Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XIII (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 244)
- Language
- German
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2. Die Nationalbibliothek Jerusalem. Jm Frühjahr 1920 faßte die Zionistische Exekutive den Entschluß, an dié Eeorganisierung der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem zu schreiten. Schon vorher hatte die Zionistische Kommission mit der Jerusalemer Bnei Brith Loge — die 1892 die Bibliothek "gegründet hatte — einen Vertrag geschlossen, demzufolge die Loge den Bücherschatz der Bibliothek der Zionistischen Organisation als Grundstock der Nationalbibliothek überließ und nur die Doppelexemplare zurückbehalten sollte, um sie, sobald einmal die Bibliothek in einen würdigen Neubau überführt würde, im jetzigen Gebäude für die Errichtung einer städtischen Bibliothek zu verwenden. Dafür nahm die Zionistische Kommission die Finanzierung der Bibliothek auf sich. Am 1. Juni 1920 übernahm die Zionistische Organisation die gesamte Verwaltung der Bibliothek; zum Bibliothekar wurde Herr Dr. Hugo Bergmann (bis dahin Bibliothekar der Universitätsbibliothek in Prag) ernannt. Er erhielt die Aufgabe, unter Festhaltung der bisherigen Aufgabe der Bibliothek — als Nationalbibliothek Sammelstätte des gesamten jüdischen literarischen Schaffens zu sein — sie auch zugleich in der Bichtung auszubauen, daß sie die künftige Universitätsbibliothek sein könnte, also die für Palästina nötige wissenschaftliche Literatur in allen Sprachen enthalten sollte. Wir übernahmen die Bibliothek in einem vielfach beklagenswerten Zustande. Wohl hatte Dr. Jofef Chasanowitsch, der unsterbliche Förderer des Gedankens der jüdischen Nationalbibliothek, große Bücherschätze nach Jerusalem übersandt, aber von den etwa 30 000 Bänden, die sich zur Zeit der Übernahme in Jerusalem befanden, lag ein erheblicher Teil unausgepackt in Kisten, ein großer Teil der aufgestellten Bücher war nicht katalogisiert, wertvolle Manuskripte und Dokumente lagen vergraben unter Bücherstößen. Die angelegten Kataloge waren seit 1900 nicht ergänzt worden. Im Kriege war eine große Zahl von Büchern verloren gegangen. Da außerdem die Bibliothek seit Kriegsbeginn ihre Verbindungen mit dem Auslande verloren hatte und weder Bücher noch Zeitschriften zugesandt erhielt, war die Zahl der Besucher auf ein Minimum herabgesunken. Die Leitung der Bibliothek mußte die vorhandenen Bücher katalogisieren, die Propaganda für die Bibliothek neu organisieren, mit der Vorbereitung für die allgemein wissenschaftliche Bibliothek beginnen, die seit Kriegsbeginn erschienenen judaistischen und besonders die hebräischen Bücher zu erwerben versuchen, endlich für die Beschaffung von Zeitschriften sorgen. Die Arbeit geschah unter immensen Schwierigkeiten. Wir konnten für den Ankauf von Büchern kein Budget bewilligen, und auch das vom Kongresse bewilligte Budget mußte mehr und mehr gekürzt werden und gestattete nur die Anstellung einiger Beamten, außer dem Leiter noch zweier weiterer Beamter und zweier Unterbeamter. Für die Kosten der Administration standen fast nur die Lesegebühren des Publikums zur Verfügung. Dennoch gelang es, die oben angeführten Aufgaben in ziemlichem Maße zu erfüllen. Es wurde nach Grundsätzen moderner Bibliothekstechnik ein Zettelkatalog angelegt, und zwar sowohl nach den Autoren der Bücher als ein Sachkatalog nach den Fächern. Letzterer erwies sich als besonders notwendig, da die Bibliothek sich aus Spenden 235