Das Band
- Journal
- Das Band
- Volume
- 2 (1932-02)
- Issue
- 2 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Musik treiben konnte. Nur für kurze Zeit wollte er die Vertretung übernehmen. Bald erkannte M. Reich seine besonderen Fähigkeiten und gestattete ihm, den Zeichenunterricht gänzlich umzugestalten, so daß er den Forderungen der modernen Kunst-Pädagogen entsprach. Mit dem inspizierenden Schulrat zusammen überredete M. Reich Herrn Höxter, fortan sein Leben den Taubstummen zu widmen So trat er 1907 als vollbeschäftigter Hilfslehrer bei uns ein. Nachdem er die zweite Lehrerprüfung (1908) und die Taubst.-Lehrerprüfung (1911) bestanden hatte, wurde er an der Anstalt fest angestellt, die er 1918/19 vertretungsweise leitete. 1911 hatte er sich mit der Tochter des Direktors Markus Reich verheiratet. Neben seiner erfolgreichen Arbeit an unseren Kindern hat er sich besonders als Zeichenlehrer und als Lehrer für Sprachgebrechen betätigt. So richtete er im Kriege einen Kursus für spracherkrankte Soldaten ein und leitete ihn ehrenamtlich. Vielen Unglücklichen hat er so geholfen. Dem Fachblatt der Taubstummenlehrer lieferte er eine ganze Zahl pädagogischer Beiträge und für unser „Band" hat er sehr viel Artikel verfaßt und den erwachsenen Gehörlosen ist er durch seine Beteiligung an den Vorträgen gut bekannt. Aber Herr Höxter ist nicht nur pflichttreuer und erfolgreicher Lehrer der Taubstummen. In seiner Freizeit ist er ganz Künstler. Er ist ausübender Musiker und war über 28 Jahre Chordirigent zu den hohen Feiertagen. Vor allem aber interessiert uns seine ausgezeichnete Fähigkeit auf dem Gebiete der Malerei und insbesondere des Porträtierens. Die Wände der Aula, des Speisesaals und des Lehrerzimmers, alle die Bilder von M. Reich, Anna Reich, Löwenthal, Köhler, Geh. Rat Boas, Frl. Muschel und dem Kollegen Meyer, der zusammen mit ihm sein Dienstjubiläum feiern sollte, legen Zeugnis ab für sein künstlerisches Können. Möge der Jubilar noch recht lange so vielseitig weiter arbeiten können zum Wohle unserer Kinder und unserer Anstalt und zu unserer Freude. Möge er sich Gesundheit und Frohsinn noch recht lange bewahren. 1932, das Jahr der Entscheidungen. Drei große Versammlungen des Centrai-Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. in Groß-Berlin. Am Sonnabend, den 16. d. Mts. fanden in Berlin drei große Versammlungen des C. V. statt, in denen zu den politischen Tagesfragen Stellung genommen wurde. 1. Direktor Dr. Holländer führte aus: „Die gegenwärtige Lage erfordert den Rat und die Mitarbeit jedes einzelnen Mitgliedes." Das Jahr 1932 wird die Entscheidung bringen, ob das deutsche Reich sich den Mächten gegenüber durchsetzen kann, die Unrecht und Gewalt auf ihre Fahne geschrieben haben und dadurch den inneren und äußeren Frieden des Vaterlandes bedrohen. Es wird die Entscheidung bringen, ob die immer lauter werdenden Forderungen der Judenfeinde »ach Entrechtung des jüdischen Volksteils in Deutschland auf den Gebieten der Verwaltung und Gesetzgebung teilweise oder ganz erfüllt werden. Und das Jahr 1932 wird damit zur Entscheidung bringen, ob wir deutschen Juden zu Staatsbürgern zweiter Klasse herabgewürdigt werden. 1-0