Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- I (1864)
- Issue
- 3 (17.11.1864)
- Date
- 1864-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Nro. 3. Prünnmrrarioa für Prag -Ser fciirdi Luchtianöct ifs 3nnnö Auslandes: €i-C!t5jdhri£i: 6 fl- 5® ft. oc. faibioiiria: 3 fl- 50 fr. cd. 2 Th!- 6 Ejt. »Ufttiiüirig: 1 fl.80fr.ofc. I Thi. 6 £jr. Prag, am 17. November 1864, Ccntralorgan fiir alle zcitgciiiäßcn Interessen - des Jndtnlhnmcs. pränumrralion mit pollvcrscndimg: flC'artjjahrig: 7 fl. — fr. cb. 4 Thl. lO Lzk. HaldjLhtig: Z fl. 75 kr. ob.. 2 Thl.IOLzr. viertrljährig: I fl.srkr. cd- ' Thl.IOSzr f Cchnnt je en Donnerstag. — Kcöaktionsbnmiu: Fleischmarkt Nr. Lonsc. 702—1, 4.-Stock. Agenturen: In Wien bei Hcrzfeld und Bauer; in Brünn bei G- 'Epstein. ' Die «Stellung des Zudenlhumes im 19. Zahrhüuderle insbesondere in Hesterreich. ' - Schon l egt des Jahrhunderts größere Hälfte! hinter uns, des Jahrhunderts der Aufklärung und der! Menschlichkeit.— Welche Zeit haben wir durchleot!--! Werde es die späten Enkel glauben, was wir gelir-! tcn, welchen blutigen Kamps wir durchzukämpfen hatten, bis wir sie in den ungetrübten Besitz jener Güter;u setzen vermocht, die eben so gut des Menschen natürliche Mitgift sind, wie der aufrechte Gang, das Vermögen der artikulirten Sprache und das .Recht in Gottes klarer Luft sich frisch zu bewegen und. frei zu.»; alhmen? — E.ner der größten Meister des historischen;< Stiles im "lten Rom, Sallust, stellt für die GeschichtSschreibung .m Grundsatz auf, daß „die Darstellung die Thatlach..n zu erreichen habe." — Aber nicht blos; er, sondern selbst sein noch größerer Rivale in der erhabenen Priest rschaft Clios hätte wohl znrückbebcn! müssen vor der Mission, auch nur ein blasses Bild * von dem titanenhaften, geistigen Ringkampse unserer Zeiten vor die ungläubige Seele desjenigen zu stellen, der nicht selbst mitgelebt und mitgerungen. Welche noch so bewegte Epoche der Menschengeschichte in der Vergangenheit hält in der That mit der unseren auch nur den entferntesten Vergleich aus? — Seit dem Ende des dreißigjährigen Krieges, also durch volle zwei Jahrhunderte bot die Weltgeschichte Clos das Interesse eines Archives dar, in welchem die Akten schmö chicher Familicnzänkereien, blutiger 9sauft händelder Dynastien in erdrückender Masse ausgespMert , lagen — und das Leben der Völker das bcjammcrnsj wcrthe Schauspiel, wie Menschen, wilden Thieren gleich,! gegen einander gehetzt werden konnten, um lediglich! l er Laune ihrer, alles Glaubens, aller Treue und alles j (4,Wissens baren Tyrannen zu Liebe, Hab und Gut, j ihre Gesundheit, inr Familicnglück und endlich ihr j Leben — allerdings unter solchen Verhältnissen kein > sonderlich bcneidenswerther Besitz — zu opfern! —! Quod peccant principes plectuntur Achivi! ■— : Tas war der vielgepriesene christliche Staat Stahl und! Gerlachs, — für welchen noch heute der wüthige höllische Löwe (Prof. Leo) die Lanze des Ritters von der Mancha aller ihn verhöhnenden Welt gegenüber einzulegen sich nicht cntblödet.— Erst seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es wieder eine Geschichte der Menschheit. — Wir sahen in dem nunmehr über 6 Dezennien alten Verlause desselben alle Zustände aus ihren Fugen gehoben, die tiefst gewurzelten Verhältnisse wanken in dem von neuen Ideen durchwühlten .Leistig.cn Erdreich;. alles. gewohnheitsmäßige Kwrkom- men, all' die bequemen, traditionell von Geschlecht zu Geschlecht fortgepflanzten Anschauungen in Frage gestellt. — Wir sabcn die ganze menschliche Gesellschaft einem Gährungsvrozcsse verfallen, der, gleichwie in einer siedenden Wassermasfe geschieht, alle Schichten derselben „heillos' unter einander mengte, ja nicht selten selbst die unterste zu oberst brachte, und endlich die Menschheit einen kühneren und größeren Schritt mit imponirender Entschlossenheit nach vorwärts thun, als in allen früheren Jahrhunderten zusammen. Es war, als ob plötzlich die Binde von Aller Augen gefallen; die Trugbilder des Wahnes und des Vorurtheils, die so lange sinnberückend, sinnbethörend das erhabene Urbild der Menschheit verschleiert, wie es die Größern und Edlern des Geschlechtes zu allen Zeiten in ihren Gesichten erschaut, zerstoßen vor dem scharfen, unbefangenen Blicke der Kritik, und man erkannte schaudernd, wie im Hader über thörichte und eitle Chimären unsere eigentlichen und heiligsten Güter verkümmert, die Namen „Bruder und Rüchstenliebe" ein bohler bedeutungsloser Schall geworden, „Humanität," „Freiheit" und „Recht" zur bloßen schönrednerischen Phrase herabgesunken. Roch zwar ist der Kampf lange nicht zu Ende — wer ist thöricht genug sich solcher Täuschung hinzugebcn? — noch umbraust uns von allen Seiten der Helle Schlachtendonncr — noch bebt jede Fiber der Zeit von der maßlosen Aufregung des Streites, — aber 3 ijitjauung oer mucham errungenen polfti^cyeii Frely-nt, doren, uns.1 dLl.zuchuug oevcn.uuÄvri V1