Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- X (1911)
- Date
- 1911-08-09
- Page
- Seite 95 (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9038125-9038126--0117-9038240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 95 — Westösterreich Die westosterreichischè Landesorganisation gliedert sich in drei Distrikte, Innerösterreich, Böhmen nnd Mährisch-Schlesien, welche nach dem früheren Landesstatnt in weitem Umfange autonom sind. Die Distriklskomitees entsenden je einen Vertreter zu den jeweiligen Sitzungen des Zentralkomitees. Die Schekelzahlungen ergahen pro 1910 M 3350, pro 1911 M 6500. Das zionistische Zentralkomitee als solches hat kein eigenes Organ, gibt jedoch die Monatsschrift;; Palästina" heraus, dagegen haben die einzelnen Distriktskomitees Preßorgane. Das offizielle Blatt des innerösterreichischen Distriktskomitees ist die „Jüdische ZeitungÄ, Wien. Das mälirisch-schlesischeDistriktskomitee gibt eigene Mitteilun gen heraus, von denen bisher acht Nummern erschienen sind, die jedem Schekelzahler des Distriktskomitees gratis zugehen. In Prag erscheint die zionistische Wochenschrift }) S e 1 b stwehr *. Eine Hauptaufgabe der Leitung der Landesorganisation war es, durch ein maßvolles Vorgehen den Zusammenschluß der ursprünglich völlig autonomen Distrikte zu festigen. Daß dies bis zu hohem Grade gelungen ist, zeigte der Verlauf des zweiten österreichischen Parteitages vom 27. April 1910, auf welchem völlige Einmütigkeit herrschte. Die Hauptarbeit, die das zionistische Zentralkomitee zu leisten hatte, war eine rein zionistische. Die politische Aktion der Zionisten wird durch den Jüdischen Nationalverein für Westösterreich geführt. Die Tätigkeit der Organisation erstreckte sich in erster Reihe auf die Propaganda der Idee, die in der Berichtszeit lebhaft betrieben wurde. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, für das Buch Dr. Zollschans Das Rassenproblem eine sehr ausgedehnte Propaganda zu betreiben. Ferner wird vom Zentralkomitee in Kürze eine Broschüre herausgegeben werden, Avelche die Hauptergebnisse der Zollschanschen Untersuchungen in popularisierender Weise zusammenfassen wird. Das Zentralkomitee hat auch dafür Sorge getragen, daß eine ähnliche Propaganda von anderen Organisationen betrieben Avird. Die in WeslÖsterreich, namentlich in Wien und Prag, sonst betriebene Propaganda hatte viel weniger als früher den Charakter einfacher zionistischer Aktion, sondern wurde namentlich in Wien und Prag als Ideenpropaganda betrieben, wobei außer von Zollschan noch Vorträge von Martin Buber, Julius Bab, Hermann Bahr, Felix Saiten, Werner Sombart und anderen stattfanden. Diese Hebung des Propagandaniveaus war auch von einer Vertiefung des Interesses für zionistische Fragen begleitet. So wurde unter anderem in Wien ein freies zionistisches Seminar mit Diskussionen über alle Probleme abgehalten. Große Aufmerksamkeit hat. das Zentralkomitee auch der Agitation für die hebräische Sprache zugewendet, und es gelang, in einigen Städten Sprachkurse einzurichten. Die Vertreter der westösterreichischen Organisation waren aber nicht der Ansicht, daß ein spezielles Organ für