Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XIII (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 169)
- Language
- German
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2. „Moschwei-Odwim" (Arbeitersiedlungen). Die Gründung der Moschwei-Owdim hat ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Kolonisation in Palästina eröffnet. Hier wurden alle die Erfahrungen, welche man in der palästinensischen Kolonisation bis dahin gesammelt hatte, planmäßig benutzt. Der grundlegende Unterschied zwischen der Methode der Moschwei- Owdim und den landwirtschaftlichen kooperativen Gruppen liegt in der Arbeitsform. Während die Anordnung der Arbeit in der Gruppe kooperativ ist, ist die Art der Arbeitsordnung im Moschaw individuell. In dem Streit, welcher von beiden Wirtschaftsformen der Vorzug zu geben sei, hat sich jetzt ein Teil unserer Siedler, der bereits in Gruppen organisiert war, für die Form der individuellen Wirtschaft in dem Moschaw-Owdim entschieden. Die Träger der Idee des Moschaw-Owdim streben nach individueller Lebensweise, wollen ihre Kräfte auf ihrem individuellen Bodenteile konzentrieren und die Ergebnisse ihres persönlichen Fleißes sehen. Aber auch diese Anhänger einer individuellen Wirtschaftsform übernahmen von der kooperativen Wirtschaft das Bestreben nach Kooperation. in allen Arbeiten und in allen Zweigen auf, in welchen sie, aller Voraussicht nach, Nutzen bringen kann. So werden auch in den Moschwei-Owdim der Kauf der notwendigen Materialien und der Verkauf der Erträge in kooperativer Weise arrangiert. Außerdem vereinigen sich in vielen Fällen kleine Gruppen aus der Mitte der Mitglieder der Siedlung zur Durchführung bestimmter Arbeiten in einem bestimmten Zweige. So wurden z. B. in den Arbeitersiedlungen in kooperativer Weise Gebäude errichtet. So wurde auch das tiefe Pflügen und die Pflanzung von Waldbäumen usw. gemeinschaftlich vorgenommen. Die gemeinsame charakteristische Linie des Moschaw, die sich hauptsächlich auf individuelle Arbeit stützt, wie auch der kooperativen Gruppe ist der Gedanke der Eigenarbeit. Dadurch, daß in der Wirtschaft kein Bedürfnis nach Lohnarbeit vorhanden sein wird, wird man voraussichtlich der prinzipiellen Schwierigkeiten Herr werden, auf welche die Wirtschaften der ersten Kolonisten stießen. Dementsprechend soll die Wirtschaftsmethode den Kräften der Familie entsprechen und der Typus soll vielgestaltig sein, damit alle Familienmitglieder das ganze Jahr hindurch Beschäftigung finden. Gemäß den jetzigen ökonomischen Bedingungen Erez Israels und mit Rücksicht auf all die erwähnten Faktoren wurde die Normalfläche für den Grundbesitz einer Familie auf 100 Dunam festgesetzt. Bei der Gründung verschiedener Kolonien wurde bei der Wahl der Leute für die Kolonisation häufig der Fehler gemacht, daß die Ansiedler häufig Leute waren, zwischen denen keine innere Verbindung bestand. Bei der Gründung der Moschwei-Owdim wurde dieser Fehler vermieden. Das Menschenmaterial der beiden neuen Moschawim (Kfar-Nahalal und Kfar Jecheskiel) wurde aus Vereinigungen von Leuten, die einander seit vielen Jahren durch gemeinsame Arbeit kannten, genommen. Eine wichtige Neuerung bei der Gründung der Moschawim bestand ferner darin, daß die Siedlungen von Anfang an nach bestimmten Plänen gebaut wurden, die durch Sachverständige gemeinsam mit den Siedlern ausgearbeitet wurden. 160