachen natürlichen Form umgebildet. In der hebräischen Kosmologie konnte der Grieche des Alterthums, wenn er 'die Schranken des Dorurrheils und der Sprache durchbrach, mit Leichtigkeit seine Titanen in den Nephilim, in dem biblischen Enoch seinen Jnachos wieder finden. Er vernahm in ihr von seiner deukalischen Fluth und von dem Urvater JapetoS, der dem mächtigen Treipaar angehörrc, daS wie aus Kronos, so aus Noa zur Herrschaft über die menschliche Erde berufen war. Doch welche Veränderungen, Abschwächungen, Vermenschlichungen haben diese Ungeheuerlichkeiten der Vorwelc in der mosaischen Kosmogonie erfahreil muffen! War eS unzweifelhaft, daß der stammverwandte Assyrier in dem Garten-Eden seinen Göttergarten, seinen gepriescnell LebenSbaunl und seine rhürhülenden C-reife wiedersah, so konure der Babylonier austehen, in der biblischen Schlange die Profaniruug seines geweihten Belfymbols, in dem lehrenden Enoch seinen Oanu.Z wiederznernennen. Hier also und in vielem Andern zeigt sich daS Künstlerrecht, daS Verschiedenartigste dem Zwecke unterzuordnen, in welchem die Idee der Composttion liegt. Welch' seltsames Widerspiel tu der nationalen Krafräußerung! Währerld HellaS Genius die ihm überlieferten astatischen Kvsmosophien zerpflückt und zerfetzt, um die zerpflückien Details in heiteren Fabeln auszuspinuen, .chnrlehnt, sammelt der bedächtigere Geist Israels das Homogene der orientalischen Conceptionen nur, um aus ihm jene sinnreiche Mosaik zufammenzusetzen, die in tief-einfachen'und klaren Symbolen die Weltanschauunb enthält, in welcher seit Jahrtausenden hieci iisirte cen .Völker sich bewegen/' ' ' Wir haben hiermit den Charakter der Bibel ausgesprochen, und es ist nur ein Lob mehr, wenn, wie Verächter des jüdischen Volkes meinen, in ihr die von anderwärts ausgenommenen Elemente, die ihm von seiner Umgebung zukommenen Eindrücke sich abspiegeln: es beweist dies eb ../ daß die idealen Ereigniffe Anderer in ihr mm geeignet und würdig hingestellr sind. Und ob nun die mosaischen Vorstellungen und Einrichtungen ägyptischer Anregung und ägyptischem Vorbilde ihren Ursprung danken (was wir unserseits bezweifeln); ob diese ägyprisch-hebräischen Traditionen vielleicht im Laufe der Zeit sich mir pbönizischen und assyrischen Grundvorstellungen verbunden und gegen sie reagirt haben:'ob sie durch 'poensch-babyloniscke Philosophien zu einer strengeren Läuterung und erweiterten Formulirung angeregt; ob sie' ferner inhaltlich durch den Einfluß der vor- und nach alerandrischest Helenenweisheit noch erweitert und ansgebaur wurden: alle diese Fragen und selbst ihre direkte Behauptung können dem Verdienste des Jndenthums, das in seiner geschichtlichen Mission liegt, nicht ein Ticelchen benehmen. Und — was für unsere Betrachtung nicht minder wichtig ist — das jüdische Element ist noch heute so wenig in die Schranken eines versteinerten Systems gebannt, daß cs diese kritische Thärigkeit und mir ihr zugleich seine Empfang, lichkeit, diese verbreitende, vermittelnde,, und anflösende Kraft am Widersprechenden und Fremden noch heute offenbart und bewährt. Ties liegt in der natürlichen Eigenheit deS JudenthumS selbst, das. wie es vor der Bibel bestand, auch in der Bibel selbst keine innere und äußere Gränze seiner Natur erblicken kann, uub das, wie es in dem ewigen Buche die Summe seiner religiösen Erfahrungen und Ideen niederlegte, doch, wie seine Geschichte zeigt, weit entfernt ist, Ideen und Erfahrungen mir ibm abschließen zu wollen. Darum kann eS weder im Oriente m ö im Occidente 'lange im Couflicce mir den Ideen der 3eit bleiben, ohne sich 3 ' -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.